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Rüstungskonzern Ruag

Schweiz will Dornier 228 loswerden

Dem schweizerische Staatskonzern Ruag gelang es nicht, die Neuauflage der Dornier 228 zu einem Kassenschlager zu machen. Jetzt will er die Sparte in Bayern verkaufen.

Ruag

Dornier 228: Deutsche Tradition, Schweizer Hersteller.

Fairchild Dornier ging 2002 pleite. Aus der Insolvenz des deutschen Flugzeugbauers übernahm der Schweizer Rüstungskonzern Ruag die Sparten Service und Fertigung mit Sitz im bayerischen Oberpfaffenhofen. Zudem erhielt er die Rechte an der Dornier Do228. Seit 2009 verkauft das staatliche Unternehmen eine Neuauflage des Fliegers mit gleichen Rumpf und Tragflächen wie beim Original, aber einem neuen Glascockpit.

Das Flugzeug ist kein Kassenschlager. Bis September 2017 hatte Ruag erst neun der neuen Dornier 228 ausgeliefert. Danach meldete der Hersteller nur zwei weitere Übergaben an Kunden. Jetzt will sich Ruag von der Dornier 228 trennen. Dem Wirtschaftsblatt Handelszeitung, das zuerst über die Pläne berichtete, liegt der entsprechende Verkaufsprospekt vor. Hintergrund ist, dass die Schweizer Regierung plant, Ruag ab 2020 in ­eine Wartungseinheit der Armee und einen Technologiekonzern namens Ruag International aufzuteilen, der schrittweise privatisiert werden soll.

450 Vollzeitstellen

«Für Einheiten, die nicht in diese neue, zivil ausgerichtete Gruppe passen, werden demnach Partner gesucht, die den Unternehmen bessere Zukunftschancen bieten», erklärt Ruag. Dazu zähle auch der Bereich MRO International inklusive Aerospace Services. Dieser lebt vor allem von Wartungsaufträgen, baut aber auch die Dornier 228. Gemäß Handelszeitung machte die Ruag Aerospace Services zwischen 2008 und 2017 insgesamt 72 Millionen Euro Verlust. Ein Großteil sei während der Restrukturierung zwischen 2010 und 2012 angefallen, so eine Sprecherin.

Im Verkaufsprospekt verspricht Ruag für Aerospace Services denn auch einen Bruttogewinn von 10 Millionen Euro bei einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter ist darin mit 450 Vollzeitstellen angebeben. «Die in der Verkaufsdokumentation enthaltenen Zahlen werden von möglichen Käufern im Rahmen der Due Diligence verifiziert», sagte die Spreche­rin gegenüber dem Blatt und bestätigte damit indirekt die die Verkaufsabsichten.

Lizenzbau in Indien

Die ursprüngliche Do228 der Traditionsfirma Dornier absolvierte 1981 ihren Erstflug und wurde bis 1998 gebaut. Seit den 1980er-Jahren stellt die indische Hindustan Aeronautics das Flugzeug zudem als Hal 228 in Lizenz her. Wer die Produktion in Oberpfaffenhofen nun von Ruag übernehmen könnte, ist offen.

Ebenfalls in der bayerischen Gemeinde sitzt Dornier Seawings und baut Wasserflugzeuge. Die Mehrheitseigner des Unternehmens kommen aus China. Womöglich gibt es dort auch Interesse an der modernisierten Dornier 228. Zudem könnte auch die kanadische Longview Aviation Capital Interesse zeigen, die kürzlich das Dash-8-Programm von Bombardier übernommen hat und mit ihrer Tochter Viking Air anderem die Rechte an der DHC-6 Twin Otter besitzt.



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