Tai TF Kaan: Made in Turkey.

Tai TF KaanDer Tarnkappenjäger aus der Türkei - kühn, kreativ, konkurrenzfähig?

Die Türkei hat noch nie erfolgreich einen eigenen Kampfjet gebaut. Umso mutiger ist es, dass sich das Nato-Mitglied zum Ziel gesetzt hat, den eigenen Tarnkappenjäger Tai TF Kaan zum Exporterfolg zu machen. Wie gut stehen die Chancen?

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Wirtschaftspolitisch ist das Projekt ein kühner Schritt. Die Türkei plagen seit Jahren eine hartnäckig hohe Inflation, eine lahmende Konjunktur, eine schwierige Nachbarschaft und die Folgen mehrerer Erdbeben. Dennoch will das Land die Tai TF Kaan unbedingt zum Erfolg machen. Der Multirollen-Tarnkappenjäger soll dereinst nicht nur im Inland zum Einsatz kommen, sondern auch exportiert werden.

Mit dem Programm will die Türkei langfristig die alternde Flotte der General Dynamics F-16 Falcon ersetzen und die strategische Unabhängigkeit ihrer Luftwaffe stärken. Anfang Mai, also zehn Jahre nach dem Start des Programms, hat die türkische Luftwaffe 20 Tai TF Kaan bestellt und plant, das Kontingent aufzustocken. Erste Erfolge im Ausland gibt es auch: Indonesien hat im Juni 2025 die Absicht bekundet, 48 Exemplare über zehn Jahre zu ordern. Auch Aserbaidschan und Pakistan zeigen Interesse.

Die Tai TF Kaan als vernetzter Mehrzweckkämpfer ...

Bislang baute die Türkei nur Trainer und leichte Jets wie die Hürjet und die Hürkuş. Die Kaan (der Name leitet sich von Kağan ab, einem alttürkischen und zentralasiatischen Herrschertitel) ist indes weit mehr als nur ein neues Modell. Sie gilt als technologisches Prestigeprojekt der Turkish Aerospace Industries oder kurz Tai. Ziel ist die Entwicklung eines zweistrahligen, stealthfähigen Mehrzweckkampfflugzeugs mit internen Waffenschächten, moderner Sensorfusion und hoher Netzwerkfähigkeit.

Das Programm befindet sich aktuell in einer intensiven Test- und Validierungsphase. Mehrere Prototypen werden parallel eingesetzt, um Aerodynamik, Avionik und Systemintegration zu optimieren. Die Tai TF Kaan, die ihren Erstflug am 21. Februar 2024 absolvierte, erinnert nur auf den ersten Blick an die Lockheed Martin F-35 Lightning II. Tatsächlich unterscheiden sich die beiden Jets indes deutlich.

... und Kommandoplattform für Drohnen

Ein zentraler kreativer Aspekt der Tai TF Kaan ist die geplante Rolle als Kommandoplattform für Drohnen: Das Flugzeug soll gleich wie die F-35 eng mit unbemannten Systemen aus heimischer Produktion wie der Bayraktar Kızılelma und der Tai Anka-3 zusammenarbeiten. Dies ist ein moderner Ansatz der Luftkriegsführung, der über klassische Rollen von Kampfjets hinausgeht. Der schwedische Rüstungskonzern Saab hatte bereits 2013 technischen Design-Support zugesagt.

Mit einer Länge von rund 21 Metern und einer Spannweite von etwa 14 Metern ist der zweistrahlige Kaan erheblich größer als die F-35A, die auf rund 15,7 Meter Länge und 10,7 Meter Spannweite kommt. Während der amerikanische Tarnkappenjäger von einem einzelnen Triebwerk angetrieben wird, verfügt der türkische über zwei. Das maximale Startgewicht beider Flugzeuge bewegt sich indes in einer ähnlichen Größenordnung.

Mit Tai TF Kaan andere Ziele im Visier

Von seinen Proportionen her ist der türkische Kampfjet daher auf den zweiten Blick weniger mit der F-35 als vielmehr mit der F-22 Raptor (stammt ebenfalls von Lockheed Martin) vergleichbar. Auch die zweistrahlige Auslegung entspricht eher dem Konzept der F-22 als dem der einstrahligen F-35. Die größeren Abmessungen sind kein Zufall. Die Türkei will mit dem Kaan operativ einen Kampfjet mit einer größeren Reichweite, der mehr internen Treibstoff mitführt und größere interne Waffenschächte aufnehmen kann.

Darüber hinaus wird eine starke Luftüberlegenheitsrolle angestrebt. Die F-35 hingegen wurde als kompaktes Mehrzweckkampfflugzeug konzipiert. Deren Aspekte internationale Interoperabilität, Betriebskosten und Vielseitigkeit überzeugten die Luftwaffen der Schweiz, Deutschlands, Japans und aus 17 weiteren Ländern, die auf die F-35 setzen.

Feinschliff der Tai Kaan in vollem Gange

Es wäre aber vermessen, Ankara eine reine Kopierstrategie vorzuwerfen. Viele Tarnkappenjäger weisen vergleichbare Formmerkmale auf, um ihre Radarsignatur zu reduzieren. Ein Meilenstein des Programms steht allerdings noch aus: Die derzeitigen Prototypen werden zwar von bewährten GE-F110-Triebwerken angetrieben. Langfristig soll die Tai TF Kaan jedoch mit dem in der Entwicklung befindlichen türkischen TF35000-Turbofan ausgerüstet werden. Dessen Einführung wird derzeit für das Jahr 2032 angestrebt.

Laut Verteidigungsanalyst Paul Iddon ist der Tarnkappen-Jet «ein strategisches Diversifizierungsprojekt mit Exportpotenzial, das weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase steht und stark von politischen Rahmenbedingungen geprägt ist».

Türkei auf dem Weg zur eigenen Stealth-Ära

Fazit: Die Tai TF Kaan ist eines der ambitioniertesten Rüstungsprojekte in der Geschichte des Landes, doch steht deren Feuertaufe noch aus.

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