Letzte Aktualisierung: um 21:50 Uhr
Partner von  

Vereinigtes Königreich

Regierung will bei Zusatzgebühren durchgreifen

Passagiere sollen nicht mehr von Zusatzgebühren überrascht werden. Dafür will die britische Regierung sorgen - und vielleicht sogar überhöhte Preise anprangern.

Aufgabegepäck: Immer öfter nur gegen Zusatzgebühr gestattet.

Sie buchen einen Flug und merken erst am Flughafen, dass es Geld kostet, sich die Bordkarte dort ausdrucken zu lassen. Vor solchen Überraschungen will die britische Regierung Passagiere künftig schützen und für mehr Transparenz sorgen. «Mit unserer Luftfahrtstrategie werden wir nach Möglichkeiten suchen, die verfügbaren Informationen zu erhöhen und zu verbessern, damit Fluggäste fundierte Urteile treffen können, bevor sie entscheiden, mit wem sie fliegen», erklärte Luftfahrtministerin Elizabeth Grace Sugg.

Was das Ministerium im Detail plant, ist noch nicht bekannt. Allerdings könnte es laut der Zeitung The Times darauf hinauslaufen, dass alle Fluggesellschaften verpflichtet werden, ihre Zusatzgebühren im Buchungsprozess auf die gleiche, transparente Art und Weise den Kunden zu präsentieren. Das würde laut dem Blatt wohl für alle Zusatzgebühren gelten, etwa für Sitzplatzreservierung, mehr Beinfreiheit und Gepäck. Außerdem könnten Airlines aufgefordert werden, ihre Gebühren zu überprüfen, wenn diese als überhöht gelten.

Zweifel an Vergleichbarkeit

Britische Medien führen etwa Ryanairs Preis von bis zu 160 Pfund/Euro für eine Namensänderung als Beispiel für eine Gebühr an, die das Ministerium im Visier haben könnte. Der Billigflieger selber erklärte: «Alle optionalen Gebühren und Abgaben von Ryanair sind auf der Webseite klar angegeben und werden während des gesamten Buchungsvorgangs transparent angezeigt.» Man begrüße aber Maßnahmen gegen unautorisierte Webseiten, die Flugpreise falsch anzeigen und eigene versteckte Gebühren aufschlagen würden.

Ein namentlich nicht genannter Manager eines Lowcost-Anbieters sagte gegenüber der Zeitung The Independent, dass es durch die unterschiedlichen Zusatzangebote der einzelnen Fluggesellschaften schwierig sei, Vergleichbarkeit herzustellen. «Ich sehe nicht, wie das funktionieren soll.» Das Blatt selber sah sich als Beispiel die Strecke London – Lissabon an, auf der British Airways, Easyjet, Ryanair and Tap Portugal fliegen.

USA beerdigen Transparenzpläne

Die Angebote unterscheiden sich nicht nur bei Handgepäckregeln und -gebühren. «An Bord berechnen alle außer Tap Portugal (und British Airways‘ Business Class) Essen und Getränke; die portugiesische Airline versorgt die Economy-Passagiere mit einem kostenlosen Sandwich, heißem Getränk und alkoholischem Getränk, was bei anderen Fluglinien rund 10 Pfund kostet», so das Blatt. «Es ist nicht klar, wie so unterschiedliche Informationen in leicht verdaulicher Form dargestellt werden könnten.»

In den USA war erst kürzlich eine Initiative für transparentere Gebühren gescheitert. Das dortige Verkehrsministerium hatte eigentlich zwei Maßnahmen geplant: Erstens wollte es künftig Daten über 19 verschiedene Gebühren sammeln. Zweitens schlug es vor, dass Fluggesellschaften Gebühren für Aufgabe- und Handgepäck nicht mehr am Ende des Buchungsvorgangs verstecken dürfen. Unter der Regierung von Präsident Donald Trump hat das US-Verkehrsministerium jedoch beide Vorschläge zurückgezogen.



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.