Film Rien à foutreUnbarmherziger Blick hinter die Kulissen der Airlinewelt

Ein neuer Film setzt sich mit dem Leben von Kabinenbesatzungen auseinander. Statt Glamour und Jetset bekommt man ein schonungslos gezeichnetes Bild zu sehen. Inspiriert von einer realen Person.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Systems Engineer - Electrical Focus

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Luftfahrzeugmechaniker Flugbetrieb (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Teamleiter Montage & Support (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Ein Flugzeug über den Wolken, danach ein junges Paar auf einer Vespa in Italien, ein Gruppe von Freunden, die in einen Pool springt, und ein Sohn, der mit seiner alten Mutter Tandem fährt. «We care at all costs», wirbt die Fluggesellschaft Wing. Eine neue Lowcost-Airline, könnte man auf den ersten Blick meinen. In Wahrheit handelt es sich um eine fiktive Fluggesellschaft, deren Identität sich die Werbeagentur Rosa Paris extra für den Kinofilm Rien à foutre (Schietegal auf norddeutsch) ausgedacht hat.

Filme, die in Flugzeugen oder an Flughäfen spielen, deren Helden Piloten sind, gibt es viele. Dagegen sind Filme, die von Flugbegleitenden handeln, Mangelware, realistische um so mehr. Selten zuvor wurde der Alltag bei einer Lowcost-Airline so wahrheitsgetreu und schonungslos gezeigt wie in Rien à foutre. Der erste Spielfilm von Julie Lecoustre und Emmanuel Marre ist jedoch nicht als Anklage gegen die Arbeitsbedingungen bei Billig-Fluggesellschaften gedacht, sondern als eine Art Momentaufnahme.

Inspiriert von einer Ryanair-Flugbegleiterin

Er konzipiere alle seine Filme wie die Archivierung eines Moments, sagt Marre, der sich in Frankreich bereits als Regisseur von Kurzfilmen einen Namen gemacht hat. «Jeder stellt für mich das Erinnerungsfoto einer Erfahrung dar.» Ausgangspunkt für «Rien a foutre» ist das Bild einer jungen Flugbegleiterin, die Marre und Lecoustre auf einem Flug mit Ryanair nach Barcelona gesehen haben. «Sie saß gegenüber von mir und ich habe sie während des Starts angeschaut», berichtete Marre der Tageszeitung «Le Monde». «Es ging ihr offensichtlich nicht gut; es schien, als sei sie zutiefst verletzt.»

Doch dann sei das Pling ertönt und sie habe sich abgeschnallt. «Da war ein ganz anderes Bild zu sehen; sie hat ein strahlendes Lächeln aufgesetzt, den Getränkewagen geholt und ausgeschenkt...» Der Gegensatz zwischen dieser inneren Einkehr und der beruflichen Betriebsamkeit sei so groß gewesen, dass er sich gefragt habe, was diese junge Frau am Boden zurückgelassen habe, bevor sie losgeflogen sei.

Beneidenswert ist ihr Leben nicht

In Rien à foutre ist es die junge Wing-Flugbegleiterin Cassandre (Adèle Exarchopoulos, bekannt aus «Blau ist eine warme Farbe»), die über den Wolken vor den Erinnerungen an ihre bei einem Unfall verunglückte Mutter flieht. Auf Lanzarote, wo sie sich mit Kollegen von der Lowcost-Airline eine Unterkunft teilt, und bei Zwischenstopps betäubt sie sich mit Partys, Alkohol und One-Night-Stands mit Tinder-Bekanntschaften. Auf Instagram folgt sie den Konten der Flugbegleiterinnen von Emirates und träumt insgeheim davon, eines Tages selber für den Golf-Anbieter arbeiten zu können.

Bei jedem Flug sieht Cassandre einen anderen Himmel, eine andere Stadt, andere Passagiere. Doch beneidenswert ist ihr Leben nicht. Mit Glamour hat ihr Alltag an Bord der Lowcost-Airline wenig zu tun, wie die erste, wie ein Dokumentarfilm gedrehte Hälfte des Films zeigt. So müssen Cassandre und ihre von echten Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern gespielten Kollegen etwa beim Verkauf von Getränken und Duty Free-Artikeln ein bestimmtes Umsatzziel erreichen und zwischen zwei Flügen in der Kabine saubermachen.

Auch das Porträt einer Generation

Sie arbeiten im Team und sind doch Einzelkämpferinnen. Von Solidarität gibt es kaum eine Spur. «Du hast Dich nicht rasiert», sagt eine Kollegin beim Abflug mit Blick auf Cassandres Beine. «Das sieht doch keiner», antwortet sie. «Wir bekommen aber den Ärger, wenn jemand Bericht erstattet», entgegnet die Kollegin. Es ist denn auch eine von ihnen, die Cassandre später bei der Fluggesellschaft verpetzt und so dafür sorgt, dass sie von der Arbeit freigestellt wird. Nur Douina, die Cassandre bei einer Fortbildung kennenlernt, entpuppt sich als wahre Freundin.

Rien à foutre bietet in der ersten Hälfte nicht nur einen Blick hinter die Kulissen einer Lowcost-Airline. Der Film ist auch eine Art Porträt einer Generation, deren Leben sich über Apps wie Tinder und Instagram abspielt.

«Rien à foutre», belgisch-französischer Film von Julie Lecoustre und Emmanuel Marre (1:55 Stunden) mit Adèle Exarchopoulos, Alexandre Perrier, Mara Taquin (2021). Startdatum in Deutschland, der Schweiz und in Österreich noch nicht bekannt.

Mehr zum Thema

Kabine von Ryanair: Die Airline erhebt in England eine Gebühr, wenn man neben seinen Kindern sitzen will.

Bittet Ryanair Familien, die zusammensitzen wollen, unrechtmäßig zur Kasse?

ticker-ryanair

Ryanair erstmals seit Börsengang im Jahr 1997 schuldenfrei

ticker-ryanair

Viertes Flugzeug: Ryanair baut Präsenz in Bratislava aus

Airbus A321 Neo von Eurowings: Im Winter hat die Fluglinie elf Jets am BER.

Eurowings will Lücken schließen, die Ryanair in Berlin hinterlässt

Video

boeing 777 klm amsterdam durchstarten
Eine Boeing 777 von KLM startete bei der Landung in Amsterdam bei starkem Seitenwind durch. Ein Video zeigt den entscheidenden Moment.
Timo Nowack
Timo Nowack
privatjet nigeria landung
Eine Bombardier Challenger 600 musste in Nigeria außerhalb des Flughafens Asaba auf einer Straße aufsetzen. Während alle Insassen unverletzt blieben, sorgte wenige Stunden später ein eigenmächtiger Start des Privatjets für Ermittlungen der Luftfahrtbehörden.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
Papst Leo: Offenbar auch ein Luftfahrtfan.
Kampfjet-Eskorte, Funkkontakt und ein Platz auf dem Jumpseat: Papst Leo XIV. erlebte bei einem Flug durch Spanien einen besonderen Moment.
Laura Frommberg
Laura Frommberg