Airbus A330 der Royal Air Force: Tankflugzeug als Regierungsflieger.

Landesfarben statt GrauAuch Boris Johnson will bunteren Regierungsjet

Für Staatsbesuche nutzt das Vereinigte Königreich einen Airbus A330 der Royal Air Force. Premier Boris Johnson will, dass er künftig britischer aussieht.

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Sie gleichen fliegenden Visitenkarten. Gehen Staatsoberhäupter, Minister oder Diplomaten auf Auslandsreise, dann werden sie am Ziel von ihren ausländischen Kollegen und vielen Kameras oft vor ihren Regierungsfliegern empfangen. Das mit Donald Trump und Jair Bolsonaro zwei populistische Staatschefs ihre Flugzeuge extravaganter gestaltet haben wollen, verwundert daher kaum.

Deutlich bunter wird auch ein Regierungsflugzeug des Vereinigten Königreichs. Für größere Auslandsreisen nutzen der britische Premier Boris Johnson und das Königshaus Airbus A330 der Royal Air Force. Weil diese ansonsten als Tankflugzeuge und Truppentransporter dienen, sind sie anstatt in graue Militärtarnung gehüllt. Bereits zu seiner Zeit als Außenminister störte dies Johnson.

Neue Linie in der Außenpolitik

Aktuell befindet sich eine Voyager - so der Codename der A330 - in einer Umlackierung, wie ein Sprecher der britischen Luftwaffe der Zeitung Guardian verriet. Für 990.000 Pfund oder umgerechnet mehr als eine Million Euro bekommt das Flugzeug neue Farben. Aus internen Kreisen heißt es, dass es künftig einen weißen Rumpf mit blauen Streifen tragen wird.

Die Seitenflosse wird mit dem Union Jack die Nationalflagge des Vereinigten Königreichs tragen. Eine ähnliche Lackierung haben bereits die BAE 146 der Royal Air Force, die auf Kurzstrecken als Regierungsflieger dienen. Bekannt wurde die Umlackierung des A330 vergangene Woche (16. Juni), als Johnson seine neue Außenpolitik vorstellte.

Schlechter Zeitpunkt

Mit den neuen Farben soll das Flugzeug das Vereinigte Königreich besser im Ausland repräsentieren. Der A330 werde «in Einklang mit den Flugzeugen vieler anderer Staatsoberhäupter stehen», so die Royal Air Force. Abwegig ist dies nicht. Viele Länder haben ihre Regierungsflieger in den Staatsfarben lackieren lassen.

Der Zeitpunkt inmitten der Corona-Krise sei jedoch unpassend, argumentieren Kritiker. «Wenn Familien im ganzen Land um ihre Arbeit, Gesundheit und die Bildung ihrer Kinder besorgt sind, werden sie zu Recht [...] infrage stellen, dass die Regierung fast eine Million Pfund für die Renovierung eines Flugzeuges ausgibt», sagt etwa die Politikerin Louise Haigh von der Oppositionspartei Labour.

«Bunter Lolli»

Ungelegen kommt die Umlackierung auch der Royal Air Force. Weiterhin soll der A330 als Truppentransporter eingesetzt werden sowie als Tankflugzeug für Kampfjets. Für Einsätze über Kampfgebieten macht die auffälligere Lackierung das Flugzeug ungeeigneter. «Niemand will in einem Jet, der wie ein bunter Lolli bemalt ist, in den Krieg ziehen», sagt ein ehemaliger Pilot der Royal Air Force dem Guardian.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen der Airbus A330 der Royal Air Force.

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