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Etihad vs. Swiss: Hart auf hart

Die Swiss beklagt sich, die Behörden prüfen: In der Schweiz sorgt Etihad Regional für Nervosität. Spielball wird dabei auch die Strecke Lugano - Zürich.

Etihad Regional

Saab 2000 von Etihad Regional: In der Schweizer unter Druck.

Zuerst beklagte sich Lufthansa-Präsident Wolfgang Mayrhuber. «Dafür brauchen wir auch politische Unterstützung in Form fairer Rahmenbedingungen», sagte er im Februar mit Blick auf die Golfairlines. Emirates und Etihad würden mit staatlicher Hilfe europäischen Fluggesellschaften Passagiere wegschnappen. Kürzlich stimmte Swiss-Chef Harry Hohmeister in das Lamento ein. Mit tiefen Personalkosten und fehlenden Sozialausgaben würden die Golfairlines den Anbietern in Europa das Geschäft vermiesen.

Die Lufthansa-Tochter Swiss ist besonders sauer auf die Konkurrenz vom Golf. Denn Etihad aus Abu Dhabi stieg Anfang Jahr bei der Schweizer Regionalfluglinie Darwin ein, die inzwischen als Etihad Regional Reisende aus ganz Europa zu Etihad-Flügen transportiert. Damit sitzt der Rivale quasi gleich vor der Haustüre. Und bei Etihad Regional wird geklotzt, nicht gekleckert. Erst kürzlich gab die Fluglinie bekannt, vier ATR 72-500 anzumieten, um die Kapazitäten weiter ausbauen zu können. Das Streckennetz wird von 16 auf 33 Ziele erweitert, die Flotte von acht auf zwölf Flieger.

Noch Schweizer Eigentumsverhältnisse?

Zufall oder nicht? Kurz nachdem die Swiss sich so lautstark über Etihad und Co. beklagte, wurden auch die Schweizer Behörden aktiv. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt gab diese Woche bekannt, die Beteiligungsverhältnisse genau unter die Lupe zu nehmen. «Wir prüfen, ob hier tatsächlich noch Schweizer Eigentumsverhältnisse gegeben sind», bestätigte ein Sprecher der Basler Zeitung. Offiziell hält Etihad 33,3 Prozent der Aktien von Darwin/Etihad Regional. Da und dort fiel aber das Wort «Strohmänner».

Am Freitag reagierte Etihad Regional mit einer ausführlichen Medienmitteilung auf die Vorwürfe. Alle Details zum Aktionariat seien dem Bundesamt für Zivilluftfahrt bereits im Oktober vorgelegt worden. Die 66,7 Prozent des Gesellschaftskapitals, die nicht Etihad gehörten, lägen in Händen Schweizer Investoren. Zudem erfülle man alle schweizerischen und europäischen Vorschriften.

Scharmützel um Strecke Lugano – Zürich

Der Streit kann weitergehen. Die Swiss hat bereits den Leasingvertrag für eine Saab 200 von Etihad Regional per Ende Oktober gekündigt, wie das Fachportal CH Aviation berichtet. Einer Rivalin helfen, das will sie nicht. Mit der Maschine bediente die Swiss die Strecke zwischen Lugano und Zürich. Die Schweizer Fluglinie will nun entweder einen anderen Vertrag abschließen oder die Strecke streichen.

Darwin/Etihad Regional reagierte am Freitag auch darauf. Die Verbindung sei für die Schweiz «wirtschaftlich wichtig». Deshalb prüfe man die Fortführung auf eigene Rechnung «sorgfältig». Ein geschickter politischer Sachzug.



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