Cockpit: Eigentlich kein Schlafplatz.

Untersuchung der Vereinigung CockpitNickerchen im Cockpit sind in deutschen Cockpits Standard

Eine Umfrage zeigt: Nickerchen im Cockpit sind in Deutschland keine Ausnahme mehr. Für drei Viertel der Pilotinnen und Piloten gehören sie zum Standard. Die Vereinigung Cockpit deutet das als Warnzeichen.

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Lange waren Nickerchen im Cockpit während des Reiseflugs verpönt. In einigen Ländern, wie etwa den USA, sind sie sogar verboten. Doch eine neue Umfrage der Vereinigung Cockpit zeigt: Das sogenannte Napping ist bei deutschen Pilotinnen und Piloten inzwischen Standard. 93 Prozent der mehr als 900 Befragten gaben an, in den vergangenen Monaten im Reiseflug geschlafen zu haben.

«Napping ist in deutschen Cockpits längst die Regel», sagt Katharina Dieseldorff, Vizepräsidentin der Gewerkschaft. «Was ursprünglich als kurzfristige Erholungsmaßnahme vorgesehen war, hat sich zu einem dauerhaften Mittel gegen strukturelle Überlastung entwickelt.» Vor allem im Sommer spitze sich die Lage wegen enger Dienstpläne, Personalmangel und operativem Druck zu.

Kontrollierte Nickerchen im Cockpit sind unkritisch

Die größte Gruppe unter den Teilnehmenden kam von Lufthansa mit 481 Pilotinnen und Piloten, gefolgt von Lufthansa Cargo (101), Eurowings (73) und Condor (71). Auch Crews von Ryanair, Cityline, Discover, Tuifly, Aerologic, DHL, City Airlines, Easyjet und German Airways beteiligten sich. Für 74 Prozent ist Napping inzwischen Standard, zwölf Prozent berichten sogar, bei jedem Flug kurz einzuschlafen.

Die Gewerkschaft warnt: Ein kontrolliertes Nickerchen sei zwar unkritisch. Doch eine dauerhaft erschöpfte Cockpitbesatzung sei ein erhebliches Risiko. «Eine Unternehmenskultur, die Ermüdung verharmlost oder ignoriert, ist ein Sicherheitsrisiko», mahnt Dieseldorff. Die Vereinigung Cockpit fordert daher, Erschöpfung als Sicherheitsfaktor anzuerkennen, die Einhaltung der Flugdienstzeit-Regeln strenger zu überwachen und Fatigue-Management stärker an wissenschaftliche Erkenntnisse zu knüpfen.

Wenn im Cockpit beide einschlafen

Dass Erschöpfung im Cockpit zum Problem werden kann, zeigen internationale Fälle. Im Januar 2024 verlor die Flugsicherung in Indonesien fast eine halbe Stunde den Kontakt zu einem Airbus A320 von Batik Air. Der Grund: Beide Piloten waren eingeschlafen. Erst nach 28 Minuten stellte die Besatzung eines anderen Flugzeugs wieder Funkkontakt her.

Und auch im Nahen Osten berichten Piloten von extremen Belastungen. Ein ehemaliger Qatar-Airways-Kapitän schilderte, er sei während eines Sinkfluges mit 400 Passagieren eingeschlafen – nach einer Schicht von 20 Stunden. «Du kannst nichts tun. Dein Körper schreit förmlich nach Ruhe», sagte ein anderer Copilot, der nach eigenen Angaben bereits mehrfach eingenickt ist.

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