Die Abkürzung steht für Future Combat Air System. Mit FCAS wollten Frankreich, Deutschland und Spanien gemeinsam einen Kampfjet der sechsten Generation entwickeln - ergänzt durch Drohnenschwärme, vernetzte Sensoren und eine digitale Combat Cloud. Nun ist das Herzstück des Projekts beerdigt worden.
Dassault-Chef Éric Trappier hatte bereits im März das Scheitern von FCAS prophezeit. Das europäische Airbus-Konsortium, allen voran die deutschen Vertreter, wollte eine gleichberechtigte Planungs- und Designmitsprache. Doch die Franzosen beharrten auf einer Führungsrolle. Diese Position, die Paris bis aufs Blut verteidigte, besiegelte das Aus des Projekts.
Ein Projekt, das an sich selbst scheiterte
Nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen den Industriepartnern Airbus und Dassault kamen die Regierungen in Paris und Berlin nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. FCAS wurde 2017 von Berlin und Paris ins Leben gerufen. Schon früh zeigte sich jedoch, dass politische Ambitionen und industrielle Realität nicht miteinander harmonierten.
Während Frankreich darauf bestand, dass der neue Kampfjet von Dassault geführt wird und auch die besonderen Anforderungen der französischen Nuklearstreitkräfte sowie deren Flugzeugträger erfüllen muss, verlangten Deutschland und Spanien eine gleichberechtigte industrielle Beteiligung über Airbus.
Europas Kampfjet-Landschaft wird neu gemischt
Französische Sonderwege sind kein Novum in der Verteidigungspolitik. In den frühen 1980er-Jahren arbeiteten Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien gemeinsam an einem zukünftigen europäischen Kampfjet. Frankreich verlangte jedoch – genau wie bei FCAS – eine führende Rolle für Dassault und die Fähigkeit zum Einsatz auf Flugzeugträgern. Als keine Einigung erzielt wurde, verließ Frankreich 1985 das Projekt.
Das Scheitern von FCAS hinterlässt ein strategisches Vakuum. Europa verfügt zwar über moderne Modelle wie Eurofighter Typhoon und Dassault Rafale, doch viele Luftwaffen müssen in den kommenden Jahrzehnten Ersatz für ihre alternden Flotten beschaffen. Und doch könnten sich in der Sackgasse neue Türen öffnen. Unter den Optionen sind: Kooperation mit Saab, Konzentration auf das britisch-japanisch-italienische Programm GCAP und Entwicklung eines eigenen Airbus-Kampfflugzeugs.
Warum Saab profitieren könnte
Zudem heben Experten die moderne Sensorik und elektronische Kampfführung sowie eine hohe Interoperabilität mit Nato-Systemen hervor. FCAS’ Geburtsjahr war 2017, als Schweden noch neutral war, doch entschieden sich die Nordeuropäer im Jahr 2024, der Nato beizutreten – ein weiterer Punkt für die Saab Gripen.
Kooperation mit Airbus?
Gerade die Erfahrungen des Ukraine-Krieges haben gezeigt, dass robuste und kosteneffiziente Systeme oft wertvoller sein können als extrem komplexe Prestigeprojekte. Die Ukraine hat sich inzwischen für Saab Gripen entschieden, was dem Modell ermöglicht, seine Fähigkeiten in einem hochintensiven Konflikt zu demonstrieren.
Interessant ist, dass Saab bereits öffentlich signalisiert hat, bei einem Scheitern von FCAS eine engere Zusammenarbeit mit Airbus nicht auszuschließen. Konzernchef Micael Johansson sagte, dass der Konzern offen für Kooperationen bei zukünftigen Kampfjets sei. Gleichzeitig arbeiten die Konzerne bereits bei Technologien für unbemannte Begleitflugzeuge zusammen.
Saab Gripen schneller verfügbar
Sollte die deutsche Luftwaffe nach dem FCAS-Aus eine Alternative zur vollständigen Abhängigkeit von US-Tarnkappenjäger Lockheed Martin F-35 Lightning II suchen, könnte eine europäisch-schwedische Kooperation plötzlich sehr attraktiv erscheinen. Airbus würde seine industrielle Basis behalten, während Saab jahrzehntelange Erfahrung im eigenständigen Kampfflugzeugbau einbringen könnte.
Noch wahrscheinlicher als ein völlig neues Gemeinschaftsflugzeug wäre allerdings ein kurzfristiger Erfolg der Saab Gripen E selbst. Staaten, die ursprünglich auf FCAS als zukünftige Lösung hofften, könnten nun nach einem verfügbaren europäischen Modell suchen. Die Gripen bietet hierbei mehrere Vorteile. Sie ist sofort verfügbar, eine europäische Produktion, billiger als die F-35 und dank ihres modernen AESA-Radars fit für die elektronische Kampfführung. Und er ließe sich besser in europäische Waffensysteme integrieren. Für kleinere und mittlere Luftwaffen könnte dies attraktiver sein als jahrzehntelang auf ein neues Sechstgenerationsflugzeug zu warten.
Rückschlag als Neustart?
Parallel existiert bereits das britisch-italienisch-japanische Programm GCAP (Global Combat Air Programme), das aus dem früheren Tempest-Projekt hervorgegangen ist. Damit steht Europa vor der Frage, ob ein einziger großer Masterplan ausreicht oder ob mehrere nationale beziehungsweise regionale Lösungen besser sind.
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