Lange bevor Niki Lauda seine eigene Fluggesellschaft gründete, wagte ein anderer österreichischer Unternehmer den Sprung auf die Langstrecke. Montana Austria wollte Wien mit der Welt verbinden – und schrieb damit ein heute fast vergessenes Kapitel der österreichischen Luftfahrtgeschichte.
In den 1970er-Jahren war die Langstrecke ab Wien keineswegs selbstverständlich. Ein früher Versuch der Austrian Airlines, mit einer von Sabena gemieteten Boeing 707 New York anzufliegen, war gescheitert. Diese Lücke wollte ein Privatunternehmer schließen und gründete 1975 eine eigene Langstreckenfluggesellschaft.
Montana Austria - inspiriert von den österreichischen Alpen
Der Name der neuen Airline war eine Hommage an die österreichischen Alpen. Zunächst trat sie lediglich unter dem Namen Montana auf, ehe später der Zusatz Austria ergänzt wurde. Zur Flotte gehörten anfangs zwei gebrauchte Boeing 707-100, die ursprünglich an Qantas ausgeliefert und später bei Braniff in den USA eingesetzt worden waren. Sie wurden in Österreich als OE-IRA und OE-INA registriert und stießen 1976 beziehungsweise 1977 zur Flotte. Die Fluggesellschaft nutzte den Iata-Code OF, den Icao-Code YCI und das Rufzeichen Montana.
Bereits ab 1976 nahm Montana Austria Langstreckenverbindungen ab Wien auf. Das Streckennetz umfasste zunächst Bangkok mit Tankstopp in Bagdad, Mombasa in Kenia sowie New York. Die damalige Staatsfluggesellschaft Austrian Airlines betrachtete die neue Konkurrenz allerdings mit Skepsis. Für Montana Austria war es deshalb schwierig, die beantragten Verkehrsrechte zu erhalten.
Ausbildung bei Pan Am
Die Ausbildung der Besatzungen erfolgte bei Pan Am und Aer Lingus. Letztere übernahm auch die Wartung der Flugzeuge. 1978 erhielt die Flotte Zuwachs in Form einer gebrauchten Boeing 707-300, die zuvor bei Wardair in Kanada geflogen war. Sie wurde als OE-IDA registriert. Gegenüber den beiden ersten Maschinen bot sie mehr Sitzplätze, eine große Frachttür sowie eine höhere Reichweite, wodurch auf längeren Strecken einzelne Tankstopps entfallen konnten.
Insgesamt setzte Montana Austria drei Boeing 707 auf eigenen Langstrecken ein, flog aber auch im Auftrag anderer Fluggesellschaften. Sammlung Detlef Döbberthin
Die Boeing 707-396C wurde sowohl für Passagier- als auch für Frachtflüge eingesetzt. Überhaupt zeigte sich Montana Austria äußerst flexibel und nahm nahezu jeden Auftrag an. Während saisonaler Nachfrageschwankungen flogen die Maschinen im Wet-Lease unter anderem für Alitalia auf der Strecke Rom - Athen - Kairo, für die nigerianische Central Airways sowie in der Sommersaison für Hapag-Lloyd Flug auf Charterverbindungen ab Deutschland nach Palma de Mallorca.
Montana Austria durfte nicht in Europa fliegen
Eigene Europastrecken blieben der Airline hingegen verwehrt. Austrian Airlines intervenierte gegen entsprechende Pläne, da sie auf dem damals stark regulierten Markt keine Konkurrenz im europäischen Linienverkehr wünschte. Um dennoch zusätzliche Passagiere zu gewinnen, schloss Montana Austria eine Kooperation mit Tyrolean Airways in Innsbruck. Deren Zubringerflüge nach Wien wurden im Flugplan als Anschlussverbindungen auf die Langstrecken ausgewiesen.
In den folgenden Jahren bediente Montana Austria im Linien-, Charter- und Frachtverkehr unter anderem auch Hongkong, Colombo, Mexiko-Stadt, Anchorage, Rio de Janeiro, Tokio, Los Angeles und Sharjah. Die Geschäfte entwickelten sich zeitweise so erfolgreich, dass sogar der Kauf einer gebrauchten Boeing 747 SP geprüft wurde. Die verkürzte Version des Jumbojets bot eine geringere Kapazität als die Standard-Boeing 747 und schien damit besser für den österreichischen Markt geeignet. Gleichzeitig hätte ihre hohe Reichweite die kostspieligen Tankstopps der Boeing 707 überflüssig gemacht.
Illegale Waffenlieferung an Bord
Doch Anfang der 1980er-Jahre geriet die gesamte Luftfahrtbranche infolge der Ölkrise unter Druck. Auch Montana Austria geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Die Pläne für die Boeing 747SP verschwanden wieder in der Schublade. Dann folgte der entscheidende Rückschlag.
Im Mai 1981 erhielt die Fluggesellschaft einen lukrativen Frachtauftrag für den Transport von Stahlwaren von Houston nach Johannesburg mit Tankstopp auf den Kapverdischen Inseln. Noch vor dem Abflug durchsuchte der Zoll jedoch die OE-IDA und entdeckte eine illegale Waffenlieferung. Das Flugzeug wurde beschlagnahmt, die Besatzung verhaftet. Obwohl Montana Austria nach eigenen Angaben nichts von der tatsächlichen Fracht wusste, stand die Fluggesellschaft plötzlich als mutmaßlicher Waffenschmuggler im Mittelpunkt der Berichterstattung.
1981 musste Montana Austria Konkurs anmelden
Der Imageschaden war enorm. Auftrag um Auftrag ging verloren. Schließlich blieb der Airline keine andere Wahl mehr: Im Juli 1981 musste Montana Austria Konkurs anmelden. Noch im selben Monat wurde der Flugbetrieb eingestellt. Tausende Passagiere mit Rückflugtickets nach Wien strandeten im Ausland.
Trotz ihres kurzen Bestehens bewies Montana Austria zwischen 1976 und 1981 bemerkenswerten Pioniergeist. Die private Fluggesellschaft zeigte, dass Langstreckenverkehr ab Wien auch jenseits der Staatsairline möglich war – und hinterließ damit ein heute fast vergessenes Kapitel österreichischer Luftfahrtgeschichte.
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