Letzte Aktualisierung: um 22:35 Uhr

Vorwürfe an ATR-Betreiberin

Tap feuert Partnerin – und tritt nach

Die portugiesische Fluggesellschaft wird künftig weniger Flugzeuge von ATR einsetzen. Für die verbleibenden Exemplare sucht Tap eine neue Betreiberin.

Tap/depositphotos/Montage aeroTELEGRAPH

ATR von Tap: Künftig zwei statt sechs.

Statt sechs wird die portugiesische Tap künftig nur noch zwei ATR 72 nutzen. Denn die Airline darf bis 2025 nur mit höchstens 99 Flugzeugen unterwegs sein – eine Auflage der Staatshilfen, die sie in Folge der Corona-Krise erhielt. Aufgrund der kleineren Flotte und weil sie Slots abgeben musste, will Tap daher tendenziell größere Flugzeuge einsetzen. Sechs zusätzliche Embraer-Jets kommen daher bei der Tochter Portugalia zum Einsatz.

Doch die Mitteilung, welche die Fluggesellschaft zu der Flottenanpassung herausgibt, enthält noch brisante Details. Denn sie erklärt auch, dass die Zusammenarbeit mit White Airways, welche im Wet Lease sechs ATR 72 für Tap betreibt, beendet wird. Der Vertrag läuft Ende Oktober aus und wird nicht verlängert.

Viele technische Probleme

Der Grund: Tap ist extrem unzufrieden mit der Partnerin. Allein im vergangenen Jahr sei es durchschnittlich zehn Mal pro Monat vorgekommen, dass Flugzeuge von White Airways aus technischen Gründen nicht lufttüchtig waren. Zwischen November 2021 und September 2022 habe man aus technischen Gründen insgesamt 342 Flüge absagen müssen, durchschnittlich 31 pro Monat. «Allein im September 2022 musste White 84 Flüge aus technischen Gründen streichen», schreibt Tap.

Pro 100 Flüge habe es bei White Airways 1,9 sogenannte «Aircraft on Ground»-Ereignisse gegeben. Bei Tap selbst liege dieses Verhältnis bei 0,52. White Airways hat laut Tap 94 Prozent der geplanten Flüge durchgeführt, während dieser Prozentsatz bei Tap bei 98,2 Prozent liege.

Immer weiter gezahlt, …

Das alles kostet. Mit 4,8 Millionen Euro beziffert die Fluggesellschaft die finanzielle Belastung aufgrund von Annullierungen, dem Austausch von Flugzeugen mit höherer Kapazität und Ausgleichszahlungen für Kunden.

Trotzdem habe man White Airways weiter bezahlt. «Zwischen 2016 und 2022 zahlte Tap 109 Millionen Euro für Flugstunden direkt an White und 98 Millionen für von White geleaste Flugzeuge sowie 33 Millionen US-Dollar für Wartungsbuchungen», so Tap.

…doch jetzt nicht mehr

In den Pandemie-Jahren habe man White unterstützt und in den Jahren 2020 und 2021 24 Millionen Euro gezahlt. Das seien zwar 20 Prozent weniger als 2019. Doch die Tätigkeiten von White seien um 42 Prozent zurückgegangen.

Das kann und will sich Tap jetzt nicht mehr leisten. Die Airline habe mehrere ATR-Betreiber zur Angebotsabgabe für den Betrieb der zwei weiterhin eingeplanten ATR 72 aufgefordert. Fünf Vorschläge seien eingegangen und man verhandele über das beste Angebot. Dies solle «für die notwendige Regelmäßigkeit des Betriebs sorgen und die negativen finanziellen Auswirkungen vermeiden, die Tap durch die Unzuverlässigkeit von White erlitten hat».