Eurofighter Typhoon - sein Nachfolger steht in den Wolken

FCAS vs. GCAPEuropas Kampf um den eigenen Tarnkappenjet

Europas Antwort auf die amerikanische F-35 gerät immer stärker unter Druck. Während der Tarnkappenjet von Lockheed Martin weltweit zum Exportschlager wird, kämpft das europäische Zukunftsprojekt FCAS mit Verzögerungen, politischen Differenzen und milliardenschweren Interessenkonflikten.

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Es geht längst nicht nur um einen neuen Kampfjet. Das Future Combat Air System, besser bekannt unter seiner Abkürzung FCAS, soll ein komplett vernetztes Luftkampfsystem schaffen – bestehend aus bemannten Jets, unbemannten Begleitdrohnen, Bodenstationen und einer digitalen Gefechts-Cloud. Ein hochkomplexes Projekt, das Deutschland, Frankreich und Spanien bereits 2017 gemeinsam auf den Weg brachten. Fast zehn Jahre später ringt Europa jedoch noch immer um eine gemeinsame Linie.

FCAS soll langfristig den Eurofighter Typhoon und die französische Dassault Rafale ablösen. Der geplante Einsatzbeginn liegt bei 2040. Die geschätzten Gesamtkosten könnten sich auf bis zu eine Billion Euro belaufen.

Weit mehr als nur ein neuer Kampfjet

Der eigentliche Kampfjet bildet dabei nur einen Teil des Gesamtprojekts. Im Zentrum steht vielmehr die Idee eines vollständig vernetzten Kampfsystems. Genau darin liegt auch der Vergleich zur Lockheed Martin F-35 Lightning II, deren Fähigkeiten zur digitalen Kriegsführung sie weltweit attraktiv machen. Erst kürzlich entschied sich Israel zum Kauf einer weiteren Staffel von Lockheed-Martin F-35I. Selbst König Charles lobte das Programm im April vor dem US-Kongress – nicht zuletzt, weil die britische BAE Systems Teile des Stealth-Designs liefert.

Beobachter sehen die größten Probleme innerhalb Europas selbst. Zwischen Airbus Defence and Space und Dassault Aviation tobt seit Jahren ein Machtkampf um die Führung des Projekts. Frankreich beansprucht die zentrale Rolle beim sogenannten Next Generation Fighter und möchte das Flugzeug möglichst kompakt und agil halten, damit es auch auf dem Flugzeugträger Charles de Gaulle eingesetzt werden kann.

Deutschland hat andere Prioritäten als Frankreich

Deutschland verfolgt hingegen andere Prioritäten. Berlin will den Jet stärker in Nato-Strukturen integrieren und legt besonderen Wert auf vernetzte Kampfführung. Spaniens Indra-Konzern wiederum soll die Daten-Cloud für die Gefechtsvernetzung entwickeln.

Zusätzlich wächst der Druck von außen. Großbritannien arbeitet gemeinsam mit Italien und Japan unter dem Namen Tempest beziehungsweise GCAP ebenfalls an einem Tarnkappenjet der nächsten Generation. Parallel denken die USA bereits öffentlich über eine F-55 als möglichen Nachfolger der F-35 nach.

Letzter Ausweg duale Startbahn?

Wie der gordische Knoten gelöst werden könnte, ist offen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte FCAS zuletzt öffentlich hinterfragt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederum scheidet im Mai 2027 aus dem Amt. Beim EU-Gipfel auf Zypern Ende April verständigten sich die beteiligten Staaten deshalb zunächst auf zusätzliche Verhandlungszeit.

Als möglicher Kompromiss gilt inzwischen eine Doppelstrategie: ein abgespecktes FCAS unter französischer Führung – kombiniert mit einem deutschen Einstieg beim britisch-japanischen Tempest-Programm. Das würde Europa mehr Flexibilität verschaffen. Die Zeit drängt allerdings. Sollte die rechtsextreme Partei Rassemblement National in Frankreich an die Macht kommen, dürfte die Unterstützung für europäische Rüstungsintegration deutlich sinken.

Saab Gripen als interessante Übergangslösung

Immer wieder taucht zudem die Frage auf, ob Schweden eine Zwischenlösung liefern könnte. Als FCAS gestartet wurde, war das skandinavische Land noch kein Nato-Mitglied. Seit dem Beitritt 2024 gilt der Saab JAS 39 Gripen auch politisch als denkbare Option innerhalb des Bündnisses.

Der Gripen verfügt zwar nicht über Stealthfähigkeiten, gilt wegen niedriger Betriebskosten, kurzer Start- und Landestrecken sowie schneller Wartung jedoch als äußerst effizienter Mehrzweckjäger. Besonders in Südamerika ist das Modell gefragt.

Europas gemeinsame Lösung weiter unsicher

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger fragte einst spöttisch: «Welche Telefonnummer hat Europa?» Beim FCAS-Projekt wirkt diese Frage aktueller denn je. Solange Berlin, Paris und Madrid keine gemeinsame Richtung finden, bleibt Europas Traum vom eigenen Kampfjet der nächsten Generation unsicher.

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