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Interview mit Wolfram Simon von Zeitfracht

«Mit unserem Know-how Beifracht professionalisieren»

Der Berliner Logistiker Zeitfracht hat sich Teile von Air Berlin geschnappt, die Kölner WDL Aviation und sich auch für Skywork Airlines interessiert. Chef Wolfram Simon über die Pläne seiner Gruppe.

Air Berlin

Hangar von Air Berlin Technik: Zeitfracht übernahm das Unternehmen zusammen mit der Wartungsfirma Nayak Aircraft Services.

Zeitfracht war in der Luftfahrt bisher kaum bekannt. Warum investieren Sie gerade jetzt so massiv in diese Branche?
Wolfram Simon*: In der Tat waren wir bis vor acht Wochen ausschließlich einigen Fachleuten in der Logistikbranche bekannt. Diese kannten uns als Mitgründer und Manager des DPD in Berlin. Bereits während unserer Aufgaben bei DPD haben wir über die Notwendigkeiten, die Chancen und Risiken eines europäisches Express-Netzwerkes für kleingewichtige Packstücke diskutiert.

Die Luftfahrt-Branche ist ja aber bekanntlich kein einfaches Pflaster. Weshalb glauben Sie an einen Erfolg?
Die Logistikbranche ist sehr wettbewerbsintensiv und herausfordernd. Zeitfracht verkörpert wie kaum ein anderer Logistikdienstleister seit über 70 Jahren unternehmerischen Erfolg durch innovative und ebenso mutige wie wohl abgewogene Entscheidungen. Wir sind uns sicher, dass mit dem richtigen Cargo-Konzept erfolgreich gewirtschaftet werden kann.

Sie hätten gerne Air Berlin als Ganzes übernommen. Wäre das nicht ein riesiger Brocken für Zeitfracht als mittelständisches Unternehmen gewesen?
Als wir Anfang September 2017 in das Bieterverfahren um Air Berlin eingestiegen sind, haben wir in der Tat das Unternehmen als Ganzes betrachtet. Zu diesem Zeitpunkt vor einer vertieften Buchprüfung haben wir bereits signalisiert, dass wir für das Passagiergeschäft Partner benötigen würden. Im Zuge unserer Auswertung der Zahlen, Daten und Fakten sowie der weiteren ernsthaften Interessenten haben wir uns dann kaufmännisch sorgfältig auf das Mögliche und Machbare konzentriert.

Stattdessen übernahmen Sie Air Berlin Technik (zusammen mit dem Wartungsunternehmen Nayak) und Air Berlin Leisure Cargo, zudem auch gleich noch WDL Aviation. Was haben Sie da vor?
Sich bei Air Berlin auf das Mögliche und Machbare zu konzentrieren war angemessen und hat sehr gut geklappt. Vor allem, wenn Sie den Erwerb der WDL Aviation mit berücksichtigen. Unser bevorzugter Ansatz ist es, unsere Dienstleistungen aus eigener Kraft, mit unseren Spezialisten und unseren Maschinen anbieten zu können. Das garantiert uns Unabhängigkeit und unseren Kunden faire Konditionen.

Sie haben sich zusammen mit Nayak auch für Skywork interessiert – eine kleine Regionalairline. Weshalb, bisher fokussierten Sie sich aufs Frachtgeschäft?
Für das Frachtgeschäft mit kleinteiligen Packstücken zum Beispiel als Beifracht sind die Maschinen mit Kapazitäten, die eine Nutzlast von rund zehn Tonnen Fracht insbesondere im Stückgut und Paketbereich transportieren können, wirtschaftlich interessant.

Skywork hat sich einen Bankkreidt beschafft. Sie wollten als Investor einsteigen. Enttäuscht?
Wir sind in intensiven Gesprächen mit Skywork und diskutieren über langfristige Lösungen für die Airline.

Könnten Sie sich vorstellen, allgemein vermehrt ins Passagiergeschäft einzusteigen?
Mit dem Erwerb der WDL Aviation sind wir bereits in das Passagiergeschäft eingestiegen und wollen und werden dort mit unserem Know-how die Beifracht und Transportdienstleistungen noch professionalisieren und effizienter managen.

* Wolfram Simon (37) ist gelernter Bankkaufmann. Er arbeitet seit 2009 für die Zeitfracht-Gruppe mit Sitz in Berlin, seit 2016 ist er Geschäftsführer. Zeitfracht ist in den Bereichen  Spedition, Transport und Logistik, Immobilien, Technik und Planung tätig. Sie erwirtschaftet mit rund 950 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 220 Millionen Euro.



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