GCAP - Drei Länder für einen Kampfjet der schsten Generation

GCAPDer neue europäisch-asiatische Kampfjet nimmt Form an

Während das deutsch-französisch-spanische Kampfjetprogramm FCAS in einer tiefen Krise steckt, gewinnt ein anderes Projekt an Dynamik. Großbritannien, Italien und Japan treiben mit GCAP die Entwicklung eines Kampfjets der sechsten Generation voran – inklusive künstlicher Intelligenz im Cockpit.

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Kaum ist das deutsch-französisch-spanische Tarnkappenprojekt FCAS Geschichte, rückt ein anderes europäisch-asiatisches Kampfjetprogramm in den Mittelpunkt: das Global Combat Air Programme oder kurz GCAP. Großbritannien, Italien und Japan wollen bis Ende Juni den vertraglichen Auftakt bekanntgeben. Entwickelt werden soll ein Kampfjet der sechsten Generation – mit künstlicher Intelligenz als Kopilot im Cockpit.

Eines kann man GCAP nicht vorwerfen: dass das Etikett «Global» übertrieben wäre. Als sich Großbritannien, Italien und Japan 2022 zusammenschlossen, trafen verteidigungspolitische Welten aufeinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. London und Rom sind Nato-Mitglieder, Tokio nicht. Dennoch entschied Japan damals, sein eigenes Stealth-Programm F-X in den GCAP-Masterplan einzubringen.

BAE Systems, Leonardo und Japan Aircraft Industrial Enhancement

2024 folgte der Durchbruch: BAE Systems aus Großbritannien, Leonardo aus Italien und Japan Aircraft Industrial Enhancement verständigten sich auf ein Joint Venture. Im Juni 2025 wurde es offiziell gegründet und erhielt den Namen Edgewing. Nun bekommt das Programm zusätzlichen Rückenwind – vor allem für mögliche Exporte –, nachdem Deutschland und Frankreich ihr Stealthfighter-Projekt Future Combat Air System nach jahrelangem diplomatischem Tauziehen fallen ließen. Dabei hatte Frankreichs Dassault die Führungsrolle beansprucht, während Deutschland als Teil des Airbus-Konsortiums auf ein Mitspracherecht pochte. Am Ende wurde das Projekt fallengelassen wie eine heiße Kartoffel.

Der italienische Luftwaffengeneral Fernando Giancotti bezeichnete GCAP gegenüber der Zeitung Japan Times als klare Botschaft an «autoritäre Regierungen». Ziel des Programms, das auch unter dem Namen Tempest bekannt ist, ist die Entwicklung eines vernetzten Mehrzweck-Tarnkappenjägers der sechsten Generation bis 2035.

Ersatz für Eurofighter Typhoon

In Großbritannien und Italien soll der neue Kampfjet langfristig den Eurofighter Typhoon ersetzen. In Japan ist er als Nachfolger der Mitsubishi F-2 vorgesehen. Damit soll GCAP die geopolitischen Herausforderungen der Zeit ab 2040 adressieren.

Japan hatte sich bereits 2022 entschieden, sein eigenständiges F-X-Stealthprogramm mit Tempest zu verschmelzen. Am Dienstag, 23. Juni, deutete Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto laut Reuters an, GCAP sei offen für weitere Partner. Würden Deutschland oder Saudi-Arabien einsteigen wollen, sei man «komplett offen».

Noch keine offiziellen Daten zu GCAP

Wie bei anderen Stealth-Konzepten erinnern auch die bisherigen GCAP-Skizzen an die Silhouette der amerikanischen Lockheed Martin F-35 Lightning II, die zum Maßstab der fünften Kampfjetgeneration geworden ist. Auch die türkische Tai TF Kaan und die chinesische Shenyang J-35 wirken optisch ähnlich.

GCAP ist jedoch als eine neue Generation konzipiert. Der Kampfjet wird mit unbemannten Begleitdrohnen, sogenannten Remote Carriers, zusammenarbeiten. Ein extrem leistungsstarkes Radarsystem ist geplant, das bisherige Technologien übertreffen kann. Zudem wird das Flugzeug konsequent für ein vernetztes Gefechtsfeld ausgelegt. Den einsamen Wolf am Himmel gibt es in dieser Doktrin nicht mehr – es sei denn, der Gegner legt die Kommunikation lahm. Offizielle technische Daten zu Länge, Spannweite, Gewicht oder Triebwerksleistung gibt es bislang nicht. Bekannt ist nur, dass der Jet wohl als Einsitzer mit zwei Triebwerken ausgelegt wird.

Schwergewichte bauen am digitalen Nervensystem

Aus Japan beteiligen sich Mitsubishi Heavy Industries, Mitsubishi Electric sowie der Schwerindustriekonzern IHI am GCAP-Programm. Mitsubishi baute einst auch das berühmte japanische Kampfflugzeug A6M, das bei den Alliierten unter dem Namen Zero bekannt wurde. Der künftige Kampfjet wird mithilfe von künstlicher Intelligenz und Machine Learning riesige Datenmengen aus Radar und Sensoren verarbeiten. Daraus sollen optimale Flugrouten bei jedem Wetter berechnet, Ziele priorisiert und die Kommunikation selbst bei gegnerischen Störmaßnahmen aufrechterhalten werden. BAE Systems spricht vollmundig von einem «System der Systeme» in der militärischen Luftfahrt.

Die offiziellen GCAP-Broschüren zeigen einen eleganten, geheimnisvoll wirkenden Kampfjet, der über Westminster, das Kolosseum und japanische Häfen fliegt. Die Botschaft ist klar: Der erste Auftrag des künftigen Kampfjets wird die Verteidigung der eigenen Heimat sein.

Marinetauglichkeit aus Notwendigkeit

Großbritannien übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Von den Zulieferern stammen 600 beziehungsweise 60 Prozent aus England, 400 aus Italien und Japan. Laut der Unternehmensberatung PWC wird das Programm den Briten in den kommenden zehn Jahren schätzungsweise 16.400 Arbeitsplätze sichern und 16 Milliarden Pfund, umgerechnet 18,45 Milliarden Euro, an Wirtschaftskraft generieren.

Bei allen Unterschieden verbindet die drei Partner ein gemeinsames strategisches Interesse: Sicherheit auf den Weltmeeren. Großbritannien und Japan sind Inselstaaten, Italien ist als geografischer Stiefel eine Halbinsel. Alle drei Länder kennen die historische Sorge, von See her bedroht oder abgeschnitten zu werden.

Bald neue Details zu GCAP?

BAE-Chef Charles Woodburn betonte zuletzt, das Programm mache «gute Fortschritte». Jeder Eindruck möglicher Verzögerungen wie beim gescheiterten FCAS soll vermieden werden. Die Fachwelt wartet nun gespannt auf weitere Details zum Kampfjet der sechsten Generation. Diese könnten auf der Farnborough International Airshow ans Licht kommen, die vom 20. bis 24. Juli 2026 bei London stattfindet.

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