Letzte Aktualisierung: 11:13 Uhr

Erfahrungsbericht Business Class South African Airways

Großartiger Service, leckerer Wein und veraltete Technik

Mit dem Nachtflug nach Südafrika: South African Airways fliegt zwischen Frankfurt und Johannesburg mit dem A340. Was bietet die Business Class von South African Airways?

South African Airways SAA durchlebt eine schwere Zeit. Die südafrikanische Fluglinie braucht Geld, um ihren Fünf-Jahres-Turnaround-Plan umzusetzen. Im Zuge des Umbaus hat sie bereits eine von zwei täglichen Verbindungen zwischen Johannesburg und London gestrichen. Die beiden deutschen Ziele Frankfurt und München sind jedoch nicht in Gefahr, wie Europachef Michael Bentele im Interview mit aeroTELEGRAPH versicherte.

Während die Fluggesellschaft in München mit zweistrahligen A330-200 abhebt, fliegt sie ab Frankfurt noch mit vierstrahligen A340-600. Und das wird sich in diesem Jahr auch nicht mehr ändern, so Bentele, auch wenn SAA sukzessive A340 ausmustern möchte. Ist die Business Class in diesen Fliegern noch konkurrenzfähig? Wir haben das im Mai 2018 getestet und sind mit SAA über Nacht von Johannesburg nach Frankfurt geflogen.

Buchung/Reservierung: ★★★☆☆. Auf der Webseite mag die Flugsuche manchem Kunden etwas unübersichtlich erscheinen. Denn dort gibt es nicht nur für Ort und Datum Aufklappmenüs und Eingabefelder, sondern auch gleich noch für Kabinenklasse, Aktionscode sowie die Anzahl von Erwachsenen, Jugendlichen, Kindern und Babys. Ganz schön viel auf einen Blick. Danach wird es aber übersichtlicher und alles funktioniert intuitiv. Allerdings: Als wir zwei oder drei Schritte zurück wollen im Buchungsvorgang, finden wir keinen Zurück-Button und nutzen daher den des Browsers. Das funktioniert auch – bis wir wieder nach vorne wollen. Dann ist zu lesen: «Ihre Anfrage kann nicht bearbeitet werden, da Sie die Navigationsschaltflächen (weiter bzw. zurück) zu häufig angeklickt haben. Bitte beginnen Sie noch einmal von vorne.» Ärgerlich.

Check-in/Einsteigen: ★★★★★. Da wir zuerst mit der SAA-Tochter Mango von Durban nach Johannesburg fliegen, wird unser Gepäck durchgecheckt. Das Warten am Flughafen Johannesburg gestaltet sich sehr angenehm, denn wer international in der Business Class fliegt, kann seine Zeit in der Premium Lounge von South African Airways verbringen. Hier gibt es unter anderem kaltes und warmes Buffet, separate Bereiche für Raucher, Kinder und Passagiere, die arbeiten wollen, sowie Ausblick auf Flugzeuge an den Gates. Von der Lounge aus geht es dann in den Flieger und das klappt reibungslos.

Crew: ★★★★★. Alle Crewmitglieder, mit denen wir zu tun haben, sind freundlich, zuvorkommend und sehr professionell. Die für unsere Plätze zuständige Flugbegleiterin ist zudem witzig und parliert in sieben Sprachen. Viel besser als sie kann man seinen Job kaum machen. Unsere Bewertung: fünf Sterne mit Herzchen.

Sitz: ★★★★☆. Der Sitz ist nicht mehr der jüngste, aber trotzdem sehr bequem. Er ist 53 Zentimeter breit, beziehungsweise 61 Zentimeter, wenn man ihn auf Knopfdruck in ein flaches Bett verwandelt. Unsere Schuhe verstauen wir in einem kleinen Fach unten im Vordersitz. Weiter oben gibt es noch zwei kleinere runde Fächer, in die Kleinkram hineinpasst. Der Sitzabstand beträgt 73 Zoll oder 185 Zentimeter. Die Länge des Bettes gibt South African Airways mit 180 Zentimetern an und tatsächlich merken wir, dass größere Passagiere hier wohl ein Platzproblem bekommen könnten. Wir sind nicht so groß und verbringen mit dem gemütlichen Bettzeug eine angenehme Nacht. Ein Extra hat der Sitz zu bieten: eine Massagefunktion. Die ist zwar nicht umwerfend, aber doch etwas Besonderes. Wer technische Geräte aufladen will, findet eine Steckdose, jedoch leider keinen USB-Port.

Mahlzeiten: ★★★★★. Das Abendessen beginnt mit drei Canapés, darunter Lachs – ein guter Einstieg. Es folgt warmes Brot mit Butter und eine leckere Rote-Paprike-Suppe mit Feta-Topping. Beim Hauptgericht entscheiden wir uns für Fisch: in der Pfanne gerösteter Kingklip, serviert mit gelbem Basmati-Reis, sautiertem Spinat, gerösteten Butternut-Kürbis-Würfeln und einer Limonen-Rahmsauce. Das mundet. Dazu ordern wir aus der Weinkarte einen Rhino Run Chardonnay. Der hat nicht nur herrliche Zitrus-Aromen, sondern das Weingut Van Loveren spendet für jede verkaufte Flasche auch an eine Stiftung, die sich für den Schutz der Nashörner einsetzt. Als Dessert wählen wir gebackenen Käsekuchen. Danach gibt es zum Abschluss Pralinen. Was will man mehr?

Sauberkeit: ★★★☆☆. Eigentlich ist alles sehr sauber. Zwei Ausnahmen gibt es jedoch leider bei unserem Sitz: Wenn man die Armlehne öffnet, um den Tisch herauszuklappen, werden Flecken sichtbar. Das sieht wirklich nicht lecker aus. Auch die Schaltfläche, mit der man den Sitzt verstellt, weißt schon etliche kleine Macken und einige Verfärbungen auf – das ist nicht wirklich Schmutz, trotzdem sieht Perfektion anders aus.

Kabinenausstattung: ★★★★☆. Teppich und Kabine sind dunkelblau und bestimmen damit die Farbgebung der Kabine. Die Sitze sind in einer 2-2-2-Konfiguration angeordnet. Dabei haben die Fensterplätze leider keinen direkten Zugang zum Gang. Die jeweils nebeneinander liegenden Sitze lassen sich durch eine kleine Trennwand voneinander separieren. Auf den Toiletten gibt es Cremes für Gesicht und Hände.

Unterhaltungssystem: ★★★☆☆. Das Inflight-Entertainment-System bedarf dringend einer Erneuerung. Der ausklappbare Bildschirm ist nur 10 Zoll groß und hat eine geringe Auflösung. Die Auswahl an Filmen und Serien ist eher überschaubar. Eigentlich müsste SAA hier über einen Austausch nachdenken, doch der A340 ist tendenziell ein Auslaufmodell und die Airline knapp bei Kasse. Jetzt noch ein Umbau im großen Stil macht wirtschaftlich wohl keinen Sinn mehr. Da ziehen wir es vor, nach dem Essen zu schlafen bis zur Ankunft.

Wifi: ★☆☆☆☆. Auch hier macht sich die alte Ausstattung des Fliegers negativ bemerkbar. Denn Wifi bietet SAA im A340-600 nicht. Dabei ist dies in der Business Class heute eine Selbstverständlichkeit. Außerdem wäre es eine gute Möglichkeit gewesen, das veraltete Unterhaltungssystem etwas vergessen zu machen. Schade.

Extras: ★★★★☆. Das Amenity Kit kommt in einem schlichten brauen Stoff-Etui daher. Uns ist das lieber als ein billiges Lederimitat, wie man es bei anderes Airlines schon gesehen hat. Es enthält Schlafmaske, Socken, Ohrstöpsel, Zahnbürste- und pasta. Alles solide Produkte, aber nicht ausgesprochen hochwertig. Ebenfalls dabei sind von der Firma Crabtree & Evelyn Gesichtscreme und ein Lippenpflegestift, beides mit Jojobaöl. Bei einer langen Flugreise etwas gegen trockene Lippen zur Hand zu haben, ist sehr angenehm.

Gesamtnote: 3,7 – Gut

Fazit: In München fliegt South African Airways mittlerweile mit dem zweistrahligen Airbus A330-200, in London mit dem noch neueren A330-300. In Frankfurt ist dagegen mit dem A340-600 das vierstrahlige alte Schätzchen der Fluglinie im Einsatz. Das merkt man besonders beim veralteten Unterhaltungssystem. Auch Wifi gibt es nicht. Ein tolle Lounge im Flughafen Johannesburg, ein großartiger Service und gutes Essen im Flieger machen das ein wenig vergessen. Was vermeidbar ist, auch bei einem alten Flieger, sind die kleinen Mängel bei der Sauberkeit. Unterm Strich sind wir gerne mit South African Airways geflogen, haben gut geschlafen und lecker diniert.

Das Flugticket für diesen Test wurde von South African Airways zur Verfügung gestellt. Die Tester von aeroTELEGRAPH hatten bei ihrem Urteil trotzdem freie Hand. Die Fluggesellschaft nahm weder Einfluss auf den Inhalt des Artikels noch stellte sie irgendwelche Bedingungen. Das würde dem Verhaltenskodex von aeroTELEGRAPH widersprechen.



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