Latam sprach in einer ersten Stellungnahme vage von einem «unvorhergesehenen technischen Ereignis vor dem Start» bei einem ihrer Airbus A320 am Flughafen Lima. Der Airport informierte über «einen Notfall bei einem der Flüge von Latam Peru» und erklärte, der Flugbetrieb in der peruanischen Hauptstadt sei dadurch nicht beeinträchtigt.
Was von den offiziellen Stellen so unkonkret klingt, ist in Videos des Vorfalls - aufgenommen außerhalb und innerhalb des Flugzeugs - dagegen sehr konkret zu sehen: Hinten aus dem linken Triebwerk des A320 schlagen Flammen. Und zwar nicht in einzelnen Stößen, sondern als durchgehender Flammenstrahl, mindestens 25 Sekunden lang. Und schließlich fängt auch die Tragfläche, die den Flammen aus dem Triebwerk ausgesetzt ist, Feuer.
13 Jahre alter Airbus A320 evakuiert, keine Verletzten
Bei dem Flugzeug handelt es sich um den 13 Jahre alten A320 mit dem Kennzeichen CC-BFS, ausgestattet mit CFM56-Triebwerken von CFM International. Der Jet sollte eigentlich den Inlandsflug LA2302 von Lima nach Piura durchführen. Details dazu, wo sich der A320 beim Vorfall, der am Montag (19. Oktober) geschah, genau befand und wie lange die Triebwerke liefen, sind bisher nicht bekannt. Latam Peru erklärte in einer zweiten Mitteilung, das Flugzeug sei erfolgreich evakuiert worden, es gebe keine Verletzten.
Über die Ursache des Brandes lassen sich so kurz nach dem Vorfall noch keine gesicherten Aussagen treffen. Generell ist eine mögliche Ursache für Flammen am Triebwerksauslass eines Flugzeugs am Boden ein sogenanntes Tailpipe Fire. Es kann beim Anlassen oder Abstellen des Triebwerks auftreten, etwa wenn sich unverbrannter Kraftstoff im hinteren Bereich des Triebwerks entzündet. Das Brandmeldesystem bemerkt dies nicht.
Crew muss auf Brand-Arten unterschiedlich reagieren
Die Crew kann ein Tailpipe Fire daran erkennen, dass die Abgastemperatur während des Triebwerksstarts ungewöhnlich ansteigt, oder nach dem Abstellen nicht sinkt. Sie stoppt nach dem entsprechenden Notfallverfahren die Kraftstoffzufuhr und lässt das Triebwerk rotieren, um es zu lüften, so das Feuer zu löschen und restliche Flüssigkeit und Dämpfe zu entfernen.
Eine andere Möglichkeit ist ein Feuer in den äußeren Bereichen rund um den Triebwerkskern. Es kann beispielsweise durch den Bruch einer Leitung verursacht werden, die brennbare Flüssigkeit wie Kerosin, Öl oder Hydraulikflüssigkeit enthält. Das Brandschutzsystem schlägt im Cockpit Alarm. Die Crew muss das Triebwerk abschalten und anschließend von den Kraftstoff-, Elektro-, Hydraulik- und Pneumatiksystemen isolieren.
Gute Berichterstattung entsteht nicht im Autopilot. Sie braucht Recherche, Erfahrung und Zeit. Unterstützen Sie die Arbeit unserer Redaktion und lesen Sie aeroTELEGRAPH werbefrei - für den Preis von weniger als einem Getränk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren