Saab GlobalEye: Hat die Nato überzeugt.

Fliegendes RadarsystemSaab GlobalEye als Nachfolger der Boeing E-3 Sentry: Das steckt hinter dem künftigen Frühwarnsystem der Nato

Ablösung für die alternde Boeing-Flotte: Die Nato hat sich für die Anschaffung von zehn Saab GlobalEye als fliegendes Frühwarnsystem entschieden. Das beschert mehreren hochspezialisierten Firmen aus der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie wichtige Aufträge - und das weit über Schweden hinaus.

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Die Würfel sind gefallen: Auf dem 36. Gipfeltreffen in Ankara hat Nato-Generalsekretär Mark Rutte bekannt gegeben, dass das transatlantische Verteidigungsbündnis künftig auf den schwedischen Saab GlobalEye als neue Plattform für die luftgestützte Frühwarn- und Luftraumüberwachung setzen wird. «Wir heben die Überwachungs- und Führungsfähigkeiten der Nato auf eine neue Stufe», sagte der Niederländer. Geplant ist die Beschaffung von zehn der Flugzeuge. Die Vertragsverhandlungen über die Modalitäten stehen noch aus.

Die zehn Saab GlobalEye sollen die aktuelle AWACS-Flotte, die seit 1982 im Einsatz ist, schrittweise ergänzen und ersetzen. Die Nato betreibt aktuell 14 Boeing E-3 Sentry als Airborne Warning and Control System (AWACS).

Saab GlobalEye erfasst Ziele in 650 Kilometern Entfernung

Der Saab GlobalEye ist eines der modernsten luftgestützten Frühwarn- und Führungsflugzeuge (AEW&C – Airborne Early Warning and Control). Das skandinavische System fungiert als «fliegendes Auge» und kann simultan den Luftraum, Seegebiete und Bodenziele überwachen («Multi-Domain-Fähigkeit»). Im Unterschied zu den vor dem Aus stehenden AWACS-Flugzeugen basiert GlobalEye nicht auf einem Verkehrsflugzeug. Vielmehr wird das System auf dem zivilen Langstrecken-Businessjet Bombardier Global 6500 installiert. Die ursprüngliche GlobalEye-Version basierte auf der Bombardier Global 6000.

Eine Einheit bleibt elf bis zwölf Stunden in der Luft, erfasst Ziele auf Entfernungen von bis zu 650 Kilometern und kann auch kleinere Flugplätze nutzen. Zum Vergleich: Die Northrop-Grumman-E-2D-Hawkeye bleibt sechs Stunden in der Luft und ist dagegen primär ein trägergestütztes Frühwarnsystem der US Navy.

Internationale Zulieferer für Saab GlobalEye

Saab Technologies stattet das Flugzeug mit dem Erieye-ER-AESA-Radar sowie einer Fülle von Sensoren und Missionssystemen aus. Die Kosten pro Gesamteinheit belaufen sich auf 600 bis 680 Millionen Euro, je nach Gesamtumfang (Ersatzteile, Training, Serviceleistungen).

Von der steigenden Popularität des schwedischen Frühwarnsystems profitieren indes nicht nur Saab und die kanadische Bombardier. Zwar ist GlobalEye ein militärisches Flugzeug, das sich vom zivilen Global 6500 ableitet. Dennoch steckt im Gesamtsystem auch US-Technologie. Über die Bombardier-Basisplattform fließt unter anderem Avionik von Honeywell in ein. Das auf dem Rumpfrücken mit einem hochauflösenden Radar montierte System basiert auf der Erieye-Technologie, die ursprünglich von Ericsson entwickelt wurde.

Idealer Zeitpunkt für Schwedens Luft- und Raumfahrtindustrie

Rolls-Royce ist über die Pearl-15-Triebwerke mit an Bord. Darüber hinaus können – abhängig von Kundenanforderungen und Konfiguration – weitere westliche Zulieferer beteiligt sein. Saab veröffentlicht jedoch keine vollständige Lieferantenliste. Einige Firmen sind jedoch aufgrund ihrer langjährigen Kooperation mit dem börsenkotierten schwedischen Konzern als wahrscheinliche beziehungsweise bekannte Zulieferer einzuordnen. Collins Aerospace aus North Carolina ist zum Beispiel ein bedeutender Bombardier-Zulieferer. Zu den europäischen Unternehmen, deren Komponenten je nach Kundenkonfiguration und Subsystemen zum Einsatz kommen können, zählen unter anderem Hensoldt, Rohde & Schwarz (beide aus Deutschland), Thales (Frankreich), Leonardo (Italien) und die britische BAE Systems.

Für Schwedens Luft- und Raumfahrtindustrie könnte der Schachzug kaum zu einem günstigeren Zeitpunkt kommen: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr der schwedischen Luftwaffe, die 2026 ihr 100-jähriges Bestehen feiert, erhält Saab mit dem Nato-Auftrag einen der bedeutendsten Exporterfolge seiner Konzerngeschichte. Das schwedische Flygvapnet wurde am 1. Juli 1926 als Teilstreitkraft gegründet und begeht sein Jubiläum gerade mit landesweiten Feierlichkeiten und einer großen Flugschau in Linköping. Daher lautet das Urteil des schwedischen Verteidigungsanalysten Renato Rios: «Die Signalwirkung dieser Entscheidung lässt sich kaum überschätzen.»

Saab GlobalEye spielte zuletzt wichtige Rolle für Emirate

Profitieren wird auch die militärische Luftfahrt in den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem der engsten Sicherheitspartner am Golf. Denn die Emirate waren 2015 Erstkunde und operieren heute mit fünf GlobalEye-Systemen. Und je mehr GlobalEyes im Einsatz sind, desto mehr Erfahrungsdaten werden generiert, die für den Ernstfall Gold wert sind.

Für das Scheichtum sind insbesondere Erfahrungen über Gewässern von Interesse, trennt doch der Persische Golf das Land vom Iran, der die Emirates während des Krieges nach Angaben von Abu Dhabi mit 551 ballistischen Raketen, 29 Marschflugkörpern und 2265 Drohnen beschossen hat. GlobalEye spielte bei der Luftraumüberwachung und Zielzuweisung während der Abwehr iranischer Projektile eine wichtige Rolle. Das System demonstrierte die royale Luftwaffe zuletzt stolz an der Dubai Airshow im November 2025.

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