Flieger von Ryanair: Die Piloten streiken in Deutschland.

Streikgründe«Ryanair-Management lebt in einer Parallelwelt»

Was treibt einen deutschen Piloten der Billigairline an, beim Streik mitzumachen? Was stört ihn bei Ryanair und was findet er gut? Ein Gespräch.

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Die deutschen Piloten von Ryanair streiken am Freitag (10. August) wie auch ihre Kollegen in einigen anderen europäischen Ländern. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit fordert mit der Arbeitsniederlegung bessere Vergütungs- und Arbeitsbedingungen. Die Folge: 250 Flüge von und nach Deutschland fallen aus.

Doch warum streiken die Männer und Frauen im Cockpit? Wir haben uns mit einem Kopiloten, der schon länger für Ryanair fliegt, über seine Motive unterhalten.

Warum streiken Sie ganz persönlich am 10. August?

Kopilot X*: Ich streike für bessere Arbeitsbedingungen. Das Management in Dublin scheint in einer Parallelwelt zu leben, die nichts mehr mit der Welt der Angestellten gemein hat. Wir wünschen uns endlich ernstgemeinte Unterstützung und keine Lügen mehr. Schlechte Arbeitsbedingungen gehören einfach nicht zu einem verantwortungsvollen Beruf wie demjenigen des Piloten.

Was brachte denn für Sie das Fass zum Überlaufen?

Die vielen Slots in der Sommersaison, die wir Piloten nicht bezahlt bekommen. Das entspricht im Schnitt einem Tag Arbeit pro Woche ohne Lohn. Auslöser ist eine schlechte und unrealistische Flugplanung. Ich sitze dann jeweils im Flugzeug und der Slot wird kurzfristig aus der Flugplanung gestrichen. Für diese Zeit werde ich nicht bezahlt, weil wir noch nicht fliegen.

Die Piloten fühlen sich unter anderem nicht angemessen entlohnt. Ryanair sagt, man verdiene bis zu 190'000 Euro pro Jahr. Was stimmt jetzt?

Das würde stimmen, wenn wir wirklich für die tatsächliche Dienstzeit bezahlt würden. Wir werden aber für die geplante Blockzeit und nicht für die tatsächliche bezahlt. Die Zahl ist daher schlicht und einfach gelogen. Es ist das Gehalt des bestbezahlten Piloten bei Ryanair, der seit Jahrzehnten bei der Firma ist und noch Sonderaufgaben wahrnimmt.

Wie viel trägt denn ein in Deutschland stationierter Ryanair-Kapitän ungefähr pro Jahr brutto nach Hause und wie viel ein Kopilot?

Ein Pilot kommt auf rund 130.000 Euro brutto, wenn er 850 Stunden pro Jahr fliegt. Das Grundgehalt beträgt 83.000 Euro, hinzu kommen 51 Euro pro Blockstunde. Ein Kopilot erreicht beim gleichen Pensum 76.000 Euro brutto. Sein Grundgehalt liegt bei 21.000 Euro. Man muss dabei aber sehen, dass wir erst mehrere Zehntausend Euro ausgeben, um überhaupt fliegen zu können.

Sie haben den Job bei Ryanair aber einst freiwillig angenommen und gewusst, auf was Sie sich einlassen.

Ja, ich habe ihn freiwillig angenommen, weil ich das Fliegen liebe. Ich habe aber später festgestellt, dass vieles nicht gut läuft. Noch immer besteht ja etwa das Problem mit der Scheinselbstständigkeit vieler Piloten. Zudem ist vieles bei Ryanair extrem intransparent. Das stört mich und zerstört Vertrauen.

Ryanair argumentiert, wenn man auf alle Forderungen eingehe, würden Tickets viel teuerer und das zerstöre das Geschäftsmodell und gefährde Jobs.

Zuerst einmal wäre die Folge vor allem weniger Gewinn für die Aktionäre. Das Unternehmen hat 2017 rund 1,3 Milliarden Euro verdient - nach Steuern. Zudem wären teurere Tickets keine Katastrophe, wenn sie die Folge von gerechten Löhnen für das Personal sind, das dann mit weniger Druck in einem so komplexen Umfeld arbeiten kann, wie es die Luftfahrt ist. Die Fluggesellschaft darf einfach keinen Gewinn mehr durch unfaire Personalpolitik machen.

Gibt es eigentlich auch Dinge, die Sie bei Ryanair mögen?

Durchaus. Ryanair könnte die beste Arbeitgeberin in der Branche sein, wenn sich das Unternehmen nur etwas ändern würde. Wir haben einen fixen Dienstplan bei dem wir fünf Tage fliegen und danach vier Tage frei haben. Auch der Lohn ist im Konkurrenzvergleich okay, wenn auch das Grundgehalt besser sein sollte. Zudem kann man als Pilot bei Ryanair jeden Abend Zuhause sein - das ermöglicht ein geregeltes Familienleben. Als Kopilot kann man schließlich schnell zum Flugkapitän aufsteigen. Das sind alles große Pluspunkte. Aber es reicht nicht, vieles sonst liegt im Argen.

Warum ärgern sich die Ryanair-Piloten denn so, wenn momentan so viele Piloten gesucht werden. Sie könnten doch auch einfach woanders anheuern?

Uns hält die Hoffnung, dass es besser wird. Denn es gibt ja durchaus Positives bei Ryanair.

* Die Redaktion veröffentlicht den Namen zum Schutz des Interviewpartners nicht. Er fliegt seit längerer Zeit als Kopilot für Ryanair.

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