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Inselstaat im Mittelmeer

Mediterraner Höhenflug am Malta Airport

Martin Dichler sprach mit Chief Financial Officer Karl Dandler über wirtschaftlichen Erfolg und Zukunftsaussichten des Unternehmens.

Mit
Martin Dichler

CFO Karl Dandler

Seit mehr als fünf Jahren erwirtschaftet das Flughafen-Wien-Vorstandsduo Günther Ofner und Julian Jäger mehr als respektable Ergebnisse. Weniger beachtet von der öffentlichen Aufmerksamkeit entwickelt sich die VIE-Beteiligung am Flughafen Malta (48 Prozent) zu einer wahren Goldgrube. Satte Gewinne und ein fast unaufhörlicher Passagierzustrom, getrieben durch den boomenden Low-Cost-Verkehr, sorgen seit mehreren Jahren für einen Höhenflug des Hauptstadtflughafen in Valetta.

Sie haben ihr Karriere bei Austrian Airlines im Jahre 1984 begonnen. Wie kam es zu ihrem jetzigen Engagement als Finanzvorstand (CFO) des Flughafen Malta?

Ich habe gleich nach dem Studium meine berufliche Laufbahn bei Austrian Airline begonnen. In weiterer Folge wurde ich aufgrund der Austrian-Beteiligung an UIA (Ukraine International Airlines) nach Kiew geschickt und habe dort zuletzt als Finanzchef im Unternehmen mitgearbeitet. Nach dem Verkauf der UIA-Anteile durch Austrian ging ich wieder zurück nach Wien. Das Unternehmen war gerade in seiner Umstrukturierungsphase und sehr schnell bekam ich die Möglichkeit geboten, für den Flughafen Wien zu arbeiten. Es hat nicht lange gedauert und ich wurde nach Kosice geschickt (ebenfalls eine VIE Beteiligung, Anm.), um für drei Jahre als CEO vor Ort zu arbeiten, bevor ich in weiterer Folge im vergangenen Jahr als CFO nach Malta entsandt wurde.

Man darf gratulieren, Sie sind seit inzwischen mehr als einem Jahr als Finanzvorstand  am Flughafen Malta tätig. Welchen Eindruck hatten Sie von der VIE-Beteiligung bei ihrer Ankunft?

Ich kannte den Flughafen Malta bereits, da ich zuvor schon im Aufsichtsrat tätig war. Malta ist seit dem Einstieg der Flughafen Wien AG im Jahr 2002 eine Erfolgsgeschichte! Es gibt sehr schöne Zuwachsraten und viel Dynamik durch die zahlreichen Bauprojekte am Standort.

Es gab im März eine Aufstockung der VIE-Anteile, wie viel Prozent hält derzeit der Flughafen Wien am Malta Airport?

Die Regierung Maltas hält derzeit 20 Prozent, 29,9 Prozent sind am Markt frei im Handel, 1,6 Prozent hält ein lokaler Investor und knapp unter 50 Prozent hält die Flughafen Wien AG.

Man geht bei dem Investment wohl von einer sehr guten Entwicklung aus?

Aufgrund der Geschichte und des Aktienkurses der letzten Jahre ist man natürlich sehr optimistisch! Im vergangenen Jahr konnten wir einen Gewinn nach Steuern von 19,3 Millionen Euro (+14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Anm.) erwirtschaften. Seit nunmehr 55 Monaten in Folge können wir uns zudem über Passagierzuwächse freuen. Derzeit rechnen wir mit einem Passagierplus von sieben bis acht Prozent für das Jahr 2016. Investitionen in Flughäfen und Infrastruktureinrichtungen sind aber ganz generell ein Zukunftsmarkt!

Alleine im ersten Halbjahr gab es ein Passagierplus von 9,8 Prozent am Flughafen Malta zu verzeichnen, worauf führen Sie die Zuwächse zurück?

Unsere Marketingabteilung leistet sehr gute Arbeit und wir konnten auch heuer wieder einige neue Fluglinien begrüßen (Volotea, CSA, Iberia Express, Anm.). Die Low Cost Airlines sind sicherlich der Antrieb für die gute Entwicklung und wir sind bemüht, die Insel als Ganzjahresdestination zu promoten. Im ersten Halbjahr gab es Monat für Monat sehr schöne Zuwachsraten zu verzeichnen und wir sind auch für die Zukunft sehr optimistisch.

Malta scheint an Popularität als Reisedestination dazu zu gewinnen. Was sind ihre wichtigsten Märkte?

Zu den drei Top-Märkten gehören das Vereinigte Königreich (32 Prozent), Italien (20 Prozent) und Deutschland mit 13 Prozent Passagieranteil. Osteuropa verzeichnet durch die Aufnahme von Direktflügen mit Wizz Air ebenfalls einen starken Zuwachs und durch die beiden täglichen Turkish-Airlines-Verbindungen nach Istanbul stieg zuletzt auch der Passagieranteil aus der Türkei. Der Verkehr aus Österreich machte im vergangenen Jahr knapp 4 Prozent des Gesamtvolumen aus, wobei wir hier leider im ersten Halbjahr durch das geringere Flugangebot ein Minus von 5,7 Prozent zu verzeichnen hatten.

