Leonardo M-346: Österreich entscheid sich für den leichten Kampfflieger aus Italien.

Kauf von Leonardo M-346Österreichs langes Warten auf Gegengeschäfte für italienische Kampfjets

Seit Österreich den Vertrag über den Kauf von M-346 Block 20 unterzeichnet hat, sind mehrere Monate vergangen. Hersteller Leonardo hat Gegengeschäfte im Gesamtwert von 400 Millionen Euro zugesagt. Dem folgte allerdings bisher wenig Konkretes.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Head of Mechanical Final Assembly PC-12 (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker Experimental Shop (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
ticker-dfs-deutsche-flugsicherung

Fluglotse (w/m/d)

Deutsche Flugsicherung DFS
Studium
Langen b. Frankfurt
Top jobs
Deutschland
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Ende vergangenen Jahres herrschte bei österreichischen Unternehmen der Luft- und Verteidigungsindustrie Aufbruchstimmung. Sie erwarteten lukrative Aufträge. Denn genau das hatte die Regierung in Aussicht gestellt, als sie ein neues Flugzeug für die Luftstreitkräfte bestellte. Mehrere Hersteller konkurrierten um den attraktiven Auftrag. Wien entschied sich schließlich für die M-346FA Fighter Attack von Leonardo.

Der zwischenstaatliche Vertrag im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro wurde Ende November unterzeichnet und umfasst zwölf Exemplare des zweisitzigen, zweistrahligen Schul- und Mehrzweckkampfflugzeuges sowie Pakete für Ausbildung, Logistik und technische Unterstützung. Die Auslieferungen an die österreichischen Luftstreitkräfte sollen 2028 beginnen. Bei der Bewertung der konkurrierenden Angebote machte die österreichische Regierung deutlich, dass sie von einem derart teuren Rüstungsbeschaffungsprogramm auch Vorteile für die heimische Wirtschaft und Industrie erwartet.

Italien versprach Investitionen und Gegengeschäfte

Leonardo bot Österreich ein umfangreiches Industriepaket an, das offenbar einer der Faktoren für die Entscheidung Wiens zugunsten der M-346FA war. Obwohl die Einzelheiten nicht veröffentlicht wurden, gab eine Pressemitteilung des österreichischen Verteidigungsministeriums einige Anhaltspunkte. «Parallel zur Beschaffung wurde mit Italien eine Industrievereinbarung geschlossen. Sie soll Aufträge im Wert von rund 400 Millionen Euro für österreichische Unternehmen generieren. Geplant sind Projekte in den Bereichen Luftfahrttechnik, Zulieferindustrie, Digitalisierung sowie Forschung zu Werkstofftechnologie, Simulation und Sensorik.» Mit dem Deal könne man die Sicherheitsinteressen Österreichs schützen und gleichzeitig sei sie mit europäischem Recht vereinbar, hieß es weiter.

Ziel der Bundesregierung war es, «dass möglichst viel öffentliches Geld in Form heimischer Wertschöpfung in die Wirtschaft zurückfließt. Die industrielle Zusammenarbeit soll die technologische Souveränität stärken, Lieferketten stabilisieren und Arbeitsplätze sichern». Dabei handelt es sich jedoch lediglich um Erwartungen und Zielsetzungen der österreichischen Regierung zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung. Sie belegen nicht, dass entsprechende Aufträge bereits vergeben oder Investitionen getätigt wurden.

Österreichische Industrie wartet weiterhin

Doch wie aus österreichischen Industriekreisen zu erfahren ist, wurde bislang noch kein einziges Gegengeschäft unterzeichnet. Bei ihnen sorgt dies für Besorgnis. Gespräche zwischen österreichischen Unternehmen und Leonardo laufen zwar weiterhin. Aus Sicht österreichischer Branchenvertreter gestalten sie sich jedoch schwierig und haben bisher keine zufrieden stellenden Ergebnisse gebracht, heißt es in den Kreisen.

Die Wirtschaftskammer Österreich WKÖ unterstützt die Regierung durch die Vermittlung von Treffen zwischen österreichischen Unternehmen und Leonardo. Sie sieht gemäß einem Sprecher «erhebliches Potenzial» für Gegengeschäfte. Österreich verfüge über ein «vielfältiges Ökosystem hochqualifizierter, technologieorientierter Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die unter anderem in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung, Luftfahrt, Raumfahrt, Cybersicherheit, fortschrittliche Fertigung, Sensorik und Kommunikation» tätig seien. Der WKÖ-Sprecher verweist auch auf die Laufzeit von 15 Jahren. Das biete beiden Seiten die Möglichkeit, Partnerschaften aufzubauen und gemeinsame Projekte erfolgreich zu entwickeln.

Offenbar angespannte Gespräche mit Leonardo

Ein Branchenmanager, der anonym bleiben möchte, behauptet jedoch, die Atmosphäre bei Treffen zwischen der österreichischen und der italienischen Seite sei zunehmend angespannt. Auch in einem Bericht des Magazins Militär Aktuell heißt es: Eine mit Leonardo abgehaltene Informationsveranstaltung in Wien habe «für weitere Enttäuschung gesorgt. Rund 150 Vertreter österreichischer Unternehmen waren gekommen, in der Hoffnung, endlich konkrete Informationen über Projekte, Bedarf und Kooperationsmöglichkeiten zu erhalten.

