Blick aus dem Cockpit des Airbus A300: Leistungsträger in der Flotte von DHL.

Podcast LuftraumOldtimer im Express-Tempo: Wie ein Airbus A300 das DHL-Netz am Laufen hält

Während Europa noch schläft, läuft im DHL-Drehkreuz Leipzig das Geschäft auf Hochtouren. Ein Airbus A300 startet mit voller Fracht nach Warschau – mit Lithium-Batterien an Bord, klassischen Steuerhörnern im Cockpit und viel Handarbeit statt moderner Automatik.

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Ein ganz früher Morgen am Flughafen Leipzig/Halle. Es ist kurz nach fünf Uhr, die Nacht hängt noch über dem Vorfeld, doch im DHL-Drehkreuz herrscht Hochbetrieb. Gelbe Frachter rollen im Minutentakt. Mittendrin: ein Airbus A300 von European Air Transport Leipzig, einer Frachtairline der DHL Group. Ziel des heutigen Umlaufs: Warschau.

«Wir sind heute tatsächlich voll», sagt Kapitän Philipp Dettmering beim Briefing im Cockpit. Das maximale Zero Fuel Weight liegt nur knapp unter der zulässigen Grenze – rund 285.800 Pfund. Pfund, nicht Kilogramm. Eine Besonderheit der A300-Flotte bei EAT Leipzig: Sie rechnet bis heute in der Einheit Pfund. Der Grund liegt in der Historie – der erste A300 kam aus Asien, das System wurde beibehalten.

Fracht, die nur auf Frachtflugzeugen transportiert werden darf

An Bord befinden sich unter anderem 200 Kilogramm Lithium-Ionen-Batterien – Cargo Aircraft Only-Fracht, die ausschließlich auf Frachtflugzeugen und nicht in Passagierjets transportiert werden darf. Gefahrgut-Checks gehören deshalb zum Standardprogramm vor jedem Abflug.

Die Startbahn an diesem Morgen: 26L. Keine Intersection, volle Länge. Die Maschine ist schwer – entsprechend konservativ wird gerechnet.

Ein Klassiker im DHL-Kleid

Der eingesetzte A300 hat eine bewegte Geschichte. 1993 wurde er an Japan Airlines ausgeliefert und als Passagierflugzeug eingesetzt, bevor er 2011 zum Frachter umgebaut wurde. Heute trägt er die Farben von DHL und ist Teil des europäischen Express-Netzwerks.

Technisch ist der A300 ein Vertreter einer anderen Generation. Triebwerksstarts erfolgen nicht vollautomatisch wie bei moderneren Airbus-Modellen. Die Besatzung überwacht Drehzahl, Temperatur und Zeitfenster selbst – ein Hot Start müsste manuell abgebrochen werden.

Handarbeit statt Fly-by-Wire im Airbus A300

«Hier wird noch mehr gesprochen beim Start», sagt der Kapitän. Früher saß im Cockpit sogar ein Flugingenieur. Der A300 B4 war mit Drei-Mann-Cockpit unterwegs – ein Relikt aus den Anfangsjahren von Airbus.

Im Reiseflug zeigt sich der Charakter des Flugzeugs noch deutlicher. Anders als moderne Airbus-Muster besitzt der A300 kein Fly-by-Wire-System mit Sidestick, sondern klassische Steuerhörner.

Nachts zu fliegen hat viele Vorteile

Co-Pilot Niklas Heilmann kennt beide Welten – er flog zuvor die A320-Familie. «Man spürt den Flieger hier mehr. Das ist echtes Handwerk», sagt er. Crosswind-Landungen seien anspruchsvoll, der A300 verzeihe weniger als moderne Typen. Gleichzeitig bietet der Klassiker Redundanzen, die bei neueren Mustern teilweise entfallen sind. Viele Anzeigen existieren doppelt – analog und digital.

Frachtflüge finden häufig nachts statt. Der Vorteil: weniger Verkehr im Luftraum. Der Nachteil: biologische Uhr gegen Arbeitszeit. Kurz vor Warschau kommt es zu einer GPS-Störung – ein Phänomen, das in Osteuropa immer wieder auftritt. Neben klassischem Jamming existiert auch Spoofing, bei dem Positionsdaten manipuliert werden. In solchen Fällen greifen die Crews auf unabhängige Navigationssysteme wie das Trägheitsnavigationssystem zurück und überprüfen ihre Position über bodengestützte Funkfeuer. Auch ohne GPS bleibt der A300 sicher steuerbar.

«Fracht motzt nicht»

Die Landung in Warschau erfolgt routiniert. Etwas Rückenwind, aber keine besonderen Vorkommnisse. Nach der Landung wird die Maschine an die Technik übergeben, dann geht es ins Hotel.

Warum entscheiden sich die beiden Piloten bewusst für die Frachtfliegerei? «Fracht motzt nicht», heißt es augenzwinkernd. Doch dahinter steckt mehr: planbare Dienstpläne, weniger Blockstunden, garantierte freie Tage. Bei EAT Leipzig wird der Dienstplan bereits am ersten des Vormonats veröffentlicht. Off-Tage gelten als geschützt. Bezahlt wird nicht nach Blockstunden, sondern nach Einsatzzeit – inklusive Standby oder Positionierungsflügen. Für viele ein attraktives Modell.

Corona: Als alle am Boden blieben – nur die Frachter nicht

Auch die Streckenvielfalt überzeugt. Der Airbus A300 bedient primär das europäische Netzwerk: London, Paris, Rom, München oder Helsinki. Doch es geht auch weiter – etwa nach Lagos, Casablanca oder zeitweise sogar nach Bahrain. Langstrecke fliegt innerhalb der DHL-Gruppe vor allem der Airbus A330. Ziele wie New York oder Hongkong stehen dort auf dem Plan.

Während der Pandemie standen weltweit Passagierflugzeuge still. Die Fracht hingegen boomte. Impfstoffe, medizinische Güter und E-Commerce-Sendungen mussten transportiert werden. «Die Flieger waren permanent im Einsatz», erinnert sich der Kapitän. Hotels schlossen, Restaurants waren leer, ganze Städte wirkten gespenstisch – doch die Frachtcrews flogen weiter. Als Teil der kritischen Infrastruktur. Ein Bild bleibt: ein nahezu leerer Zug nach Brüssel, Polizeikontrollen inklusive – und in New York menschenleere Straßen.

Ausbildung im eigenen Trainingscenter von EAT

Die Umschulung auf den Airbus A300 findet direkt in Leipzig statt. EAT betreibt ein eigenes Aviation Training Center am Flughafen mit Simulatoren – darunter auch für den A300. Training genießt einen hohen Stellenwert, insbesondere für Nachwuchspiloten die direkt von der Flugschule kommen.

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