Bruchlandung von Air India ExpressPiloten missachteten in Kozhikode Regeln und überschätzten sich

Vor einem Jahr verunglückte eine Boeing 737 von Air India in Kozhikode. 21 Menschen starben bei der Bruchlandung. Der Untersuchungsbericht zeigt eine ganze Reihe von Versäumnissen der Piloten auf.

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Heftiger Monsunregen ging über Kozhikode nieder, als die Boeing 737-800 zum zweiten Mal zur Landung ansetzte. Die Piloten steuerten nach einem einem ersten misslungenen Landeversuch auf Piste 28 nun die Gegenrichtung an, also Piste 10 des Calicut International Airports. Doch dabei setzten sie viel zu spät auf.

Das Flugzeug von Air India Express überschoss die Landebahn, fiel rund zehn Meter einen Abhang hinunter und brach in drei Teile. 21 Menschen starben beim Unglück der Boeing 737 vom 7. August 2020. Jetzt hat die indische Untersuchungsbehörde Aircraft Accident Investigation Bureau AAIB ihren Bericht zum Unglück von Flug IX1344 vorgelegt. Und dabei kommen die beiden Piloten schlecht weg.

Wichtige Parameter nicht besprochen

Die Fehlerkette begann schon vor der Landung. So funktionierte beim ersten Anflug der eine Scheibenwischer auf der Seite des Flugkapitäns plötzlich nicht mehr. Beim zweiten Anflug lief er wieder, aber zu langsam. Seine Sicht war dadurch eingeschränkt. Die beiden Piloten kannten offenbar das Problem, wie die Ermittler aus einer ausführlichen Einweisung des Kapitäns an den Kopiloten bezüglich der Scheibenwischer schließen.

Noch viel schwer wiegt, dass es im Cockpit offenbar keinerlei Diskussion über die verfügbare Landedistanz gab, im Jargon available landing distance genannt. Zuvor war schon vergessen gegangen, die Kabinenbesatzung zum Sitzen aufzurufen. Auch beim zweiten Anflug, der mit Rückenwind und schlechter Sicht stattfand, wurde der wichtige Parameter der verfügbaren Landedistanz nicht besprochen. Das widerspricht gängiger Praxis und den Vorschriften von Air India.

Kapitän ignorierte Kommando

Auch nach dem ersten misslungenen Versuch in Kozhikode zu landen machten die Piloten gemäß dem Bericht des Aircraft Accident Investigation Bureau  einen Fehler. Sie zogen zu keinem Zeitpunkt in Betracht, an einen anderen Flughafen auszuweichen. Dabei gab es alternative Airports in der Nähe und genug Treibstoff war im Tank. Auch das widersprach den Standardvorschriften. Der Kopilot habe sich dazu ebenfalls nicht geäußert.

Das zeigte sich zu einem anderen Zeitpunkt. Beim zweiten Landeversuch setzte die Boeing 737 von Air India erst in der Mitte der Piste auf. Der 59-jährige Flugkapitän D.S. steuerte da das Flugzeug (man spricht vom Pilot Flying), der 32-jährige Kopilot überwachte das Geschehen (Pilot Monitoring). Und er reagierte jetzt richtig. Er rief «Go around!» aus, also «Durchstarten!».

Kapitän ignorierte Kommando

Doch der Kapitän ignorierte das, obwohl es nach dieser Ansage Pflicht gewesen wäre, wieder Schub zu geben und die Nase des Jets hochzuziehen. Und der Kopilot griff nicht ein und übernahm die Steuerung. Einiges deute auf ein steiles Hierarchiegefälle hin, so das Aircraft Accident Investigation Bureau in seinem Bericht.

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