Peter Malanik: «In der Post-Corona-Phase werden die großen Netzwerke eine Reihe von Destinationen nicht mehr bedienen und so Nischen freilassen.»

Peter Malanik, Aufsichtsratschef Flughafen Klagenfurt«Das Minimum sind zwei Flugzeuge»

Der Flughafen Klagenfurt plant eine eigene Regionalairline. Im Interview erklärt Aufsichtsratschef Peter Malanik die Pläne und sagt, warum der angekündigte Ausbau des Airports auf Eis liegt.

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Sie sind Aufsichtsratschef des Flughafens Klagenfurt. Dieser ist vor rund einem Jahr mehrheitlich von der Lilihill-Gruppe übernommen worden. Verbunden damit waren große Ausbaupläne mit einem Flughafenhotel, einem Logistikzentrum, einem Technologiepark, einem Messezentrum und dem Ausbau des Flughafens mit neuem Terminal, Shops, Gastronomie und Hangars. Seither ist es still geworden. Warum?

Peter Malanik*: Das liegt einmal an den Eigentümerstrukturen des Flughafens Klagenfurt. Diese müssen wir ein Stück weit anpassen. Denn die Ausbaupläne sind mit massiven Investitionen verbunden. Und wie es sich herausgestellt hat, ist die Eigentümerstruktur recht ungeeignet, diese Investitionen in den Flughafen möglich zu machen.

Wie ist die Struktur jetzt?

74,9 Prozent hält die Lilihill-Gruppe, rund 20 Prozent das Land Kärnten, 5 Prozent die Stadt Klagenfurt. Eine Kapitalerhöhung wäre vernünftig. Ziehen Stadt und Land mit, müssen sie Geld in die Hand nehmen, das wollen sie nicht. Tun sie es nicht, sinken sie deutlich unter 25,1 Prozent. Das wollen sie auch nicht. Beides ist nachvollziehbar, es behindert aber die Investitionen am Flughafen.

Wie kommt man da heraus?

Es gibt eine vernünftige Lösungsmöglichkeit. Stadt und Land ist es wichtig, dass der Flughafen ein öffentlich bleibt. Man kann diese berechtigten Interessen vertraglich schützen in einer Form, die dem Investor das Investieren möglich macht.

Man wollte ja 2024 fertig sein. Von welchem Zeithorizont reden wir jetzt?

Das stimmt, das hat sich deutlich länger hingeschleppt, als wir das alle für möglich gehalten haben. Es wird Anpassungen des Konzepts geben müssen, da die Stadt die Verlegung des Messestandorts zum Airport ausgeschlossen hat. Gleichzeitig sind jetzt Corona und die Wirtschaftskrise Faktoren, die man berücksichtigen muss und die natürlich eine massive Bremse sind. Dagegen ist auch das Konzept von Lilihill für den Airport in einer neuen Form nicht immun. Ich mache keine Prognosen mehr, denn wir waren schon oft sehr nahe an einer Lösung.

Das ist nicht die Zielsetzung eines privaten Investors.

Das klingt so, als ob das Konzept so nicht mehr umsetzbar ist. Welche Zukunft sehen sie dann als Aufsichtsratschef für den Flughafen?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, der Flughafen Klagenfurt wird nur dann eine vernünftige Zukunft haben, wenn es gelingt, auf diesem Flughafen einen gesamtheitlichen Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Der Flughafen alleine, Stand-alone-Flughafen, wird nicht wirtschaftlich betreibbar sein. Die Politik kann auch entscheiden, den Flughafen als essentielle Infrastruktur zu betrachten, sich den Flughafen einfach leisten und die Betriebsabgänge abdecken. Das ist ja bei einer großen Anzahl deutscher Regionalflughäfen auch so. Aber das ist nicht die Zielsetzung eines privaten Investors.

Wenn es nicht bald eine Entscheidung gibt, droht dann dem Flughafen vielleicht sogar der Konkurs?

Das ist schwer vorhersehbar, weil es davon abhängt, wie bereit die Eigentümer sind, in den Flughafen zu investieren.

Um den Flughafen in Schwung zu bringen, wird auch an der Gründung einer Regionalfluggesellschaft gearbeitet. Wie weit sind die Pläne gediehen?

In der Post-Corona-Phase werden die großen Netzwerke eine Reihe von Destinationen nicht mehr bedienen und so Nischen freilassen. Klagenfurt könnte dann so eine Nische sein. Damit der Flughafen Klagenfurt aber ein gut angebundener Flughafen bleibt, was notwendig ist, damit die Betriebsansiedelung attraktiv ist, werden wir diese Anbindung des Flughafens selber herstellen müssen. Das ist der Grund für die Überlegung, eine kleine Regionalfluggesellschaft zu etablieren, damit die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Flughafen funktionieren kann.

Man muss den potenziellen Unternehmen also eine Fluglinie bieten, damit sie sich am Flughafen ansiedeln.

Kurz gefasst ja.

Die Mindeststückzahl, das sind zwei Flugzeuge.

An wie viele Flugzeuge denken Sie?

An die Mindeststückzahl, das sind zwei Flugzeuge.

Welche Destinationen sind möglich?

Man muss jetzt die Corona-Realität berücksichtigen, und da geht es in erster Linie um die Anbindung an Drehscheiben, damit der Standort attraktiv bleibt. Welche Drehscheiben das sein werden, wird noch evaluiert. Darüber hinaus wird es auch noch ein paar andere Destinationen geben, damit die Auslastung der Flugzeuge gegeben ist.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?

Falls es dazu kommt, werden wir eine sehr schlanke Regional-Fluggesellschaft gründen müssen. Das wieder hängt von den Investitionsmöglichkeiten am Flughafen ab, weil es ja ein zusammenhängendes Gesamtkunstwerk ist.

Denken Sie daran, als Aufsichtsratschef des Flughafens auch die Fluggesellschaft unter ihre Fittiche nehmen?

Wie die Unternehmensstruktur aussieht, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine ist, dass die Fluggesellschaft eine Tochtergesellschaft des Flughafens ist, eine andere ist eine Schwestergesellschaft. Man wird sehen.

* Peter Malanik (59) hat über drei Jahrzehnte Erfahrung in Management- und Aufsichtsratspositionen der internationalen Luftfahrt, unter anderem als Co-Chef und Betriebsvorstand von Austrian Airlines. Er ist Berater und Universitätslektor in Wien, Krems und England, Präsident der Austrian Aviation Association und Aufsichtsratsvorsitzender des Airport Klagenfurt.

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