Stattdessen konzentrierte sich die Veranstaltung - wie mehrere Teilnehmer berichteten - fast ausschließlich auf den Prozess der Lieferantenregistrierung, also auf die formalen Schritte, die Unternehmen zunächst durchlaufen müssen, um als potenzielle Lieferanten von Leonardo gelistet zu werden». Viele Teilnehmer hatten gemäß dem Manager den Eindruck, dass sie konkrete Themen besprechen wollten - Leonardo sich jedoch hauptsächlich auf Prozesse konzentrierte und selbst in diesen Punkten schlecht vorbereitet war.»

Frühere Eurofighter-Vorwürfe für unbegründet befunden

Im Zusammenhang mit der Beschaffung von Eurofighter Typhoon für die österreichischen Luftstreitkräfte war es bereits zu einem großen politischen und juristischen Konflikt gekommen. Der damalige Beschaffungsprozess löste in Österreich einen Aufruhr aus und führte zu Gerichtsverfahren. Im Mittelpunkt standen Vorwürfe, das Konsortium habe die österreichische Regierung über Flugzeugpreise, Betriebskosten, Zuverlässigkeit und Ausstattung getäuscht. Die Ermittlungen wurden im April 2020 indes eingestellt. Das Gericht befand die Vorwürfe für unbegründet.

Nun äußern Führungskräfte österreichischer Unternehmen erneut Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen des neuen Programms für die Leonardo M-346 Block 20. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte der lange Zeitraum der Vereinbarung für Gegengeschäfte es dem italienischen Unternehmen ermöglichen, eine Reihe kleiner Projekte in Österreich umzusetzen, die nur wenig zur technologischen Entwicklung beitragen und österreichischen Unternehmen kaum neue Wettbewerbsvorteile verschaffen würden. Das Verteidigungsministerium ließ Anfragen bisher unbeantwortet.

Kanada-Auftrag ist bedeutender Erfolg für die M-346

Leonardo bleibt hinsichtlich der Aussichten für die M-346 optimistisch. Das Flugzeug erlebe gerade «eine fantastische Phase», so Chef Lorenzo Mariani, kürzlich bei der Präsentation der neuesten Ergebnisse. Ein Blick zurück ergibt jedoch ein differenziertes Bild. Vor einigen Jahren entging Leonardo eine potenzielle Geschäftsmöglichkeit in Polen, als Warschau südkoreanische leichte Kampfflugzeuge anstelle der M-346FA auswählte.

Die polnischen Luftstreitkräfte setzten die M-346 bereits in ihrer Trainingsversion ein. Vor diesem Hintergrund hätte die Entscheidung für die Kampfversion als naheliegender nächster Schritt erscheinen können. Auch der Eintritt von Turkish Aerospace Industries in den spanischen Markt bedeutete einen Rückschlag für Leonardo. Madrid unterzeichnete im vergangenen Herbst einen Vertrag im Wert von mehr als drei Milliarden Euro über TAI Hürjet. Dem stehen Verkaufserfolge gegenüber. Ein 2026 in Kanada gewonnener Auftrag ist ein bedeutender Erfolg für die M-346.

Leonardo konkurriert um einen Großauftrag in den USA

Leonardo sieht sich zudem im Vereinigten Königreich mit Konkurrenz konfrontiert. Dort soll die T-7A Red Hawk der Royal Air Force angeboten werden. Im Juli unterzeichnete BAE Systems mit Boeing und Saab eine industrielle und kommerzielle Vereinbarung über das Flugzeug. Leonardo konkurriert außerdem um einen Großauftrag in den Vereinigten Staaten. Das Undergraduate Jet Training System-Programm der US Navy verfügt über ein Budget von mehr als zehn Milliarden Dollar.

Video

lufthansa fra gate of the future 07
Lufthansa und der Flughafen Frankfurt testen im Terminal 1, wie ein Gate effizienter funktionieren kann und zugleich komfortabler für die Gäste wird. Dabei geht es sowohl um Lounge-Elemente, als auch darum, Bewegungen zu analysieren und einem Software-Wirrwarr Herr zu werden.
Timo Nowack
Timo Nowack
airbus a340 600 lufthansa abschied duesseldorf
Der erste von vier Airbus A340-600 von Lufthansa hat Düsseldorf wieder verlassen. Der lange Vierstrahler winkte zum Abschied.
Timo Nowack
Timo Nowack
Airbus A350 von Finnair in Melbourne: Der Weihnachtsmann fliegt selbstverständlich mit der finnischen Nationalairline nach Australien.
15.200 Kilometer, ein Zwischenstopp in Bangkok und ein neuer Kontinent im Streckennetz: Finnair hat ihre erste Australien-Verbindung eröffnet. Weshalb die Wahl auf Melbourne fiel, warum auch Fracht eine wichtige Rolle spielt und weshalb selbst der Iran-Krieg die Airline nicht von ihren Plänen abbrachte.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin