Bombardier CRJ 900 in der Lackierung von Nordica: Verluste zu hoch.

SanierungMarabu-Partner Nordica in Schieflage

Die estnische Nordic Aviation Group fliegt im Wet-Lease für SAS und Marabu. Doch profitabel ist sie nicht unterwegs. Die Expansionsstrategie ging nicht auf.

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Im Herbst 2022 überraschte die estnische Wet-Lease-Anbieterin Nordica mit Stellenausschreibungen in Deutschland. Gesucht wurden Cockpit- und Kabinencrews für Jets der Airbus-A320-Familie in Hamburg und München. Für wen man im Einsatz sein wird, wollte die Airline, die zur staatlichen estnischen Nordic Aviation Group gehört, damals nicht verraten.

Kurze Zeit später wurde aber bekannt, dass Nordica für die neu gegründete Condor-Schwester Marabu Personal suchte. Denn die Esten unterstützten die neue Airline vom Start an mit Airbus A320 Neo im Wet-Lease. Dank der Zusammenarbeit konnte Marabu schneller starten, als wenn sie ganz alleine den Flugbetrieb hätte aufbauen müssen.

Knapp 7,2 Millionen Verlust

Marabu ist aber nicht die einzige Kundin von Nordica, wie sich die Gruppe selbst abgekürzt nennt. Die Flotte der Nordic Aviation Group besteht aus 21 Flugzeugen, aufgeteilt auf ATR 72-600, CRJ 900 und Airbus A320. Betrieben werden sie von zwei verschiedenen Töchtern: Nordica und Xfly. Das Luftfahrtunternehmen fliegt unter anderem auch im Wet-Lease für SAS.

Jetzt hat die Nordic Aviation Group mitgeteilt, sich in einer finanziellen Schieflage zu befinden. Nach vorläufigen Angaben hat das Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Verlust von 7,2 Millionen Euro eingefahren. Der Umsatz lag bei 54,9 Millionen Euro.

Fehlende Flieger und zu optimistische Strategie

Grund für die Probleme sei zum einen, dass die Kosten die Einnahmen deutlich überstiegen, erklärt David O'Brock, Aufsichtsratsvorsitzender der Nordic Aviation Group. Hinzu komme auch der aktuell sehr schwierige Luftfahrtmarkt. Es fehle an Flugzeugen und passendem Personal, so das Unternehmen in einer Pressemeldung.

Nach Ansicht von O'Brock ist ein weiterer Grund für den Engpass die Expansionsstrategie, die Nordica Ende des vergangenen Jahres beschlossen hatte. Diese sei zu optimistisch gewesen und habe sich negativ auf die finanzielle Situation des Unternehmens ausgewirkt.

Neues Spitzenpersonal

Helfen soll nun ein Sanierungsprozess, für den das Luftfahrtberatungsunternehmen Knighthood Global engagiert wurde. Viel Zeit lassen die Esten der Consultingfirma nicht. «Wir erwarten greifbare Ergebnisse, einschließlich eines konstant positiven Cashflows, bereits in den kommenden Monaten», erklärt David O'Brock.

Erste personelle Konsequenzen hat es schon gegeben. Jan Palmér, Geschäftsführer der Nordic Aviation Group hat in der vergangenen Woche seinen Rücktritt eingereicht. Eigentlich wollte der 72-jährige seinen Posten erst zum Jahresende abgeben. Neuer Interimschef ist Remco Althuis, Leiter des Beratungsteams. Althuis war zuvor in leitenden Positionen bei KLM, Etihad Airways und Air Seychelles tätig.

Marabu nicht betroffen

Ein Marabu-Sprecher teilte auf Anfrage von aeroTELEGRAPH mit, dass man durch die finanzielle Schieflage von Nordica keine Auswirkungen auf Marabu erwarte.

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