Letzte Aktualisierung: 19:13 Uhr

Weltumrundung

In neun Tagen um die Welt

24 Zeitzonen, mehr als 38.000 Kilometer, über 48 Stunden Flugzeit - wie ist es so, den Erdball innerhalb von neun Tagen einmal zu umrunden? Ein Selbstversuch.

Air New Zealand

Boeing 777-300 ER von Air New Zealand: Für eine Weile mein Zuhause.

Eine Weltreise machen – das steht bei vielen auf der Liste der Dinge, die sie im Leben einmal tun möchten. Die meisten setzen den Plan nie um. Wie auch? Es braucht Unmengen an Zeit und auch eine ganze Menge Geld. Aber: Man kann auch mit etwas weniger Zeitaufwand das Gefühl bekommen, zumindest aus der Luft viel von der Erde gesehen und innerhalb kurzer Zeit unterschiedliche Kulturen kennengelernt zu haben – dank einer Weltumrundung mit dem Flugzeug.

Ich habe mich also gefragt: Wie schnell ist es wirklich möglich, wenn man trotzdem auch etwas Zeit am Boden verbringen will? Um es zu erfahren, bin ich einmal um den Erdball geflogen. 24 Zeitzonen, mehr als 38.000 Kilometer und mehr als 48 Stunden im Flieger später weiß ich: Neun Tage sind unsere Grenze. Gewählt habe ich dafür das Round-the-world-Angebot von Air New Zealand.

1. Etappe: Zürich – London, 788 Kilometer, 1:30 Stunden

Am Morgen um 10:20 Uhr geht es los. Eigentlich müsste man meinen, der Flug von Zürich nach London sei der leichteste Teil der Reise. Nur 788 Kilometer Luftlinie gilt es zurückzulegen. Doch in einem vollbepackten Airbus A320 zu sitzen, mit Leuten, die riesige Handkoffer mitschleppen, ist manchmal eine ganz schöne Tortur. Das Umsteigen am Heathrow Airport ist deshalb eine Erlösung.

2. Etappe: London – Los Angeles, 8740 Kilometer, 12:10 Stunden

Die Stimmung ist auf ihrem Höhepunkt angelangt, als ich um 15 Uhr die Boeing 777-300 ER betrete. Irgendwie fühlt es sich auch speziell an, in einen Flug zu steigen, der die Nummer 1 trägt. NZ1 ist die Paradestrecke von Air New Zealand – die Verbindung zwischen Europa und Neuseeland. Ich habe mir Premium Economy genehmigt und nehme am Fenster Platz.

Bis nach Schottland ist das Wetter so, wie man es vom Vereinigten Königreich erwartet. Graue Wolken liegen unter mir. Dann klart es auf und die Welt zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Der Pilot steuert die 777 über die Färöer, dann über Island, wo das Abendlicht traumhafte Stimmungen in den Schnee zaubert. Sowieso ist an diesem Flug toll, dass man eigentlich immer bei Tag oder in der Dämmerung fliegt und daher viel zu sehen bekommt.

Blick auf Island. aeroTELEGRAPH

Grönland ist dann aber leider wieder bedeckt. Das Fensterprogramm ist daher nicht mehr interessant. Ich schaue drei Filme und schlafe etwas. Als ich erwache, beginnt bereits der Landeanflug auf Los Angeles. Ziemlich erholt steige ich nach 12 Stunden aus dem Flugzeug.

Landung in L.A. aeroTELEGRAPH

Vor mir liegen jetzt zweieinhalb Tage Erholung in der kalifornischen Metropole. Mini-Strandurlaub, unterbrochen von einem Ausflug zum weltberühmten In-N-Out Burger beim Flughafen LAX, wo die Flieger wenige Meter über einen hinweg donnern.

3. Etappe: Los Angeles – Auckland, 10.500 Kilometer, 12:20 Stunden

Beim Einchecken gibts gleich eine Überraschung: Der Mitarbeiter von Air New Zealand checkt das Gepäck bis nach Singapur durch. Ich frage verdutzt nach, warum er das tut. «Das ist normal, wenn der Aufenthalt weniger als 24 Stunden dauert», erklärt er. Ich bleibe kurz still. Hmmm – ich dachte, ich hätte fast 48 Stunden. Mit ziemlicher Scham bemerke ich, dass ich den Überflug der Datumsgrenze nicht beachtet habe und dadurch einen Tag verliere.

Strand von Muriwai. aeroTELEGRAPH

Vor mir liegt ein fast schnurgerader Flug über den Pazifik. Zwölf Stunden lang wird jetzt nur Wasser unter mir liegen. Die Boeing 777 fliegt auf ihrem Weg in Richtung Westen an Inseln vorbei, die man teilweise dem Namen nach kennt – etwa Kiribati oder Niue –, teilweise aber noch nie im Leben gehört hat: Kennen Sie Pokerekere oder Arutanga? Da ich über Nacht fliege, sehe ich leider nichts von der Schönheit dieser abgelegenen Weltgegend.

In der größten Stadt Neuseelands angekommen, bleiben mir wegen meines Malheurs nicht einmal 24 Stunden. Ich nutze sie für einen Ausflug zum Strand von Muriwai, zu dem mich ein Bekannter netterweise fährt. Malheur vergessen. Zum Glück konnte ich dank meines Fluges in der Premium Economy zuvor auch ein wenig schlafen und mich erholen und bin nun nicht völlig gerädert von der Reise.

4. Etappe: Auckland – Singapur, 8400 Kilometer, 9:30 Stunden

Am Morgen bin ich in Auckland angekommen, kurz nach Mitternacht heißt es schon wieder Einsteigen. Eigentlich habe ich für diese Strecke einen Platz in der Economy reserviert. Der Flug scheint sehr voll zu sein. Die Frau am Gate sagt aber beim Einsteigen zu mir: «Heute ist Ihr Glückstag» und reicht mir eine neue Bordkarte. Ich werde upgegradet und sitze in der Business Class. Das ist eine Erlösung. Der letzte Flug liegt keine 24 Stunden zurück und der Tag auf Achse hinterlässt seine Spuren.

Frühstück an Bord. aeroTELEGRAPH

Kaum sind wir auf Reiseflughöhe, schlafe ich ein. Vom Flug über Australien, Bali und quer durch die Java-See bekomme ich nichts mit. Erst zum Frühstück weckt mich die Flugbegleiterin.

Es ist früher Morgen, als ich in Singapur ankomme. Da übermannt mich zum ersten Mal die große Müdigkeit. Den ersten Tag in der Metropole verschlafe ich fast ganz. Am zweiten bin ich dann wieder einigermaßen fit und entdecke Schritt für Schritt die Stadt der Banken. Inzwischen habe ich Mühe, mich zu erinnern, welcher Wochentag heute ist. Auf jeden Fall fühlt es sich nicht so an, als sei ich erst seit acht Tagen unterwegs. Ich fühle mich in der Tat wie auf einer kleinen Weltreise, die schon Wochen dauert.

5. Etappe: Singapur – Zürich, 10.300 Kilometer, 12:40 Stunden

Ein weiterer Nachtflug liegt vor mir. Dieses Mal fliege ich mit Singapore Airlines in der Economy. Der Airbus A380 ist rappelvoll. Da ich in der Mitte der rechten Fensterreihe sitze, stehe ich nachts nur ein Mal auf. Dafür vertreibe ich mir die Zeit mit drei guten Filmen. Zwischendurch döse ich.

Am Morgen früh lande ich wieder in Zürich. Nach etwas mehr als neun Tagen bin ich zurück am Ausgangsort. Erschöpft. Aber voller Eindrücke. Und glücklich. Es war ein einmaliges Erlebnis.

Der Jetlag, der mich auf der Reise nie plagte, setzte dann übrigens doch noch ein – und zwar mit voller Wucht.

Die Tasche ist auch zurück. aeroTELEGRAPH

Das Flugticket für diesen Test wurde von Air New Zealand zur Verfügung gestellt. Die Tester von aeroTELEGRAPH hatten bei ihrem Urteil trotzdem freie Hand. Die Fluggesellschaft nahm weder Einfluss auf den Inhalt des Artikels noch stellte sie irgendwelche Bedingungen. Das würde dem Verhaltenskodex von aeroTELEGRAPH widersprechen.



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