Absturz in KolumbienBolivianische Regierung entzieht Lamia die Lizenz

Treibstoffmangel war ziemlich sicher der Grund für den Absturz der Lamia-Maschine im kolumbianischen Medellin. Nun hat Bolivien der Airline die Lizenz entzogen. Auch die Luftfahrtbehörde steht in der Kritik.

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«Totalausfall der Elektronik, ohne Treibstoff.» Nur kurz, nachdem der Pilot der in Kolumbien abgestürzten Avro RJ85 diesen Notruf abgegeben hatte, stürzte die Maschine ab. 71 Menschen kamen ums Leben. Dass Treibstoffmangel der Grund für den Absturz war, gilt seit der Veröffentlichung der letzten Funksprüche durch einen kolumbianischen Radiosender als so gut wie sicher. Kein Wunder also, dass sich die Ermittlungen nun auf die Airline Lamia konzentrieren. Der abgestürzte Jet war ihr einziges Flugzeug.

Die bolivianische Regierung hat der Airline mit sofortiger Wirkung die Lizenz entzogen. Zusätzlich suspendierte sie die Führung der Nationalen Luftfahrtbehörde für die Zeit der Ermittlungen. Der Grund dafür: Auch die Behörde muss sich unangenehmen Fragen stellen. Die Flugzeit für die Reise von Santa Cruz in Bolivien nach Medellin wurde zu knapp berechnet, berichtet die bolivianische Zeitung El Deber. Und der Plan, der von der Airline erstellt worden war, wurde vor dem Flug von der Behörde durchgewunken.

Drittland soll bei Auswertung der Blackbox helfen

Es ist ein sehr weiter Flug für eine Avro RJ85. 3000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Santa Cruz de la Sierra und Medellin. Nonstop ist das nur mit Zusatztanks und verringerter Ladung knapp zu schaffen. Vorgesehen war deshalb, dass das Flugzeug der bolivianischen Chartergesellschaft Lamia auf Flug LMI2933 bei einer absehbaren Knappheit in Bogota zwischenlandet, um neues Kerosin zu tanken.

Einer der beiden Piloten war offenbar ein Mitbesitzer der Airline. Auch er kam bei dem Absturz um. Nun spekulieren Medien darüber, ob er auf den Tankstopp verzichtete, um Geld zu sparen. Bestätigt ist das indes noch nicht. Klarheit erhoffen sich die Ermittler von der ausführlichen Analyse der Blackboxen. Wie El Deber auch berichtet, haben die kolumbianischen Behörden entschieden, dabei ein Drittland hinzuzuziehen. So wolle man Transparenz und Unabhängigkeit garantieren, heißt es als Begründung.

Sechs Überlebende

An Bord des knapp 18-jährigen Jets mit dem Kennzeichen CP-2933 befanden sich 68 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder. Unter ihnen waren 22 Spieler sowie 28 Betreuer der brasilianischen Fußballmannschaft Chapecoense Real, die am Mittwoch im Finale der Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellín hätte spielen sollen. Mit an Bord waren auch Journalisten. Sechs Insassen überlebten das Unglück.

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