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Kritik an der Luftfahrt in Russland

400 russische Flugzeuge nicht vorschriftsgemäß gewartet

Russlands Generalstaatsanwalt macht der nationalen Luftfahrt nach dem Unglück des Superjets schwere Vorwürfe. Bei Wartung und Pilotenausbildung gebe es eklatante Mängel.

Airport of Regions

Flugzeuge auf dem Vorfeld des Flughafen in Samara: Die russische Staatsanwaltschaft kritisiert die Sicherheitskultur innerhalb des gesamten Landes.

Mehr als einen Monat nach der tragischen Bruchlandung von Aeroflot-Flug SU1492 in Moskau laufen die Ermittlungen zum Unfall auf Hochtouren. So viel steht fest: Der Superjet 100 hatte Probleme mit der Flugsteuerung und einer Funkanlage, zudem machte schlechtes Wetter den Piloten zu schaffen. Gleichzeitig sucht man anderswo in Russland nach grundlegenden Problemen in der Luftfahrt.

Aus Sicht des russischen Generalstaatsanwalts Yury Chaika ist das Unglück in Moskau das Ergebnis von Mängeln bei der Pilotenausbildung und unzureichenden Sicherheitsbestimmungen. Gegenüber Mitgliedern des russischen Parlaments sagte er Ende Mai, dass seit 2017 nach Inspektionen etwa 550 Piloten wegen mangelnder Qualifikation suspendiert worden seien. Zudem seien mehr als 400 nicht vorschriftsgemäß gewartete Flugzeuge gefunden worden, zitiert die Nachrichtenagentur RT den Staatsanwalt.

Standards nicht definiert

Gleich mehrere Gründe macht der oberste Staatsanwalt für die Missstände verantwortlich. Ein staatliches Programm zur Einhaltung von internationalen Sicherheitsstandards wurde letztmalig vor über zehn Jahren angepasst. Innerhalb der Regierung sei niemand für die Überwachung dieses Programms zuständig. Dementsprechend seien Ziele nicht richtig definiert, bemängelt Chaika.

Auch das russische Verkehrsministerium soll in Vergangenheit unzureichend gearbeitet haben. So habe die Behörde bei der Vergabe von Flugzeug-Zertifizierungen und Ausbildungsstandards die Einhaltung von gängigen Vorschriften vernachlässigt, bemängelt der oberste Staatsanwalt Russlands gemäß der Nachrichtenseite Sputnik. Weiterhin soll die Luftfahrtbehörde Rosaviatsia in puncto Wartungsvorschriften schlecht mit Airlines kooperiert haben.

Lizenzen trotz fehlender Flugstunden

Probleme sieht die Staatsanwaltschaft aber auch auf nicht-staatlicher Seite. So gibt es in Russland einen Mangel an qualifizierten Fluglehrern sowie geeigneten Ausbildungseinrichtungen. Die Folge sei nicht nur, dass Flugschulen wegen unzureichender Ressourcen geschlossen werden mussten. Trotz ungenügender Ausbildung hätten Piloten mitunter Fluglizenzen erhalten, erzählt Chaika.



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