Fluglotsen in einem Tower: Ein anonymer Fluglotse wehrt sich gegen das Dauerbashing von Ryanair.

Fluglotse kontert Ryanair-Chef«Wir haben Michael O’Learys ständige Hetze satt»

Ryanair macht seit Jahren die europäischen Flugsicherungen für Verspätungen verantwortlich. Doch jetzt wehrt sich ein Fluglotse öffentlich gegen diese Vorwürfe und geht direkt gegen Ryanair-Group-Chef Michael O’Leary in die Offensive.

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Luftfahrt

Ryanair teilt gern öffentlich aus. Mal trifft es die deutsche Bundesregierung, die nichts dafür tue, den Luftverkehrsstandort Deutschland wieder günstiger und damit attraktiver zu machen. Dann geht es wiederholt gegen das Nachtflugverbot am BER, das aus Sicht der Iren dringend geändert werden muss. Ein echter Dauerbrenner bei der Pöbelei aus Dublin sind die europäischen Fluglotsinnen und Fluglotsen.

Es geht bereits so weit, dass Reisenden in der Ryanair-App angezeigt wird, ihr Flug verspäte sich wegen «Personalmangels bei der Flugsicherung». Empfohlen wird, sich auf der Webseite atcruinedourholiday.com (die Abkürzung ATC steht für air traffic control, also in etwa Flugsicherung ruinierte meine Ferien) bei dem jeweiligen Verkehrsminister oder der Verkehrsministerin zu beschweren. Offiziell hat die Seite zwar nichts mit Ryanair zu tun, nutzt aber mit Blau und Gelb identische Farben wie Ryanair.

Lotse wehrt sich gegen Michael O'Learys Bashing

Im Mai veröffentlichte Ryanair eine Pressemitteilung zum Thema Verspätungsliga. Darin veröffentlichte die Airline eine Rangliste der «personell unterbesetzten und schlecht geführten Flugsicherungen», die von Januar bis Mai die größten Verspätungen für ihre Flüge und Gäste verursacht hätten.

Doch nun schlägt ein Fluglotse zurück. Am 27. Oktober 2025 veröffentlichte ein europäischer Fluglotse unter dem Pseudonym Kontrolo im Pilotenforum PPRUNE eine Stellungnahme. Darin wendet er sich direkt an Michael O’Leary, den Chef von Ryanair Group, und erklärt unmissverständlich: «Wir, die europäischen Fluglotsen, haben O’Learys ständige Hetze und die abwertenden Kommentare über unseren Berufsstand satt».

Sicherheit steht an erster Stelle

Und der Fluglotse wird noch deutlicher: «Wir wissen genau, welche Flugblätter eure Firma an eure Passagiere verteilt, [...] und uns ist bestens bekannt, welche beleidigende Sprache O’Leary im Zusammenhang mit unserem Beruf verwendet». Zudem unterstellt Kontrolo Ryanair eine Nähe zu der Website atcruinedourholiday.com.

Laut dem Lotsen ist die Schuldzuweisung, die Ryanair betreibt, viel zu stark vereinfacht. «Unsere Pflicht ist es, einen sicheren, geordneten und zügigen Verkehrsfluss zu gewährleisten». Dazu geben sich die Lotsinnen und Lotsen jeden Tag die größte Mühe, so der Lotse. «Die Beleidigungen seitens eures Unternehmens gehen uns ans Herz».

Ausbildung ist langwierig

Denn der Luftverkehr nimmt immer mehr zu und militärische Konflikte sorgen für zusätzliche Umleitungen. Die Flugsicherung ist bereits am Limit. Obwohl überall in Europa dringend neue Fluglotsinnen und Fluglotsen gesucht werden, bleibt die Ausbildung aufwendig: Bis ein Angestellter voll einsatzbereit ist, dauert es zwei bis drei Jahre. Eine schnellere Lösung gibt es nicht, so der Lotse.

Der Fluglotse räumt ein, dass Kapazitätsengpässe in der Flugsicherung zwar für fast ein Viertel aller Verspätungen verantwortlich sind. Laut der europäischen Flugsicherung Eurocontrol aber nicht der Hauptgrund. Den größten Anteil macht mit 66 Prozent das Wetter aus, gefolgt von der Flugsicherung und vor Kapazitätsproblemen an Flughäfen.

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