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Sah eine Airlinebesatzung eine chinesische Rakete vorbeizischen?

Ein Video, das aus einem Cockpitfenster eines Flugzeuges aufgenommen wurde, soll einen bewaffneten Flugkörper zeigen. Was steckt dahinter?

Ein Video, das derzeit in den Sozialen Medien kursiert, sorgt bei Fluggästen und auch einigen Besatzungen für Unruhe. Zu sehen ist ein Flugobjekt, das steil nach oben fliegt. Geteilt wurde es unter anderem von einem Piloten der amerikanischen Billigairline Allegiant, der früher bei der US-Marine Teil einer U-Boot-Besatzung war. Das sehe aus wie etwas, das er zu seiner Zeit hätte abfeuern können, schreibt er dazu.

Die Besatzung des Flugzeuges sei in letzter Minute aufgefordert worden, 90 Grad nach links zu drehen. Aufgenommen worden sein soll das Video am 24. Mai. Das auf Verteidigung und Militär spezialisierte Portal The Warzone geht von einer Boeing 777 von Cathay Pacific aus, die sich  über dem Südchinesischen Meer befand. Verifiziert ist der Film nicht. Anfragen des Portals beim US-Militär blieben bislang unbeantwortet.

Keine Meldungen für Besatzungen

Die chinesische Volksbefreiungsarmee kündigte allerdings an, dass sie zwischen dem 19. und 23. Mai Übungen im Südchinesischen Meer durchführen würde, die mit den Besuchen von US-Präsident Joe Biden in Südkorea und Japan zusammenfielen. Aber: Raketenstarts mit scharfer Munition waren laut der Mitteilung nicht geplant. Auch Nordkorea führte im Mai Raketentests mit von U-Booten abgefeuerten Geschossen durch, allerdings im östlichen Japanischen Meer, nicht im Südchinesischen.

Notams, so genannte Notices to Air Missions (früher: Airmen), mit denen Cockpitbesatzungen und Flugplaner auf Gefahren in bestimmten Regionen hingewiesen werden, existieren für die Zeit und das Gebiet keine. Auch andere Sichtungen des Raketenstarts gibt es nicht. Cathay Pacific hat mittlerweile in einer Stellungnahme gegenüber The Warzone erklärt, es gebe «keine Aufzeichnungen über einen derartigen Vorfall, an dem einer unserer Flüge beteiligt war.»

Ähnlicher Vorfall 2017

Ende 2017 sichtete eine Crew der Fluggesellschaft aus Hongkong bereits einmal ähnlich Beunruhigendes. Auf einem Flug von Cathay von Hongkong nach San Francisco sahen die Piloten eine nordkoreanische Rakete, die nach einem Abschuss wieder in die Atmosphäre eintrat. Dass das jetzt geteilte Video diesen Vorfall zeigt, ist aber unwahrscheinlich, weil dabei ein Raketenstart zu sehen ist.

Tatsächlich kommt es auch immer wieder zu Vorfällen, in denen zivile Flugzeuge durch Raketen gefährdet oder sogar abgeschossen wurden. Im Januar 2020 kam es nach dem Start einer Boeing 737 von Ukraine International in Teheran zu einem tödlichen Irrtum. Die Maschine wurde von einer Rakete abgeschossen.

Fedex will Raketenabwehrsystem

2014 wurde eine Boeing 777 von Malaysia Airlines über der Ostukraine abgeschossen. 298 Menschen kamen ums Leben. Im Jahr 2003 schlug eine Boden-Luft-Rakete kurz nach dem Start in Baghdad in die linke Tragfläche eines Airbus A300 ein, der für DHL flog. Die Besatzung kehrte unversehrt zum Flughafen zurück.

Airlines und Unternehmen befassen sich mit dem Thema. Der Frachtriese Fedex etwa hat bei der US-Behörde Federal Aviation Administration beantragt, Flugzeuge mit neuer Technologie ausstatten zu dürfen, die vor Raketen schützt.