Die auf der Nase liegene Boeing 787, vergessener Verriegelungsstift: kleines Teil, großer WIrkung.

Flughafen FrankfurtAuf Nase gekrachte Boeing 787 von Lufthansa: Der Sicherungsstift lag noch in der Werkzeugkiste

Vor einem Monat krachte eine Boeing 787 von Lufthansa am Flughafen Frankfurt mit der Nase auf das Vorfeld. Nun zeigt der erste Untersuchungsbericht, welcher folgenschwerer Fehler den Beteiligten unterlaufen ist, bevor es zum Sturz am Gate kam.

Top-Jobs

Sparfell Logo

Captain/First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

SPARFELL Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Vienna
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Pilatus Logo

Mechaniker Flugzeugkomponenten (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Systems Engineer - Electrical Focus

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Ein Monat nach dem spektakulären Bugfahrwerk-Unfall am Frankfurter Flughafen liefert die BFU erste Antworten: Der Sicherungsstift, der das Fahrwerk hätte blockieren sollen, war gar nicht erst eingesetzt, sondern lag in einer Kiste.

Vor gut einem Monat fiel am Flughafen Frankfurt ein Dreamliner von Lufthansa auf die Nase. Die Boeing 787-9 mit der Kennung D-ABPQ wurde an Gate A15 gerade für den kommenden Flug nach Los Angeles vorbereitet, als das Bugfahrwerk gegen 12.45 Uhr plötzlich eingefahren wurde. Das rund 180 Tonnen schwere Flugzeug sackte deshalb fast zwei Meter nach unten und krachte aufs Vorfeld.

Jetzt hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU ihren ersten Zwischenbericht zum Hergang veröffentlicht. Und dabei zeigt sich, dass es tatsächlich Parallelen zu einem ähnlichen Fall von 2021 gibt. Bei einer Boeing 787-8 von British Airways, knickte damals ebenfalls plötzlich das Bugfahrwerk weg und der vordere Rumpf schlug auf den Boden. Grund war damals, dass ein Sicherungsstift für das Bugfahrwerk versehentlich an der falschen Stelle eingesetzt worden war.

Sicherungsstift im Fahrwerk der Boeing 787 fehlte

Doch beim Lufthansa-Dreamliner war dieser Sicherungsstift nicht in das falsche Loch, sondern gar nicht gesetzt worden, wie es im Bericht heißt. Laut der deutschen Untersuchungsbehörde waren zum Zeitpunkt des Unfalls insgesamt 28 Personen im Dreamliner von Lufthansa. 13 Besatzungsmitglieder sowie 13 Mitarbeitende der Bodenabfertigung und zwei Technikfachleute.

Die beiden Techniker sind gerufen worden, um aufgetretene Probleme mit der Steuerung der Hauptfahrwerksklappen der Boeing 787 von Lufthansa zu lösen. «Aus Zeitmangel» konnte das Problem nicht vorab von Elektrikern behoben werden. In dem Zwischenbericht heißt es, dass beide Techniker über alle nötigen Zertifikate verfügen und es der zweite Tag ihrer um 6:00 Uhr beginnenden Frühschicht war.

Cockpittür schlug zu, Stromversorgung brach ab

Zum Zeitpunkt des Unfalls saßen sie im Cockpit des Dreamliners. Der eine war «mit dem Vorlesen der Anweisungen im Wartungshandbuch» beschäftigt, während der andere «mit der Umsetzung der Anweisungen» betraut war. Zum Prozedere gehörte es laut Bericht, dass «der Fahrwerkshebel auf UP gesetzt werden» sollte.

Geöffnete Abtrennung zum Avionikabteil im vorderen Frachtraum und der vergessene Stift.

Was die Techniker auch taten. «Unmittelbar nach der Betätigung des Fahrwerkshebels gegen etwa 12:45 Ortszeit fuhr das Bugfahrwerk ein und das Luftfahrzeug schlug mit dem vorderen Rumpf auf dem Boden auf», heißt es im Zwischenbericht der BFU weiter. «Die Cockpittür schlug durch den Aufprall zu. Gleichzeitig fiel die Stromversorgung aus und die Beleuchtung im Flugzeug erlosch.»

Verriegelungsstift lag noch in einer Kiste

Der Zwischenbericht verweist darauf, dass den Technikern zur Fehleranalyse das Fault Isolation Manual, also das Wartungshandbuch von Boeing, auf einem Tablet zur Verfügung stand. Darin heißt es, dass vor dem Betätigen des Fahrwerkshebels die Verriegelungs-Stifte für das Fahrwerk (Englisch: Landing Gear Downlock Pins) eingesetzt werden müssen, wenn diese noch nicht installiert sind. Das richtige Einsetzen des Verriegelungsstiftes am Bugfahrwerk wird im Handbuch illustriert.

Doch laut dem BFU-Bericht steckte der Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk der Boeing 787-9 mit der Kennung D-ABPQ nicht in der dafür vorgesehenen Bohrung. Er befand sich überhaupt nicht im Bereich des Bugfahrwerks, sondern wurde stattdessen in der dafür vorgesehenen Aufbewahrungskiste im Avionikabteil unterhalb des Cockpits gefunden. Der Stift war «mit einer roten Fahne» markiert.

Dreamliner von Lufthansa schwer beschädigt

Anders als kurz nach dem Unfall kommuniziert, gab es zwei Schwerverletzte. Insgesamt waren 34 Personen direkt betroffen; neben den 28 Personen im Flugzeug auch sechs außerhalb. 21 von ihnen wurden laut BFU-Bericht leicht verletzt.

Die Schäden am Rumpf im Bereich der vorderen Frachttür.

Der Dreamliner von Lufthansa gilt gemäß BFU als «schwer beschädigt». Im Zwischenbericht heißt es, das nach dem Einfahren des Bugfahrwerks die Rumpfnase und beide Triebwerksverkleidungen auf dem Betonboden aufschlugen, wobei Rumpf und Bugfahrwerkskasten schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch im Bereich der vorderen Frachttür gibt es deutliche Schäden. Der Türmechanismus ist verbogen.

BFU betont, dass der Abschlussbericht folgt

Die Untersuchung des Unfalls des Lufthansa-Dreamliners ist mit dem Zwischenbericht noch nicht abgeschlossen. Die BFU kündigt an, weitere Fakten zu den Bereichen Mensch und Technik sowie zu organisatorischen Einflussfaktoren zu ermitteln. Erst im Schlussbericht werden alle diese Fakten analysiert und Schlussfolgerungen gezogen.

Hinter aeroTELEGRAPH steckt mehr als eine Website: ein Team erfahrener Journalistinnen und Journalisten, das fliegt, recherchiert und einordnet – Tag für Tag. Mit Ihrer Unterstützung bleiben wir unabhängig und Sie lesen werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-lufthansa

Airbus A340 von Lufthansa betreibt seit 15 Jahren Klimaforschung

ticker-lufthansa

Lufthansa verkauft zwei Boeing 787 und least sie zurück

ticker-lufthansa

Fliegt die deutsche Nationalmannschaft mit Lufthansa zurück? Jein

Visualisierung einer Boeing 777-9 von Lufthansa: Will der Konzern mehr?

Lufthansa will mehr Airbus A350-1000 oder Boeing 777X bestellen

Video

Die brennende General Dynamics F-16 in Zakynthos: Der Pilot blieb unverletzt.
Nach einem Defekt am Fahrwerk musste eine General Dynamics F-16 der griechischen Luftwaffe auf der Insel Zakynthos notlanden. Der Pilot blieb unverletzt, doch der Kampfjet fing Feuer. Der Flughafen musste geschlossen werden.
Redaktion
starlux airlines silberner airbus a350 1000
Die Fluglinie aus Taiwan bekommt einen Airbus A350-1000 in silberner und einen in goldener Sonderlackierung. Den ersten der beiden Jets brachte der Starlux-Chef selbst nach Taipei.
Timo Nowack
Timo Nowack
cessna usa 250
Manchmal zeichnet ein Flugzeug mit seinem Flugverlauf ein Herz oder einen einfachen Schriftzug an den Himmel. Zum 250. Am Unabhängigkeitstag der USA hat eine Cessna R182 nun auch so etwas getan - aber auf einem anderen Level.
Timo Nowack
Timo Nowack