Früh aufstehen am Sonntag: Kurz vor acht Uhr morgens stehen die Passagiere des Sonderfluges schon zum Einsteigen an.

Rundflug von Ukraine InternationalEinmal Tschernobyl und zurück

Zum 35. Jahrestag der Nuklearkatatstrophe führte Ukraine International einen Rundflug über Tschernobyl durch. An Bord waren auffällig viele junge Menschen.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
HahnAir

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung
Etihad Job

First Officer A320

Abu Dhabi
Feste Anstellung
Etihad Airways
United Arab Emirates
Vollzeit
Top jobs

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl hat sich ins kollektive Gedächtnis der Ukraine eingebrannt. Zehntausende Einwohner mussten umgesiedelt werden, Tausende starben in den darauffolgenden Jahren,  jahrzehntelang musste aufgeräumt werden. Fast jeder Einwohner kennt jemanden, der vom 26. April 1986 zumindest betroffen war.

Bis heute existiert eine Sperrzone von 30 Kilometern rund um den Reaktor, in dem die Böden an gewissen Stellen noch immer heftig strahlen - mitunter auch, weil dort Tierleichen, Häuser oder Geräte vergraben wurden. 35 Jahre später erinnerte auch die ukrainische Nationalairline an das tragische Ereignis. Mit mehreren Sonderflügen führte Ukraine International Interessierte über das einstige nukleare Epizentrum.

Reiseflughöhe von rund 900 Meter

Am Sonntag (25. April) war es ein weiteres Mal soweit. Rund 100 Menschen waren am Sonntagmorgen um 6:30 Uhr zum Flughafen Kiev Boryspil gekommen, um auf dem Sonderflug dabei zu sein. Es waren keineswegs alte Menschen, die sich an die damaligen Ereignisse erinnern wollten. Im Gegenteil: Vor allem nach 1986 geborene hatten die Tickets gebucht, die ungefähr so viel kosteten wie ein Flug nach Deutschland.

Die Embraer E190 war vollbesetzt. Mit an Bord einige Piloten und Kopiloten von Ukraine International, die ausländischen Gästen übersetzen, was über die Lautsprecher durchgegeben wurde. Denn nach dem Start ging das Flugzeug auf seine Reiseflughöhe von rund 900 Meter. Umgehend begannen die Piloten zu erklären, was sich den Gästen zu sehen bot: Alle Sehenswürdigkeiten von Kiev von oben herab.

Direkt übers nukleare Epizentrum

Danach steuerte die Embraer E190 Richtung weißrussischer Grenze. Eine ausgebildete Tourführerin begann den Passagieren ausführlich zu davon erzählen, was sich an jenem 26. April 1986, davor und danach ereignet hatte. Von fatalen Fehlern bei der Konstruktion, von Fehlentscheidungen nach den Explosionen, von den Bewohnern von umliegenden Dörfern und von der 50.000 Einwohner zählenden Stadt Pripyat, die innerhalb weniger Stunden vollständig geräumt wurde.

Mehrmals kreiste die Embraer E190 über dem inzwischen mit einem neuen Sarkophag abgedichteten Katastrophenreaktor Nummer vier, Pripyat und der Stadt Tschernobyl, wo heute nur noch Mitarbeiter wohnen, die noch immer mit der Aufbereitung der Schäden beschäftigt sind. Die Tourführerin nutzte die Zeit, um die Ereignisse ausführlich Revue passieren zu lassen.

Schlimmer geht nicht

Am 26. April 1986 kam es im Reaktor Nummer vier des Atomkraftwerks von Tschernobyl nach einem misslungenen Test zu einer Explosion. Schuld waren schwerwiegende Verstöße der Angestellten gegen die Sicherheitsvorschriften und eine grundlegende Fehlkonstruktion des Reaktors.

Es ist eine Geschichte von apokalyptischem Ausmaß. Gigantische Mengen von radioaktiven Materialien gelangten in die Umwelt - verschlimmert durch die Kaschier-Mentlität der sowjetischen Parteifunktionäre. Je nach Schätzung starben 40.000 bis 60.000 Menschen an den Folgen der Katastrophe.

«Wahrer touristischer Magnet»

Sonderflug PS3999 war ein  eindrückliches Ereignis. Angesichts der Corona-Krise und der fehlenden Flugmöglichkeiten könnte es gut sein, dass Ukraine International ihn nochmals wiederholt. Dabei hätte sie Unterstützung von ganz oben. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky will Tschernobyl zu einem «wahren touristischen Magnet» machen.

In der oben stehenden Bildergalerie mit Videos sehen Sie Aufnahmen des Sonderflugs von Ukraine International über Tschernobyl.

Der Testflug sowie die An- und Abreise verursachten 305 Kilogramm CO2. Wie bei allen Dienstreisen kompensierte aeroTELEGRAPH diese Emissionen durch die Unterstützung von Aufforstungsprojekten und des Kaufs von Biokerosin über den Kompensationsanbieter Compensaid.

Das Flugticket wurde von Ukraine International  vergünstigt abgegeben. Die Fluggesellschaft nahm weder Einfluss auf den Inhalt des Artikels noch stellte sie irgendwelche Bedingungen. Das würde dem Verhaltenskodex von aeroTELEGRAPH widersprechen.

Mehr zum Thema

Tschernobyl: Wird beim Spezialflug auf 900 Metern überflogen.

Flug über Tschernobyl und Weinprobe über den Wolken

Trümmer von Flug PS752.

107-Grad-Fehler führte zu Abschuss der Boeing 737

Regionalflieger Antonov An-158: Ukraine will eigene Regionalairline mit heimischen Fliegern.

Ukraine will mit neuer Staatsairline Antonov helfen

Der ukrainische Präsident und seine Frau bei der Ankunft tin Norwegen: Es ging glimpflich aus.

Zelenskyys Airbus A319 entgeht offenbar nur knapp einer Drohne

Video

midway atoll usfws
Die USA müssten mindestens 100 Millionen Dollar investieren, um den Flughafen des Midway Atolls betriebsbereit zu halten. Etliche Airlines und der Flugzeugbauer Boeing werben für die Investition - obwohl es so gut wie keine Starts und Landungen an dem Airport gibt.
Timo Nowack
Timo Nowack
Feuerwerk und Flugzeug: Keine gute Kombination.
Feuerwerk und Flugzeuge sind keine gute Kombination. Das zeigte sich am Flughafen Mundo Maya in Guatemala, als ein Airbus A320 von Avianca zur Landung ansetzte.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
Der neue Honda Jet: Die Maschine heißt ab sofort Echelon.
Der japanische Businessjet-Hersteller vermeldet Fortschritte beim Bau der ersten Echelon-Maschine, muss aber gleichzeitig eine deutliche Verzögerung einräumen. Erstflug und Zulassung verschieben sich um bis zu drei Jahre.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies