«Auch wenn Mantas früher mal Teufelsrochen genannt wurden, gibt es keine friedlicheren und harmloseren Tiere», erklärt Katie bei der Inforunde unter maledivischen Palmen, «und in ihrem Maul landet ausschließlich Plankton. Sie sind trotz einer Spannweite von fast vier Metern und einem Gewicht von rund eineinhalb Tonnen freundlich und neugierig und suchen oft den Kontakt zu den Menschen.» Die Meeresbiologin weiß, wovon sie spricht. Schließlich hat die US-Amerikanerin schon Dutzende solcher Begegnungen erleben dürfen.
Manta, Manta!
Auch wir kommen tags darauf in den Genuss, an einem der weltbesten Plätze die Meeresgiganten anzutreffen: im Süd-Ari-Atoll der Malediven. Dort liegt unter anderem das «Maafushivaru Resort», wo Katie als Meeresbiologin arbeitet und zu wechselnden Themen den Gästen des 81-Villen-Mini-Eilands die Unterwasserwelt näherbringen will. Dazu geht es mit dem bis zu 20 Personen fassenden Motorboot vorwiegend in die Gewässer rund um die Einheimischeninsel Dhigurah. Diese sind für ihre rund 40 Tauchgründe bekannt – und für das besonders häufige Auftreten sanfter Meeresriesen.
Mantas haben eine Spannweite von bis zu vier Metern Visit Maldives
Heute sind wir nur zu sechst. Plus drei Mann Besatzung und Katie, die bei der Fahrt über das ruhige Meer viel Interessantes über die Fauna des Atolls erzählt und dies mit einer Reihe von Fotos und informativen Grafiken untermalt. Nach einer Stunde schließlich werden auffällige Bewegungen an der Oberfläche entdeckt – entsprechende «Manta, Manta»-Rufe bringen alle Schnorchler in Position. Dann geht alles ganz schnell. Brille auf, Schnorchel in den Mund und ins Wasser gehüpft. Und nach ein paar Momenten der Orientierungssuche sehen wir sie: zwei Mantas, die in gerade einmal zehn Meter Entfernung ganz langsam an uns vorbeiziehen.
Unterwasserballett der «Sea Birds»
Ein faszinierendes Bild, das einem archaischen Schöpfungsmythos entsprungen scheint, dessen Zeugen wir für eine Weile sein dürfen. Im Zeitlupentempo, kein Flossenschlag zu viel, drehen die Mantas in erhabener Eleganz ihre Runden zwischen Grund und Oberfläche, erst zu zweit, später sogar zu sechst. Einer zeigt die weiße Bauchseite, andere den dunklen Rücken. Ein lautloser Tanz voller Würde.
Walhaie sind die grössten Fische der Welt Christian Haas
Das Maul weit geöffnet, nehmen die Mantas Plankton auf, ohne jede Hast oder Verunsicherung. Manchmal sind sie dabei kaum einen Meter von uns entfernt. Einmal, als wir denken, dass sie schon fast auf dem Rückzug sind, drehen sie um, schwimmen beinahe in einen Schnorchler hinein, um dann ganz relaxt im letzten Moment doch abzudrehen. Keine Frage: Dank der schwingenden Bewegungen passt der Spitzname «Sea Birds» perfekt.
Aug’ in Aug’ mit den Meeresriesen
Mantas wirken wie Wesen aus einer vergangenen Zeit. Seit 400 Millionen Jahren gibt es diese Fische, die, auch wenn man es ihrem «fliegenden» Verhalten nicht unbedingt ansieht, mit Haien verwandt sind. Ein Hai, dem man das eher ansieht, steht am nächsten Tag auf unserem Programm. Der größte Fisch der Weltmeere, der bis zu zwölf Meter lange Walhai, ist ohnehin der noch größere Star rund um Dhigurah und Maafushivaru. Das Besondere: Im vergleichsweise seichten Wasser sind die sanften Meeresriesen das ganze Jahr über hier recht verlässlich anzutreffen.
Dhigurah ist keine Resort- sondern eine Einheimischeninsel Visit Maldives
Das hat Konsequenzen: Viele Gäste aus aller Welt (und aus den Resorts in der weiteren Umgebung) wollen einen Walhai live sehen. «Tourismus ist ja auch viel besser als etwa die Wilderei», meint Katie und rechnet vor, wie viel mehr wert ein lebender Walhai sei im Vergleich zu einem toten auf dem Schwarzmarkt. Demzufolge haben sich zahlreiche Resorts und Einheimische auf das Thema Walhai-Tourismus gestürzt und tun alles, um die eindrücklichen Lebewesen der zahlungskräftigen Klientel auch präsentieren zu können.
Ganz nah am Walhai
Wir staunen nicht schlecht, als nach einigem Auf und Ab entlang der wie auf einer Perlenkette aufgereihten kleinen Inseln bis zu zwanzig Boote in allerlei Größen um einen endlich «gespotteten» Walhai herumkreisen. Teilweise sind bis zu hundert Schnorchler hinter dem Tier her, darunter eine sehr große chinesische Gruppe, die durch ihre mittigen Schnorchel, Schwimmwesten und hektische Paddelbewegungen – viele können schlicht nicht schwimmen – besonders auffällt.
Mit solchen Booten geht es auf zur Sea Safari Christian Haas
Katie ist froh, dass sie uns dennoch bis auf zehn Meter an einen am Boden entlangschwimmenden Walhai zeigen kann. Zudem schießt sie einige Bilder mit der Unterwasserkamera, die sie uns nachher kostenlos zur Verfügung stellt. So sehr man sich freut, dass eine Begegnung geklappt hat – diese kann schließlich wie bei allen Tiersafaris nie hundertprozentig garantiert werden – bleibt dennoch ein leicht beklemmendes Gefühl ob des gewissen Trubels. Irgendwie ist man beinahe froh, dass es zu keinen Kollisionen zwischen Schwimmern und Schiffen kommt, von Problemen mit dem Walhai mal ganz abgesehen. Wobei der sich im schlimmsten Fall einfach trollen würde …
Jubel statt Trubel
Daher sind wir glücklich, diesen Ort noch ein zweites Mal und mit deutlich weniger Verkehr erleben zu dürfen. Diesmal sind gerade mal zehn, 15 Menschen mit uns gleichzeitig im Wasser – und der Walhai diesmal nicht nur viel höher schwimmend, nämlich fast unter der Wasseroberfläche, sondern auch deutlich größer: satte acht Meter, eine stattliche Größe für diese Region, wo sich vor allem jugendliche Walhai-Männchen aufhalten. Und er kommt sehr nah. Kaum sind wir ins Wasser gehüpft und die Blasen des Reinspringens ein wenig verflogen, merken wir, dass wir direkt in der Bahn des Giganten schwimmen!
Wasserschildkröten begegnen einem auch oft Visit Maldives
Ein riesiges Maul, schnell paddeln wir zur Seite und verfolgen das Riesentier mit den Punkten. Eine halbe Stunde, nicht unanstrengend, aber man kann gut mithalten, wenn der Walhai gegen die Strömung cruist. Als wir wieder an Bord kommen, sind wir beseelt, begeistert, berauscht. Und ein bisschen kribbelt es am Körper. Wir lernen: Das sind die Wolken aus Kleinstlebewesen, eben Plankton, das nicht nur die Mantas so gern fressen, sondern auch die vegetarischen Walhaie. Hier an der Riffkante von Dhigurah kommen sie aufgrund der Lage besonders viel vor – und eben deshalb auch die Meeresriesen.
Auch sonst gibt es viel zu sehen
Dieses Erlebnis hallt nach – und steigert die Lust, noch mehr unter Wasser zu erleben. Dazu ist Maafushivaru ideal geeignet. Denn man kann gleich von seinem Bungalow loslegen. Wer fit ist, paddelt einmal um die kleine Insel und nimmt die Schwester-Inselchen Lonubo, das Verliebte ganz für sich haben können, auch noch mit. Warm genug ist das Wasser allemal. Und zu sehen gibt es viel. Papageienfische, Kofferfische, kleine, harmlose Riffhaie. Für Schildkröten gibt es einen eigenen Spot, den wir noch einmal separat mit Katie ansteuern. Toll. Weniger toll: der Müll, der sich so ansammelt. Zu diesem Zweck hat sie immer ein paar Mülltüten dabei und sammelt sie ein. «Um die Gefahr zu verringern, dass sich Tiere damit verletzen, gar daran verenden», erklärt Katie.
Auch Scuba Diver lieben Walhaie Visit Maldives
Eine andere Gefahr droht Mantas in Gestalt der traditionellen chinesischen Medizin, die in diesem Fall so gar nicht traditionell ist. Sie hat Wilderer in großem Stil auf den Plan gerufen. Vor etlichen Jahren hat es begonnen: Manta-Kiemen, getrocknet eingenommen, sollen den Körper entgiften. Auch die Walhaie sind ins Visier dubioser Heiler geraten. Weil die größten Fische der Welt keinen Krebs bekommen, sollen ihre Flossen Krebs bekämpfen, wird reichen Chinesen weisgemacht. Das Perverse: Oft werden gefährdete Arten umso heftiger von Wilderern gejagt, weil die Seltenheit den Preis auf dem Schwarzmarkt zusätzlich steigert … Zum Glück sind die Zahlen rund um Dhigurah recht stabil, sogar steigend.
Gut zu wissen für die Reise auf die Malediven
Es bestehen regelmäßige Langstreckenverbindungen nach Malé auf die Malediven, vor allem mit Direktflügen von Frankfurt und teilweise München, angeboten von Condor, Lufthansa und Discover/Eurowings – wobei Condor in der Hochsaison mehrfach pro Woche nonstop ab Frankfurt fliegt und Lufthansa viele Abflugorte mit Umsteigeverbindungen bedient.
Einreise: Es besteht Visumspflicht. Für den touristischen Aufenthalt bis zu 30 Tagen wird das Visum kostenlos bei der Einreise erteilt. Benötigt wird der Reisepass, vorläufige Reisepass oder Kinderreisepass. Das Dokument muss bei der Einreise noch mindestens einen Monat gültig sein.
Die Reise wurde unterstützt von Outrigger Resorts & Hotels.
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