Boeing 737 von Jeju Air kracht in Mauer: Hätte es mit einer anderen Konstruktion weniger Tote gegeben?

SüdkoreaUnglück der Boeing 737 von Jeju Air: Regierung ignorierte dringende Warnung vor Betonmauer

Das tödliche Unglück der Boeing 737 von Jeju Air wurde durch eine massive Betonmauer am Ende der Landebahn des Flughafens Muan verschlimmert. Fachleute warnten schon lange zuvor, dass sie im Ernstfall tödlich sein könnte. Dennoch tat die Regierung Südkoreas nichts.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Trainer Aircraft Chief Engineer

Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Flugzeugwerke AG
Schweiz
Vollzeit
Top jobs
k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Flug 7C2216 war das schlimmste Flugzeugunglück in der Geschichte Südkoreas. 179 Menschen kamen ums Leben, als eine Boeing 737 von Jeju Air am 29. Dezember bei der Landung in Muan nach einem Vogelschlag verunglückte, über die Piste schlitterte und in eine Betonmauer krachte. Zum Absturz trugen verschiedene Faktoren bei - der Vogelschlag und auch die Tatsache, dass die Crew wohl das falsche Triebwerk abschaltete.

Dass derart viele Menschen ums Leben kamen, hat aber auch einen anderen Grund: Die Mauer, die am Ende der Landebahn stand, hätte dort nicht sein dürfen. Die Zeitung New York Times schreibt, dass das auch dem Flughafenbetreiber bewusst war. Und dass dieser die Regierung warnte. Doch geschehen ist nichts.

Boeing 737 von Jeju Airlines krachte in Betonmauer

Das Problem mit der Betonkonstruktion ist das Material. Die Mauer, auf der das Instrumentenlandesystem ILS angebracht ist, hätte statt aus Beton aus zerbrechlichen Materialien gebaut werden und möglichst niedrig sein sollen. Das ist internationaler Standard und sorgt für kleinere Schäden bei einem Zusammenstoß.

In der Folge untersuchte das südkoreanische Verkehrsministerium alle 14 großen Flughäfen des Landes nochmals. Dabei fand es mangelhafte Bauten wie die Mauer in Muan an sechs weiteren Airports. Das Problem geht man nun an. Doch offenbar war die Konstruktion in Muan ursprünglich korrekt geplant, zeigen Dokumente, über die die New York Times berichtet.

Angehöriger eines Opfers von Jeju Airlines sichtete Unterlagen

Zusammengestellt hat sie Architekt Lee Jun-hwa, Sohn eines Opfers. Er arbeitete sich nächtelang durch lokale Gesetze zu den Fluggesellschaften und Flughafenbetrieben. Er studierte Unfallberichte zu anderen Flugzeugabstürzen. Er fotografierte und vermass die Betonstruktur. Und er beschaffte sich den Masterplan des Flughafenbaus, den auch die Zeitung gesehen hat.

Mauer hinter der Piste von Muan: Hätte nicht aus Beton sein sollen.

Der sah vor, dass die Konstruktion auf leicht zerbrechlichen Fundamenten errichtet würde, um «tödliche Schäden im Falle einer Kollision zu minimieren». Die Entwürfe entsprachen internationalen Standards. Im Jahr 2003 wurde das Design jedoch geändert und Beton in die Planung aufgenommen.

Betonmauer in Muan hätte weiter entfernt stehen müssen

Wer die Änderung veranlasste und warum, ist unklar. Beton ist jedoch günstiger als leichter brechbare Konstruktionen aus Holz und Stahl. Von den beteiligten Baufirmen gab es keine Antworten, wie es zu der Anpassung kommen konnte. Mit einer Betonkonstruktion hätte die Mauer deutlich weiter von der Landebahn entfernt stehen müssen, um katastrophale Folgen bei einem Zusammenstoß zu verhindern.

Der Flughafenbetreiber Korea Airports Corporation informierte laut dem Bericht das Verkehrsministerium bereits im Mai 2007, ein halbes Jahr vor der Inbetriebnahme des Flughafens Muan. Die Localizer-Mauern stünden zu nah an der Landebahn und müssten weiter entfernt gesetzt werden, um die Sicherheitsvorgaben der International Civil Aviation Organization Icao einzuhalten.

Ministerium ignorierte Warnung des Flughafenbetreibers

Das Ministerium ging in seiner offiziellen Stellungnahme nicht direkt auf die Warnung ein. Es erteilte die Betriebserlaubnis mit der Bedingung, die nötigen Verbesserungen zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen. Passiert ist das nicht. Und selbst eine weitere Chance, etwas zu ändern, wurde nicht wahrgenommen.

Laut südkoreanischem Gesetz müssen Flughafennavigationssysteme alle 14 Jahre erneuert werden. Statt jedoch eine sicherere Lösung umzusetzen, errichtete das für die Modernisierung beauftragte Unternehmen Anse Technologies auf dem bestehenden Fundament eine weitere massive Struktur – eine weitere dicke, verstärkte Betonplatte.

Untersuchung zur Rolle der Mauer beim Absturz von Jeju Air zugange

Welche Faktoren inwieweit zum Absturz und zum extremen Ausgang beitrugen, wird immer noch ermittelt. Erste Antworten könnte es allerdings schon bald geben. Eine unabhängige Untersuchung des Computational Structural Engineering Institute of Korea soll die möglichen Auswirkungen eines Aufpralls eines Flugzeugs auf die Mauer bewerten. Die Ergebnisse könnten noch in diesem Monat veröffentlicht werden.

Mehr zum Thema

ticker-jeju-air-scaled

Jeju Air führt unbezahlten Urlaub für Kabinenpersonal ein

ticker-jeju-air-scaled

Bericht zu Crash von Jeju Air: Südkorea erteilte über 22 Jahre Betriebsgenehmigungen, obwohl Sicherheitsvorschriften missachtet wurden

ticker-jeju-air-scaled

Regierungsbericht: Ohne Betonwall am Pistenende hätten Insassen der Boeing 737 von Jeju Air Überlebenschance gehabt

ticker-jeju-air-scaled

Jeju Air will drei Boeing 737 verkaufen, um Liquidität zu sichern

Video

Der Airbus A220 von Croatia Airlines: In Split von der Piste abgekommen.
Eigentlich sollte Flug OU412 nach Frankfurt starten. Doch beim Beschleunigen geriet der Airbus A220 von Croatia Airlines aus ungeklärten Gründen von der Piste des Flughafens Split ab. Nun ermittelt die kroatische Flugunfallbehörde.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Westjet Boeing 787
Reisende werfen der kanadischen Fluglinie vor, ihnen Entschädigungen vorzuenthalten. Der Verdacht: Wechselt Westjet im letzten Moment Flugzeuge ein, die sich bereits in der Wartung befinden, um dann den Flug zu annullieren? Eine kanadische Behörde ermittelt.
Timo Nowack
Timo Nowack
Der Airbus A321 Neo von Lufthansa bei der Evakuierung: Starker Geruch nach Kerosin.
Kurz nach dem Start Richtung München musste ein Airbus A321 Neo der deutschen Fluglinie umkehren. Nach der sicheren Landung in Athen wurde der Jet von Lufthansa evakuiert. Drei Menschen wurden leicht verletzt.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin