Ergänzt durch Abstecher aufs benachbarte Cres entsteht die perfekte mediterrane Genusspackung.
Lošinj ist eine phonetische Herausforderung. Die einen reden von «Loschintschi», die andern tippen auf «Loschinsch» und «Loschnitsch». Um das Geheimnis zu lüften: «Loschin» heißt es. Es ist von Vorteil, dass nicht Gott und die Welt Lošinj kennen und die Anreise nur per Fähre möglich ist.
Pinien, Duft und Heilklima
Die Insel Lošinj hat ein Alleinstellungsmerkmal: die im 19. Jahrhundert auf Initiative des Arztes Ambroz Haračić gegen die wütend blasende Bora und die Erosion gepflanzten Pinienwälder. Bis zu 25 Meter hoch und bis zu 100 Jahre alt kratzen die Aleppokiefern den so gut wie immer knallblauen Sommerhimmel.
Diese Pinien verströmen bei ausreichend Wärme einen unvergleichlichen Duft und verpassen der Luft über Lošinj dank ätherischer Aerosole Heilkräfte. In vielen kleinen Buchten sorgen sie für kühlenden Schatten, den ich vorzugsweise entspannt schaukelnd in der Hängematte genieße.
15 Schritte zur Nachbarinsel Cres
Wem das knapp 8.000 Bewohner zählende (und in der Saison das Zehnfache an Touristen beherbergende), 30 Kilometer lange und maximal fünf Kilometer breite Inselchen zu eng wird, der quert auf der Drehbrücke den von den Römern aus dem Fels gemeißelten, gut zehn Meter breiten Kanal bei Osor und sieht sich auf dem karg-schönen Nachbarinsel Cres um.
Insel Cres, Dorf Osor, Suedspitze von Cres, hinten Mali Losinj Frank Heuer
Aber bitte nicht, ohne dem schmucken Mini-Städtchen Osor einen Besuch abzustatten. Buckliges Kopfsteinpflaster, kleiner Platz vor der Kathedrale (!), fünf Kirchen, Stadttore und eine Stadtmauer, die in die Antike zurückreicht. Das antike Apsorus soll im Mittelalter 30.000 Bewohner gehabt haben, fast das Vierhundertfache von heute.
Apoxyomenos: Antikes Prachtstück
Eine 300 Kilo schwere, bronzene Schönheit wird 1996 im Meer vor Lošinj gefunden. Die Sensation: Der Bronzekerl ist bis auf den kleinen Finger der linken Hand komplett erhalten. Die Statue zeigt einen sogenannten Apoxyomenos. So nannten die alten Griechen einen Athleten, der sich nach dem Wettkampf die klebrige Schicht aus Olivenöl, Staub und Schweiß mittels eines römischen Streicheisens von der Haut schabt.
Mali Lošinjs Museum des Apoxyomenos Bronze-Statue Frank Heuer
Fein gearbeitete Locken auf dem Kopf, präzise skulptierte Muskelpakete, wo sie hingehören, 1,92 Meter hoch und mit dezentem Gemächt. Was mit ihm danach passierte, zeigt die toll gemachte Ausstellung. Zehn Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten. Im Anschluss daran zog der schmucke Jüngling in den eigens für ihn entkernten und fantastisch umgebauten prächtigen Kvarner Palast am Hafen von Mali Lošinj.
Čikat Bay: Rückzugsort für Genießer
Von außen erinnert der weiße Bau des Fünf-Sterne-Hotels «Bellevue» an ein Kreuzfahrtschiff, nicht zuletzt wegen der hölzernen Balkongeländer im Reling-Look. Massiv dimensioniert, reduzierte Architektur. Klar. Kantig. Hell. Fast etwas tempelhaft und ohne Verbeugung vor dem Zeitgeist. Innen wird es luftig, hell und transparent.
Hotel Bellevue und Villa Hortensia Frank Heuer
Von der Bar gelangt man auf die Terrasse und über die pompöse Freitreppe zum Privatstrand unter hohen Pinien. Kein Sand, kein Kies, kein Beton, sondern heller, warmer Naturstein nicht nur im und um den hoteleigenen Beachclub.
Meerblick und Küstenpfade
Im «Bellevue» unbedingt ein Zimmer mit Meerblick buchen: Das Panorama ist nicht nur zum Sonnenuntergang großartig. Was tun? Auf dem langen Küstenpfad joggen. Mit dem Rad durch die Pinienwälder zur Boka Falsa, nach einem Bad in der Goldbucht Zlatna Uvala dann auf schmalem Betonpfad am Meer zurück.
Küstenpfad-Biking auf Lošinj Peter Pfänder
The Big Blue: Buchten-Hopping
Klar muss man im Seekajak oder auf dem SUP-Board durch die Gegend paddeln, stundenlang im herrlichen Wasser schwimmen und schnorcheln. Aber um eine Bootstour kommt man eigentlich nicht herum. Dieses Blau! In allen Nuancen. Auch im Hochsommer noch «kühl». So klar. Aufgepeppt durch den einen oder anderen großen Schwarm an Fischen, Seesternen – ohne Quallen, ohne Plastikmüll. Keine Frage: Das Meer ist der Star auf Lošinj, es ist es wert, mal für einen halben oder ganzen Tag ein Boot mit Skipper zu chartern.
Feiner Kies und Borik Beach Bar in der Bucht Suncana Uvala Frank Heuer
Skipper Valentin Mazarek, ein braungebrannter, drahtiger Endfünfziger, rät uns ab, rüber zur Sandinsel Sušak zu fahren, auch wenn diese bekannt sei für ihre eigenständige Sprache, die Tracht mit knielangem Rock und die autochthone Rebsorte Sušćan, auch als Sansigot genannt.
Mit dem Boot rund um die Insel
«Für die Überfahrt geht viel Zeit drauf, während der nicht viel zu sehen ist. Warum schippern wir nicht die Küste entlang einmal rundherum, machen Lunch auf der Insel Ilovik und fahren dann an der Nordküste zurück und durch die Boka Falsa zurück?» Gesagt, getan.
Lošinjs Luxus-Retreats Alhambra und Bellevue Frank Heuer
Die Strände von Veli Žal (voller badender Gäste des Hotels «Aurora») und Borik (coole, stylishe Beach Bar, sonst nur nackte Felsplatten) schenken wir uns. Schöner sind Mala Draga, Vela Draga und die sich ins Land schlängelnde Krivica-Bucht. Sie alle laden zu einer Schnorchelrunde ein.
Tierisch: Wo tümmeln sich die Tümmler?
Der «Weg der Delfine» verbindet diese Buchten und führt weiter über die «Konoba Balvanida» in der gleichnamigen Bucht bis zur Mrtvaška-Bucht am äußersten Süd(ost)-Ende der Insel. Die Chancen, einige der rund 150 in den Gewässern lebenden Großen Tümmler zu sichten, sollen gut sein. Wir bekamen sie leider nicht zu Gesicht. Außerhalb der Saison sind sie aber mitunter in den Buchten zu sehen.
Zwischen Cres und Lošinj leben rund 200 große Tümmler Frank Heuer
«Besonders gut fürs Schnorcheln», so Valentin, der sich als passionierter Free Diver entpuppen soll, «ist die Plieski-Bucht.» Dort werden zur Not die Schwärme angefüttert. Wir ankern und gehen ins Wasser. Nach einem Lunch-Stopp im «Dalmatinka» auf Ilovik, vis-à-vis der Friedhofs- und Klosterinsel Sveti Petar, geht es weiter, vorbei am Mini-Eiland Trasorka und den schönen Buchten von Bočina und Jamna, am Hafenstädtchen Rovenska nach Veli Lošinj.
Vom kleinen zum großen Lošinj
Veli Lošinj heißt «großes Lošinj». Logischerweise ist dieser kleine, schmucke Hafenort mit seinem Miniatur-Hafenbecken zu Füßen der Kirche Sveti Antun viel kleiner als Mali Lošinj, das «kleine Lošinj». Dort bietet sich ein Besuch des «Blue World Institute» an, das sich Erforschung und Schutz der rund 150 Großen Tümmler rund um Cres und Lošinj widmet und unter anderem Delfin-Patenschaften anbietet.
Ganz vorn und ganz nah am Wasser sitzt man in der Konoba «Ribarska Koliba». Die Qualität des Essens aber lasse häufig zu wünschen übrig. Besser esse man in Marco Sassos «Bora Bar» in Rovenska, einem zauberhaften Mini-Hafen eine Bucht weiter, riet uns Skipper Valentin.
Anreise
Ab Deutschland: Mehrere Airlines fliegen täglich von Frankfurt, München, Düsseldorf oder Berlin nach Rijeka, Pula oder Zagreb. Besonders praktisch ist Rijeka, das nur rund 100 Kilometer von Lošinj entfernt liegt. Alternativ bieten sich Verbindungen nach Zagreb mit anschließender Weiterfahrt per Mietwagen an.
Ab der Schweiz: Von Zürich gibt es saisonale Direktflüge nach Rijeka oder Pula, etwa mit Edelweiss. Ganzjährig bestehen zahlreiche Verbindungen nach Zagreb, von wo aus Lošinj per Auto (ca. 3–4 Stunden inklusive Fähre) erreichbar ist.
Ab Österreich: Von Wien bestehen gute Flugverbindungen nach Zagreb sowie saisonal nach Rijeka oder Pula. Auch die Anreise mit dem Auto ist beliebt: Von Wien sind es rund sechs bis sieben Stunden bis zur Fähre (z. B. Brestova–Porozina oder Valbiska–Merag).
Vor Ort: Die Weiterreise erfolgt meist per Fähre (auf die Nachbarinsel Cres) und anschließend über die Brücke bei Osor nach Lošinj. Alternativ gibt es im Sommer auch Direktfähren sowie vereinzelt Katamaran-Verbindungen.
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