Barbara Harmer: Die Concorde blieb ihr Lieblingsflugzeug.

Luftfahrtlegende Barbara HarmerVom Friseursalon ins Cockpit der Concorde

Nur zwei Frauen steuerten je eine Concorde. Die erste von ihnen hatte in einem ganz anderen Beruf begonnen.

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Noch immer hört man ziemlich selten eine Frauenstimme, wenn sich die Person aus dem Cockpit meldet und über den Flugverlauf berichtet. Frauen machen bei den meisten Fluggesellschaften immer noch einen einstelligen Prozentanteil des Cockpitpersonals aus. Tendenz langsam steigend - auch dank Vorbilder.

Barbara Harmer ist eines dieser Vorbilder. Als erste und nur eine von zwei Concorde-Pilotinnen schrieb sie Luftfahrtgeschichte. Und ihr Weg dorthin war alles andere als einfach. Er begann mit einer Ausbildung zur Friseurin, nachdem die Britin mit 15 Jahren die Schule verlassen hatte.

Abitur nachgeholt, als Lotsin gearbeitet

Nach fünf Jahren war Harmer das Haarschneiden leid. Sie ließ sich zur Fluglotsin ausbilden und holte ihr Abitur nach. Ihre Karriere in der Luftfahrt begann sie als Lotsin am Londoner Flughafen Gatwick. Doch Harmer zog es immer ins Cockpit. Neben ihrer Arbeit als Lotsin nahm sie Flugstunden, erlangte die Privatpilotinnenlizenz und begann schließlich, als Fluglehrerin an der Goodwood Flight School zu arbeiten.

Doch das reichte ihr immer noch nicht. Dank eines Bankdarlehens konnte sie 1982 ihre Berufspilotenlizenz (Commercial Pilot's License oder kurz CPL) erwerben. Pilotenmangel wie heute herrschte damals nicht. Harmer schrieb über 100 Bewerbungen, bis sie schließlich eine Stelle bei Genair bekam, einer kleinen regionalen Fluggesellschaft. 1984 wurde die Airline jedoch insolvent.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten

Schließlich landete sie bei British Caledonian. Sie flog dort die die BAC 1-11, ein Kurzstreckenflugzeug britischer Produktion. Nach drei Jahren wechselte sie auf die dreimotorige McDonnell Douglas DC-10 und flog für British Caledonian auf der Langstrecke. Vier Jahre später übernahm British Airways die Konkurrentin. Von den rund 3000 Cockpit-Besatzungsmitgliedern waren nur 60 Frauen. Und keine davon steuerte die Concorde.

Harmer änderte das. British Airways wählte sie aus, die sechsmonatige Ausbildung zu absolvieren, bevor sie am 25. März 1993 ihre Musterzulassung für den Überschalljet erhielt. Später im selben Jahr war sie Erste Offizierin auf einem Flug vom Londoner Flughafen Heathrow zum John F. Kennedy International Airport in New York und begründete damit den exklusiven Club der Frauen, die am Steuer der Concorde saßen.

Nur eine weitere Concorde-Pilotin

Neben Harmer steuerte nur eine weitere Frau den Überschalljet: Béatrice Vialle, eine Pilotin der Air France. Harmer verstarb im Jahr 2011 an den Folgen einer Krebserkrankung. Erinnern wird man sich aber immer an sie. Für sie selbst einer der besten Momente ihrer Karriere war, als sie 1999 die Fußballmannschaft von Manchester United nach Barcelona zum Finale der Champions League gegen Bayern München flog.

Manchester United gewann den Pokal. Fotos von Manager Alex Ferguson, der aus dem Cockpit der Luftfahrt-Ikone winkte, gingen um die Welt. Nur ein paar Jahre später war es mit der Concorde vorbei. Das Ende des Jets läutete eine Katastrophe ein: Am 25. Juni 2000 fing eine Concorde der Air France beim Start in Paris Feuer, die Maschine stürzte auf ein Hotel, 113 Menschen starben.

Von der Concorde zur Triple-Seven

Air France und British Airways zogen ihre Concordes für ein Jahr aus dem Verkehr, das endgültige Aus kam wenig später: Die Maschinen waren auch nach 25 Jahren in der Luft noch immer nicht rentabel. Die beiden Airlines verkündeten am 10. April 2003 gleichzeitig das Ende der Überschallfliegerei.

Harmer flog auch nachher noch weiter als Pilotin auf der Langstrecke – mit der Boeing 777. Doch die Concorde blieb für immer ihr Lieblingsflieger. Nichts lasse sich mit dem Gefühl, den eleganten Jet zu steuern, vergleichen. «Selbst Piloten können nicht anders als zu starren», sagte sie einmal.

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