Am Flughafen Malta sind Netzwerkfluglinien genauso wie Billigfluglinien anzutreffen. Sind die Low Coster der Garant für das Wachstum?

Im vergangenen Jahr war Air Malta bei der Zahl der beförderten Passagiere noch die Nummer eins, inzwischen wurde diese durch Ryanair abgelöst. Der irische Low Coster hat drei Flugzeuge am Flughafen Malta stationiert und verzeichnete im ersten Halbjahr einen gewaltigen Zuwachs (plus 37,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Anm.). Wenn man sich generell in Europa umsieht, so bringt der Low Cost Verkehr das Wachstum und Ryanair ist hier besonders dynamisch.

Malta zählt nur etwas mehr als 400.000 Einwohner. Woher bezieht eine Emirates Airline ihr Potential für einen täglichen Malta-Flug mit einer Boeing 777-300ER mit 340 Sitzplätzen?

Emirates bedient die Verbindung über Tunis bzw. Larnaca. Dubai ist sowohl eine Leisure-Destination als auch ein Knotenpunkt für Umsteigeverkehr auf alle Kontinente. Die Fluglinie zeigt sich sehr zufrieden über die Auslastung der Flüge und hat ihre Kapazität durch die Umstellung von A330 auf die Triple Seven sogar noch erhöht.

Ihr Flughafen hat erst kürzlich einen Airport Service Award gewonnen und wurde von Skytrax als Vier-Sterne-Airport ausgezeichnet. Worauf schließen Sie diesen Erfolg?

Das Hauptaugenmerk muss neben den Unternehmensgrundsätzen in „Service Excellence“ liegen. Wir haben sehr viel investiert und legen besonderen Wert auf den Umgang mit unseren Gästen. Für unsere Passagiere wurde ein Bewertungssystem (Smiley) über die Qualität des Service installiert, zusätzlich machen wir ein ständiges Monotoring der Abläufe und legen besonders viel Wert auf die Sauberkeit am Flughafen.

Konnte sich hier der Flughafen Wien mit seinem Wissen einbringen und gibt es sonstige Synergien durch die Partnerschaft?

Grundsätzlich besteht eine sehr gute Zusammenarbeit mit unserem Shareholder. Es gibt einen intensiven Informationsaustausch mit dem Wiener Flughafen und in der Vergangenheit gab es gemeinsame Trainings und Management Programme. Wenn es um neue Projekte und Technologien geht, versucht man sich bei der Anwendung mit Know How gegenseitig auszuhelfen. Wir haben eine sehr offene und angenehme Zusammenarbeit!

Neben dem Airline-Business, nimmt das Non-Aviation-Geschäft für die Flughäfen einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Was hat es mit Skyparks auf sich und gibt es weitere es Investitionen am Standort?

Unser heutiger Turnover besteht aus ca. 70 Prozent Airport und 30 Prozent Non-Aviation Geschäft. Das Skyparks 1 – ein Business Center mit 11.000 Quadratmeter Bürofläche und 4.000 Quadratmeter Retail-Fläche war ein 20-Millionen-Euro-Investment im Jahr 2012. Das Gebäude bietet zahlreiche Infrastruktureinrichtungen wie ein Fitness Center, Ärzte, einen Friseur und zahlreiche Restaurants. Wir sehen hier aber noch ein Potential für den Bau eines Skyparks 2 oder 3. Unser mittelfristiger Masterplan sieht eine Erweiterung des Check-In-Bereiches, sowie eine Terminalerweiterung vor, um mehr Raum für Verkaufsflächen und Passagiere zu schaffen. Auch der Bau eines Flughafenhotels ist eine Option, da zahlreiche Unternehmen im Skypark Seminare abhalten. Für das Jahr 2016 sind Investitionen in der Höhe von 9,8 Millionen Euro eingeplant.

Der Flughafen Malta liegt sehr Stadt nah, wie ist das Verhältnis mit den Anrainern und der Bevölkerung?

Für die Malteser ist der Flughafen ein Ort, wo man hinfährt, um Restaurants oder andere Einrichtungen zu benutzen. Die Mc-Donalds-Filiale am Flughafen macht den stärksten Umsatz auf der ganzen Insel. Der Flughafen ist Treffpunkt und Infrastruktureinrichtung zugleich und wird durch seine Nähe zur Stadt auch von den Anrainern im Alltag gerne genutzt. Laut einer Studie besuchen 84 Prozent aller Malteser den Flughafen mindestens einmal im Jahr. Das Verhältnis ist daher sehr gut, weil den Maltesern auch durchaus bewusst ist, dass gerade der Flughafen einer der großen Arbeitsgeber des Landes ist und das ganz Malta vom Tourismus profitiert!



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