Northrop Grumman B-21: Stealth ist wichtiger als Speed. Eine B-21 Raider wird in der Luft betankt.

Northrop Grumman B-21Northrop Grumman B-21 macht weiteren Schritt auf dem Weg zur Geburt des neuen Superbombers

Die Luftwaffe der USA will sich in der strategischen Luftkriegsführung auf ein neues Niveau heben. Das Mittel dazu heißt Northrop Grumman B-21. Nun hat der neue Superbomber einen weiteren wichtigen Schritt gemacht.

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«Niemand kann uns auch nur annähernd das Wasser reichen», sagte Präsident Donald Trump auf dem Höhepunkt des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran. Die martialische, vollmundige Einschätzung bezieht sich auch auf die Langstreckenfähigkeit der Luftwaffe der USA.

Während des Luftkriegs kamen strategische Langstreckenbomber Rockwell B-1 Lancer, Northrop B-2 Spirit und Boeing B-52 Stratofortress zum Einsatz. Auf dieser Bomber-Triade beabsichtigt die US Air Force indes nicht auszuruhen.

Zeit für ein Upgrade bei den Langstreckenbombern

Auch weil die B-52 Stratofortress bereits seit den 1950er-Jahren im Einsatz ist, arbeiten 8000 Mitarbeitende des Rüstungskonzerns Northrop Grumman und bei der US Air Force emsig daran, die sich in der Entwicklungsphase befindliche B-21 Raider schon 2027 an die Luftstreitkräfte auf der Ellsworth Air Force Base in South Dakota auszuliefern.

Der Name Raider ist eine Hommage an den amerikanischen Angriff von 16 North American B-25-Mitchell-Maschinen unter dem Kommando von James Doolittle auf Tokio, der unter anderem von Hollywood im Film Pearl Harbor von 2001 dargestellt wurde.

Weltweiter Einsatz möglich

Jetzt hat Northrop Grumman im Flugerprobungsprogramm die Luftbetankung des B-21 erfolgreich abgeschlossen und verkündet, dass das Nurflügler-Tarnkappenflugzeug seiner Feuertaufe ein gutes Stück näher rückt.

«Mit erfolgreich demonstrierter Luftbetankung durch einen Boeing KC-135 Stratotanker beweist der B-21, dass er weltweit operieren und jedes Ziel bedrohen kann, um Abschreckung und Durchsetzungsfähigkeit zu gewährleisten», sagt Northrop Grumman. Die KC-135 kam in die Schlagzeilen, als am 12. März zwei Maschinen nach einem Einsatz im Irakkrieg bei ihrem Rückflug über dem Westen des Irak offenbar kollidierten und alle sechs Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

B-21 wird kompakter und effizienter

Die B-21 basiert auf dem Long-Range Strike Bomber-Programm, das das Pentagon gedanklich 2009 konzipierte und 2010/11 offiziell lancierte. Viele Daten sind (noch) geheim, doch Schätzungen gehen von einer Spannweite von maximal 45 Metern und einer Länge der B-21 Raider von bis zu 22 Metern aus. Werden die 5 Meter Höhe mitberücksichtigt, so ist die B-21 kleiner und kompakter als ihre Vorgängerin, die Northrop Grumman B-2 Spirit.

Ohne Luftbetankung gehen Fachleute von einer interkontinentalen Flugreichweite von 9.000 Kilometern oder 4.860 nautischen Meilen aus. Dies entspricht einer Luftlinie von Frankfurt nach Kalifornien.

Eine gigantische Reichweite

Mit Luftbetankung ist die Reichweite grenzenlos. Die genaue Flughöhe ist nicht bekannt; der typische Bereich der Bombergeschader liegt bei 50.000 Fuß (15.000 Metern). Die genaue Bombenlast ist geheim, doch sagt der Hersteller, der Fokus liege auf präzisen, konfliktentscheidenden Schlägen. Das könnte auf weniger Masse an konventioneller (oder nuklearer) Bombenlast als die 18 Tonnen schließen, mit der die Northrop Grumman B-21 bestückt werden kann.

Astronomisch hohe Summen kursieren über den Flieger: Eine einzelne B-21 soll zwischen 550 und 700 Millionen Dollar kosten. Die obere Schätzung entspräche fünf bis sechs Eurofightern. Allein in die Entwicklung der digitalen Technologie der B-21 Raider, welche die sechste Generation der Stealth-Flieger darstellt, investierte Northrop Grumman 5 Milliarden Dollar. 400 Zulieferfirmen sind in über 40 Ländern verstreut.

Northrop Grummans B-21 ist flach wie eine Frisbeescheibe

Die schlanke Silhouette der B-21 soll für eine agilere Flugweise und effizientere Aerodynamik sorgen. Das Auftragsvolumen des Pentagons beträgt 80 Milliarden Dollar und soll die Zahl der nuklearwaffenfähigen US-Bomberflotte von 60 auf 120 Exemplare bis 2040 erhöhen.

Kein Nato-Partner verfügt über vergleichbare Kapazitäten. Die Briten schafften ihre strategischen Angriffsflugzeuge in den 1980er- und 1990er-Jahren ab, weil sie zunächst als zu teuer galten. Später schaffte London sie ab, weil man sich nach dem Ende des Kalten Krieges auf U-Boote als nuklearwaffenfähige Träger fokussierte.

Northrop Grumman macht bei Tests auf Tempo

Frankreich verlässt sich in seiner nuklearen Abschreckung auf eigene Rafale-Kampfjets aus dem Hause Dassault sowie auf U-Boote. Russland verfügt über eine strategische Bomberflotte, die aus Tupolev-Bombern besteht. Chinas Fähigkeiten in diesem Bereich befinden sich noch im Aufbau. Der zweistrahlige Bomber Xian H-6 gilt eher als regional strategisch im Raum Asien-Pazifik, da er zwar nukleare Marschflugkörper tragen kann, jedoch keine echte Interkontinental-Bomberreichweite wie die Supermächte USA und Russland besitzt.

Laut Northrop Grumman wurden die meisten Testflüge der B-21 mit einem Code One-Status erfolgreich abgeschlossen, d. h., die Maschine war nach der Landung ohne Wartungsbedarf wieder einsatzbereit. Der Konzern stellte den imposanten Militärflieger erstmals am 2. Dezember 2022 in Palmdale, Kalifornien, der Öffentlichkeit vor. Nun wurde er erstmals in der Luft betankt, wie Northrop-Grumman bekannt gibt. Man führe die Testphase der B-21 Raider in beispiellosem Tempo durch und stellen dabei immer wieder ihre herausragende Leistungsfähigkeit unter Beweis. Nun würden Luftfahrtfans noch gerne die leeren Radarschirme am Boden sehen, wenn der Tarnkappenbomber am Himmel seine Runden dreht.

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