Der tödliche Zusammenstoß eines Militärhelikopters mit einem Regionaljet nahe Washington D.C. vor einem Jahr wäre vermeidbar gewesen. Zu diesem Schluss kommt das National Transportation Safety Board (NTSB) nach Abschluss seiner Untersuchung. In ungewöhnlich deutlichen Worten macht es vor allem die Federal Aviation Administration (FAA) für eine Kette systemischer Versäumnisse verantwortlich.
FAA genehmigte Flugrouten ohne ausreichende horizontale oder vertikale Staffelung
Im Zentrum der Kritik steht die Gestaltung des Luftraums rund um den Inlandsflughafen der Hauptstadt der USA. Die FAA habe Flugrouten genehmigt, bei denen sich Helikopter- und Verkehrsflugzeuge ohne ausreichende vertikale oder horizontale Staffelung kreuzten. Eine systematische Sicherheitsbewertung dieser Konstellation habe nie stattgefunden. Und das, obwohl interne Daten Tausende Annäherungen dokumentierten, darunter Dutzende mit hohem Risiko.
Zudem habe die Flugsicherung, die auch der FAA untersteht, wiederholt Warnungen aus dem eigenen Kontrollturm ignoriert. Lotsinnen und Lotsen hatten demnach auf die Überlastung des Luftraums hingewiesen und eine Reduktion des Verkehrs gefordert. Stattdessen sei zunehmend auf sogenannte visuelle Staffelung gesetzt worden, also darauf, dass Pilotinnen und Piloten andere Luftfahrzeuge selbst erkennen und ausweichen. Das NTSB bezeichnet diese Praxis in diesem Umfeld als «inakzeptables Risiko».
NTSB entlastet Piloten - und belastet FAA
Die Untersuchung entlastet ausdrücklich die Piloten des Passagierflugzeugs. Beim Helikopter hingegen spielte offenbar Technik eine Rolle: Die barometrischen Höhenmesser des Black Hawks lieferten systematisch falsche Werte. Das war ein bekanntes Problem, über das die Besatzungen jedoch nicht informiert worden waren. Die Folge: Der Helikopter flog vermutlich rund 100 Fuß höher als angenommen und damit direkt in den Anflugpfad des Jets.
Mehr als 70 Feststellungen und zahlreiche Sicherheitsempfehlungen
Insgesamt formulierte das NTSB mehr als 70 Feststellungen und zahlreiche Sicherheitsempfehlungen. Die FAA hat bereits erste Maßnahmen umgesetzt, darunter eine Neugestaltung der Helikopterrouten rund um Washington. Ob und wie weitreichend weitere Reformen folgen, liegt nun bei Regierung und Kongress. Für die Unfallermittler ist klar: Die Daten lagen vor, gehandelt wurde zu spät.
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