Pro Umlauf wurden insgesamt 51 Crewmitglieder benötigt.

FeuerlandUshuaia: Die wahre Herausforderung ist das Wetter

Austrian Airlines ist im Jänner 2019 zweimal von Wien nach Ushuaia im Süden Argentiniens geflogen. Wir haben uns mit Captain Christoph Bräuer, der diese Umläufe mitorganisiert hat, unterhalten.

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Ushuaia im Süden Argentiniens gehört definitiv nicht zu den Standarddestinationen von Austrian Airlines. Im Jänner 2019 flog die AUA mit der Boeing 777-200 ER für einen Reiseveranstalter zwei Umläufe zu diesem kleinen Airport in Feuerland - eine logistische Herausforderung, deren Planung rund sechs Monate in Anspruch genommen hat. Captain Christoph Bräuer war federführend bei der Organisation der Flüge beteiligt, wir unterhielten uns mit dem AUA-Piloten.

Wie sieht die Planung vor einem solchen Flug aus?

Für diesen besonderen Flug mussten wir viele Hürden bewältigen, deswegen war die Planung sehr umfangreich. Operationelle Stabilität ist natürlich wichtig. Das heißt, nicht nur der Flug selbst muss reibungsfrei ablaufen, sondern er darf auch keine negativen Folgen auf den Flugbetrieb haben. Als Beispiel: Eine verzögerte Beladung in Ushuaia darf sich nicht auf den anschließenden Flug ab Wien Richtung Shanghai auswirken. Bei einer Destination wie Ushuaia eine echte Herausforderung.

Wie lange dauerten die Vorbereitungen?

Seit Ende Juli bis kurz vor Weihnachten 2018, also fünf Monate.

Was waren die Herausforderungen?

Es gab viele. Ushuaia ist 13.900 Kilometer Luftlinie von Wien entfernt – zu weit für die Boeing 777 Version, die bei Austrian Airlines im Einsatz ist. Es stellte sich also die Frage: Über welchen Flughafen sollten wir nach Ushuaia fliegen? Dabei musste man einiges berücksichtigen: die Reichweite des Flugzeugs, das Abfluggewicht in Ushuaia, die gesetzlich erlaubten Arbeitszeiten sowie die Möglichkeit, Catering in der gewohnten Do & Co Qualität zu laden.

Die Anzahl der in Frage kommenden Flughäfen ist in Südamerika nicht allzu groß. Hinzu kommt das ungewisse Wetter auf dem kleinen Airport Ushuaia. Es gibt nur zehn Flughafenmitarbeiter. Also musste man auch beim Ent- und Beladen kreativ sein. Auch viele operationelle Punkte mussten abgearbeitet werden, wie die Auswahl der erforderlichen Navigationsdaten, Anflugkarten, Pilotentraining und mehr. Das waren nur einige der Herausforderungen.

Wie hat der Flugverlauf ausgesehen und warum haben Sie Rio für die Zwischenlandung gewählt?

Planungsgrundlage für eine sichere und stabile Operation kann nur eine Destination sein, die auf alle Fälle erreichbar ist. Aus diesem Grund wurde Rio de Janeiro ausgewählt. Der eigentliche Flug führte dann an Dakar vorbei Richtung Rio, ein Standardrouting der Flüge aus Europa. Von Rio nach Ushuaia flogen wir wieder auf den Südatlantik hinaus und folgten in etwa 1.200 Kilometer der südamerikanischen Küste Richtung Falklandinseln, von dort dann Richtung Feuerland. So konnten wir eine Schlechtwetterfront umfliegen. Der Rückflug nach Rio ging dann entlang der Küste. Das Wetter war in der Zwischenzeit auf den Südatlantik weitergezogen.

Ist eine Crew von Wien bis Ushuaia geflogen?

Nein, das wäre sich mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht ausgegangen.

Wie viele Piloten und Flugbegleiter waren an Bord?

Drei Piloten, ein Kapitän, ein Reliefpilot, der die Rolle des Kapitäns im Reiseflug übernimmt, wenn der Kapitän auf Pause ist. Außerdem ein erster Offizier. Hinzu kamen 13 Flugbegleiter sowie ein Koch und ein Techniker. Insgesamt waren 51 Personen pro Umlauf unterwegs. Wir waren ein hervorragendes Team: einsatzfreudig, lustig, flexibel und kompetent. Die Passagiere haben uns mehrfach gesagt, dass sie von der Crew begeistert sind.

Gibt es Besonderheiten beim Fliegen über den Südatlantik und über Südamerika?

Wie am Nord- gibt es auch am Südatlantik eigene Regelwerke. Diese ähneln sich aber in vielen Bereichen. Außerdem gibt es spezielle Anforderungen an die Flugzeugkommunikationssysteme. Es ist zum Beispiel eine Datenanbindung an die Kontrollstellen über Satellit vorgeschrieben. Ein Standard, den aber alle Boeing 777 von Austrian Airlines erfüllen, da das zum Beispiel auch nach Los Angeles vorgeschrieben ist. Alle Crews wurden über Computer Based Training und mit eigenen Unterlagen auf diesen Flug vorbereitet.

Ist der Flughafen Ushuaia für Piloten herausfordernd? 

Ja, auf alle Fälle. Der Airport wurde bei Austrian Airlines als Kategorie C eingestuft, die schwierigste Kategorie. Es stehen nur 2640 Meter Landebahn zur Verfügung. Der Airport liegt in einer Art weitem Fjord mit bis zu 1500m hohen Bergen in unmittelbarer Nähe zum Airport. Ein Instrumentenanflug ist nur in Richtung Westen möglich und der Anflug ist auch 17 Prozent steiler als üblich.

Die wahre Herausforderung ist aber das Wetter. Kap Hoorn, das stürmischste Kap der Welt, ist nur 135 Kilometer von Ushuaia entfernt. Es ist dort meist sehr windig bis stürmisch, oft in Kombination mit tiefen Wolken und Regen. Bei unserem Fug war aber der Wettergott gnädig, der Wind hatte nur 37km/h auf die Nase und wir konnten relativ früh die Rollbahn erkennen.

Ist beim ersten Flug alles glatt gelaufen oder gab es Überraschungen?

In Rio de Janeiro und Ushuaia lief alles perfekt ab, ein Umstand der uns nach der langen und peniblen Planung sehr gefreut hat. Beim Abflug in Wien gab es kleinere Startschwierigkeiten, aber nichts, was sich nicht rasch lösen ließ.

Konnten Sie Feuerland ein wenig erkunden? Wie waren Ihre Eindrücke?

Feuerland wäre übertrieben, den Flughafen (lacht). Der Flughafen-Direktor hat uns mit dem Auto “seinen“ Flughafen gezeigt. Die Rollbahn ist größtenteils aufgeschüttet und an drei Seiten von Wasser umgeben. Die Stadt Ushuaia ist in Sichtweite vom Flughafen und im Windschatten an einen Berghang gedrückt. Dazwischen liegt der Hafen, Ausgangspunkt vieler Kreuzfahrtschiffe Richtung Antarktis oder rund um Kap Hoorn. Die gesamte Crew wäre gerne länger geblieben, aber nach ca. zweieinhalb Stunden ging es bereits wieder zurück.

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