Austrian-Airlines-Flug OS654 von Košice nach Wien startet normalerweise um 05:25 Uhr am Flughafen im Osten der Slowakei. Doch am 23. Juli war das nicht der Fall. Die Embraer E195 mit dem Kennzeichen OE-LWI der Lufthansa-Tochter hob an diesem Morgen erst um 07:36 Uhr ab. Für solch eine Verspätung kann es generell viele Gründe geben, etwa technische Probleme am Flugzeug oder ein Gewitter, das den Betrieb auf dem Vorfeld lahmlegt.
Doch in diesem Fall war etwas viel Ungewöhnlicheres passiert wie die slowakische Zeitung Denník N berichtet. Sie erhielt Informationen von Mitarbeitenden des Flughafens, die Zugang zu den Videoaufnahmen der Sicherheitskameras haben. Diese zeigten, dass gegen 1 Uhr nachts, als kein Flugbetrieb am Airport stattfand, ein Mann zunächst im Terminal zwei geschlossene Bars betrat und sich dort einen Kaffee und etwas zu Essen machte.
Austrian-Airlines-Crew findet Mann schlafend im Flugzeug
Etwas später traf der etwa 50-Jährige, der weiter durchs Terminal ging, auf eine Mitarbeiterin des Flughafens. Er fragte sie nach dem Start der ersten Flüge und verließ anschließend auf ihre Aufforderung das Terminal - aber nicht das Flughafengelände. Stattdessen kletterte er über den Zaun und lief fast eine Stunde auf dem Vorfeld des Airports umher.
Schließlich ging er zum Jet von Austrian Airlines, an dem bereits eine Treppe stand. Er stieg hinauf, öffnete die Flugzeugtür und trat ein. Als um kurz nach 4 Uhr die Besatzung erschien, fand sie den Mann schlafend in der ersten Sitzreihe. Laut der Zeitung soll er dann gefragt haben: «Fliegen wir schon?» Die Crew benachrichtige das Sicherheitspersonal.
Austrian Airlines bestätigt unbefugtes Eindringen
Schließlich nahm die hinzugerufene Polizei den Slowaken fest, der keine Ausweispapiere bei sich hatte, aber Dokumente, die darauf hindeuteten, dass er psychiatrischer Patient sein könnte. Das Flugzeug wurde anschließend einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen, unter anderem mit einem Sprengstoffspürhund, was zu der zweistündigen Verspätung führte.
«Wir können den Vorfall bestätigen, bei dem am 23. Juli eine unbefugte Person Zugang zu einem unserer Flugzeuge am Flughafen Košice erlangt hat», sagt eine Austrian-Airlines-Sprecherin auf Anfrage von aeroTELEGRAPH. «Der Vorfall ist derzeit Gegenstand laufender Ermittlungen, die genauen Umstände sind noch nicht vollständig geklärt.»
Flugzeugtüren können nicht abgeschlossen werden
Allerdings seien unmittelbar nach dem Vorfall alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden, um mögliche Risiken auszuschließen und den sicheren Fortgang des Flugbetriebs zu gewährleisten. «Diese Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit dem Flughafen Košice sowie den zuständigen lokalen Behörden umgesetzt», so die Sprecherin. Aus Sicherheitsgründen könne man derzeit keine weiteren Einzelheiten nennen.
Generell lässt sich sagen, dass Flugzeugtüren nicht abgeschlossen werden können, und das aus gutem Grund. Denn im Notfall sollen Rettungskräfte jederzeit so schnell wie möglich und ohne Komplikationen und Verzögerungen ins Innere des Flugzeuges gelangen können. Eine mögliche Sicherheitsmaßnahme sind Klebestreifen, mit denen die Tür über Nacht versiegelt wird. Ist solch ein Klebestreifen zerrissen, zeigt das, dass jemand die Tür geöffnet hat.
War das Wachpersonal an den Kameras eingeschlafen?
Dazu, ob solch ein Klebestreifen an der Tür der Embraer von Austrian Airlines angebracht war, äußert sich die Fluggesellschaft derzeit nicht. Die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen sind allerdings eh der Schutz des Vorfeldes und die Videoüberwachung. Und tatsächlich filmten die Kameras in Košice ja auch, was geschah - nur reagierte niemand.
Diejenigen, die in diesem Moment zuständig für die Überwachung der Kameras waren, dürften eingeschlafen sein, vermutet ein Informant von Denník N. Bestätigt ist dies aber nicht. Der Flughafen Košice antwortet auf eine Anfrage von aeroTELEGRAPH zu dem Vorfall bis zum Erscheinen dieses Artikel noch nicht - sobald er dies tut, tragen wir dies nach.
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