PC-6 unter Wasser: Bis zum Erscheinen des Zwischenberichts wurde das Flugzeug nicht an Land geholt.

Absturz des letzten Pilatus PC-6Er überlebte den Absturz des PC-6 und ertrank beim Schwimmen an Land

Der letzte je gebaute Pilatus PC-6 stürzte Ende 2022 ins Meer. Noch immer befindet sich das Wrack auf Grund. Ein erster Zwischenbericht verrät aber neue Details.

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Nach 63 Jahren endete die Erfolgsgeschichte des Pilatus PC-6 Porter mit einem tragischen Ereignis. Das letzte je gebaute Exemplar des einmotorigen Propellerflugzeugs mit Stol-Eigenschaften stürzte im Dezember 2022 kurz nach dem Start in Heraklion ins Meer. Eigentlich hätte die Crew das Flugzeug für die indonesische Smart Aviation im nächsten Schritt von Kreta nach Hurghada überführen sollen.

Nach dem Absturz gab es vor allem eines: offene Fragen. Wie genau kam es zu dem tragischen Unglück? Und wie kam es dazu, dass einer von zwei Insassen ums Leben kam? Nicht einmal das Alter der Crewmitglieder war bekannt. Jetzt ist der erste Zwischenbericht zum Unglück erschienen. Und zumindest ein bisschen mehr Klarheit bringt er.

Ein Pilot mit Lizenz, einer ohne

Viele Fragen bleiben allerdings weiterhin offen. Für den Bericht der Hellenic Air and Rail Safety Investigation Authority Harsia wurden die Daten eines Flugschreibers ausgewertet. Außerdem sprachen die Ermittler mit dem einzigen Überlebenden. Insgesamt hatten sich zwei Personen an Bord befunden: Der Pilot, dessen Alter auch im Zwischenbericht nicht genannt wird. Je nach Quelle liegt es zwischen 26 und 32 Jahren. Er hatte zum Zeitpunkt des Unfalls 2847 Flugstunden angesammelt, davon 813 auf dem Pilatus PC-6.

Neben ihm befand sich auch ein «Operations Manager» an Bord. Er hatte etwa 23.000 Flugstunden angesammelt, doch seine Pilotenlizenz war abgelaufen, da sein medizinisches Zeugnis seit März 2019 nicht mehr gültig war. Auch sein Alter wird im Bericht nicht genannt. Es wurde nach dem Unfall in den Medien mit 62 oder 68 Jahren angegeben. Er überlebte den Unfall nicht.

Tür war offen - Hebel betätigt?

Das Wetter am Tag des Unglücks war gut. Der PC-6 mit der Seriennummer 1019 und dem Kennzeichen PK-SNF hob in den blauen Himmel über der griechischen Insel ab. Doch schon kurz darauf ging etwas schief. Wie der Pilot im Abschlussbericht zu Protokoll gibt, bemerkte er, dass es lauter war als normal. Er drehte sich um und bemerkte, dass die Tür des Flugzeugs nicht richtig geschlossen war.

Er stellte sicher, dass das Flugzeug stabil unterwegs war, löste den Schultergurt und versuchte, sich zu strecken, um die Tür zu schließen. Doch irgendwas ging dann offenbar schief. Wie er im Zwischenbericht zu Protokoll gibt, merkte er, wie das Flugzeug an Schub verlor. Er vermutete, dass er bei der Türschließungsaktion aus Versehen einen Hebel betätigt hatte.

Notwasserung unvermeidbar

Schnell begab sich der Pilot wieder an seinen Platz und versuchte, das Flugzeug unter Kontrolle zu bekommen. Doch das gelang ihm nicht. Es gab zudem ein Problem mit dem Zufluss des Treibstoffes, welches der Pilot nicht mehr unter Kontrolle bekommen konnte. Er sandte einen Notruf ab. Schnell war ihm klar, dass er würde versuchen müssen, den Pilatus Porter notzuwassern.

Nach insgesamt rund vier Minuten Flugzeit stürzte der letzte je gebaute Pilatus PC-6 bei Kako Oros ins Meer – rund 300 Meter von der Küste Kretas und 6,5 Kilometer vom Flughafen entfernt. Die auf dem Flug maximal erreichte Höhe betrug etwas mehr als 1000 Fuß (300 Meter).

Kalt und müde

Die Notwasserung überlebten beide Insassen - zunächst. Doch dann wurde es richtig brenzlig. Mit der Nase voraus begann der PC-6 zu sinken. Der Pilot erinnert sich noch, dass die Cockpitscheibe ihn im Gesicht traf und dann war er schon unter Wasser.

Beiden Insassen gelang es, sich aus dem sinkenden Flugzeug zu retten, das sich kopfüber in Richtung Meeresgrund bewegte. Sie jubelten sogar, als sie an der Wasseroberfläche ankamen. Der ältere Mann berichtete, er habe ein Knallgeräusch gehört, bevor das Flugzeug an Schub verlor.

Im Krankenhaus für tot erklärt

Nachdem das Flugzeug gesunken war, hatten die Männer keine andere Wahl, als zu versuchen, an Land zu schwimmen. Doch ihnen war kalt und sie waren erschöpft - auch, weil sie permanent versuchten, um Hilfe zu schreien. Der Pilot versuchte, dem älteren Mann zu helfen, doch er hatte große Mühe dabei.

Als er ihn einmal losließ, trieb der Mann weg von ihm. Soweit, dass er ihn nicht wieder einholen konnte. Als schließlich die Küstenwache eintraf, sammelte sie zuerst den Pilot und kurz darauf den Operations Manager ein. Doch der war bereits bewusstlos. Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. Er wurde schließlich im Krankenhaus für tot erklärt.

Wrack noch immer unter Wasser

Das Wrack des Pilatus PC-6 hätte eigentlich geborgen werden sollen, befindet sich aber laut dem Bericht weiterhin unter Wasser. Die Ermittler erhofften sich, durch die Untersuchung mehr Kenntnisse darüber zu gewinnen, was wirklich zum Absturz führte. Doch auf diese Antworten wird man wohl noch eine Weile warten müssen.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Bilder des Wracks des Pilatus PC-6 auf dem Meeresgrund vor Kreta. Ein Klick aufs Bild öffnet die Galerie im Großformat.

Den Zwischenbericht zum Unfall können Sie hier herunterladen.

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