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Auftanken in Pjöngjang

Verletzt Air China Sanktionen gegen Nordkorea?

Bilder zeigen, dass Maschinen von Air China regelmäßig in Pjöngjang aufgetankt werden. Das weckt einen brisanten Verdacht.

Screenshot NK Pro

Bericht über Tanken in Nordkorea: Heikel für Air China.

Bilder aus Nordkorea gibt es selten. Und noch seltener gibt es sie, ohne, dass das Regime darüber Kontrolle hat. Doch das auf Analysen über das hermetisch abgeriegelte, kommunistische Land spezialisierte Portal NK Pro hat dieser Tage Aufnahmen veröffentlicht, die auf dem Pyongyang International Airport der nordkoreanischen Hauptstadt aufgenommen worden sind.

Sie sehen auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär aus, haben es aber in sich. Die Aufnahmen zeigen, wie aus Peking kommende Boeing 737-700 von Air China von Tanklastern der Staatsairline Air Koryo aufgetankt werden. Laut NK Pro wurden die Bilder an mindestens sieben verschiedenen Tagen seit 2016 aufgenommen.

Wurde Kerosin nach Pjöngjang gebracht?

Warum ist das von Interesse? Resolution 2270 des Uno-Sicherheitsrats vom März 2016 verbietet es Nordkorea mit wenigen Ausnahmen, wie etwa zu humanitären Zwecken, Flugzeugtreibstoff zu importieren. Das sorgt dafür, dass Kerosin ein rares Gut ist – und Auftanken in Pjöngjang für Air China entsprechend teuer wäre.

Die von Air China eingesetzten Boeing 737-700 sind außerdem problemlos in der Lage, die rund 1600 Kilometer weite und insgesamt dreieinhalb Stunden dauernde Reise von Peking nach Pjöngjang und zurück mit einer einzigen Tankfüllung zurückzulegen. Die Nordkorea-Experten sind deshalb der Frage nachgegangen, ob die Bilder, die vermeintlich ein Auftanken zeigen, in Wahrheit das Gegenteil abbilden: Nämlich ein Entladen eines Teils des in Peking getankten Kerosins in die Tanklaster von Air Koryo.

USA-Sanktionen sind strenger

Das wäre unter den von der Uno verhängten Sanktionen strengstens verboten. Auf Anfrage von NK Pro wies Air China diesen Verdacht weit von sich: «Die Boeing 737-700 werden in Peking für den Hinweg und in Pjöngjang für den Rückweg aufgetankt». Von NK Pro befragte Experten, die sich die Bilder angeschaut haben, schenken der Darstellung von Air China mehrheitlich Glauben.

Dafür spreche, dass die Kerosinmenge sehr tief wäre. Außerdem müssten dafür technische Installationen an den eingesetzten Flugzeugen angebracht werden, die bei der Landung in Drittländern rasch Fragen aufwerfen würden. Allerdings lässt sich der Verdacht auch nicht vollständig entkräften.

In Dollar gezahlt?

Doch selbst im Fall, dass sich alles so abspielt, wie es Air China darstellt, werfen die regelmäßigen Tankstopps in Pjöngjang rechtliche Fragen auf. Denn sowohl die USA als auch Südkorea haben Air Koryo unilateral mit Sanktionen belegt, die über jene der Uno hinausgehen. Geschäftet Air China durch das Auftanken also direkt mit der nordkoreanischen Staatsairline, könnte ihr das in den USA und in Südkorea juristische Probleme einbringen.

Und sollte Air China das in Pjöngjang getankte Kerosin in Dollar bezahlen, würde die chinesische Staatsairline zusätzlich gegen weitere Sanktionen der USA verstoßen. Mit denen wird versucht, das nordkoreanische Regime daran zu hindern, an ausländische Devisen zu kommen. Zu entsprechenden Fragen von NK Pro wollte Air China keine Stellung nehmen.



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