Trümmer im Potomac River: Das Unglück wäre laut NTSB vermeidbar gewesen.

NTSB-Chefin Jennifer Homendy zu Flug AA5342Tödliche Kollision in Washington war «zu 100 Prozent vermeidbar»

Die zuständigen Ermittler zur tödlichen Kollision von Flug AA5342 üben schwere Kritik an der Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA. Sie trifft demnach die Hauptschuld am Unglück.

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Der tödliche Zusammenstoß eines Militärhelikopters mit einem Regionaljet nahe Washington D.C. vor einem Jahr wäre vermeidbar gewesen. Zu diesem Schluss kommt das National Transportation Safety Board (NTSB) nach Abschluss seiner Untersuchung. In ungewöhnlich deutlichen Worten macht es vor allem die Federal Aviation Administration (FAA) für eine Kette systemischer Versäumnisse verantwortlich.

Bei dem Unfall am 29. Januar 2025 kollidierte ein Black-Hawk-Helikopter der US-Armee über dem Potomac River mit Flug AA5342, einer Bombardier CRJ 700 von American Airlines im Anflug auf den Ronald Reagan Washington National Airport. Alle 67 Menschen an Bord der beiden Fluggeräte kamen ums Leben. Laut NTSB hätte es so weit nicht kommen müssen. «Das war zu 100 Prozent vermeidbar», sagte Behördenchefin Jennifer Homendy dazu bei einer öffentlichen Sitzung.

FAA genehmigte Flugrouten ohne ausreichende horizontale oder vertikale Staffelung

Im Zentrum der Kritik steht die Gestaltung des Luftraums rund um den Inlandsflughafen der Hauptstadt der USA. Die FAA habe Flugrouten genehmigt, bei denen sich Helikopter- und Verkehrsflugzeuge ohne ausreichende vertikale oder horizontale Staffelung kreuzten. Eine systematische Sicherheitsbewertung dieser Konstellation habe nie stattgefunden. Und das, obwohl interne Daten Tausende Annäherungen dokumentierten, darunter Dutzende mit hohem Risiko.

Zudem habe die Flugsicherung, die auch der FAA untersteht, wiederholt Warnungen aus dem eigenen Kontrollturm ignoriert. Lotsinnen und Lotsen hatten demnach auf die Überlastung des Luftraums hingewiesen und eine Reduktion des Verkehrs gefordert. Stattdessen sei zunehmend auf sogenannte visuelle Staffelung gesetzt worden, also darauf, dass Pilotinnen und Piloten andere Luftfahrzeuge selbst erkennen und ausweichen. Das NTSB bezeichnet diese Praxis in diesem Umfeld als «inakzeptables Risiko».

NTSB entlastet Piloten - und belastet FAA

In der Unfallnacht war ein einzelner Lotse gleichzeitig für Helikopter- und Flugzeugverkehr zuständig. Das sei nicht aus Personalmangel geschehen, sondern aus organisatorischen Gründen – eine Entscheidung, die laut NTSB die Situationswahrnehmung deutlich verschlechterte. Hinzu komme eine Sicherheitskultur innerhalb der FAA, die das Melden von Risiken eher entmutigt habe. Ein bereits installiertes Verkehrsmanagementsystem sei nie aktiviert worden.

Die Untersuchung entlastet ausdrücklich die Piloten des Passagierflugzeugs. Beim Helikopter hingegen spielte offenbar Technik eine Rolle: Die barometrischen Höhenmesser des Black Hawks lieferten systematisch falsche Werte. Das war ein bekanntes Problem, über das die Besatzungen jedoch nicht informiert worden waren. Die Folge: Der Helikopter flog vermutlich rund 100 Fuß höher als angenommen und damit direkt in den Anflugpfad des Jets.

Mehr als 70 Feststellungen und zahlreiche Sicherheitsempfehlungen

Insgesamt formulierte das NTSB mehr als 70 Feststellungen und zahlreiche Sicherheitsempfehlungen. Die FAA hat bereits erste Maßnahmen umgesetzt, darunter eine Neugestaltung der Helikopterrouten rund um Washington. Ob und wie weitreichend weitere Reformen folgen, liegt nun bei Regierung und Kongress. Für die Unfallermittler ist klar: Die Daten lagen vor, gehandelt wurde zu spät.

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