Lufthansa-Flieger: Bald enger mit Turkish verbunden?

«Gemeinsame Abfertigung ein Ziel»

Die Lufthansa und Turkish Airlines planen offenbar eine engere Kooperation. Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper im Interview über Ausmaß und Hintergründe.

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Die Lufthansa und Turkish Airlines wollen offenbar ihre Kooperation vorantreiben. Nachdem der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Wochenende bereits erste Andeutungen gemacht hatte, gibt es nun auch von Turkish Bestätigungen, dass man eine engere Verzahnung in Erwägung zieht. Doch wie diese genau aussehen soll, ist noch nicht bekannt. Jürgen Pieper, Luftfahrtanalyst bei der Bank Metzler, erklärt im Interview, was nun folgen könnte.

aeroTELEGRAPH: Die Zusammenarbeit zwischen Lufthansa und Turkish Airlines soll weit tiefgreifender ausfallen als bisher angenommen - wer profitiert von wem?

Jürgen Pieper: Es gibt nicht den kleinen Profiteur. Beide Airlines sind relativ stark, auch wenn das Umfeld nicht einfach ist. Die Lufthansa hat weiter eine starke Position im Interkontinentalmarkt. Turkish ist einer der großen Newcomer der letzten Jahre. Gerade solche Kooperationen von zwei starken Partnern sind es auch, die tendenziell länger halten.

Sie sagen selbst: Turkish Airlines ist ein ein starker Newcomer. Wozu braucht sie dann die Lufthansa?

Die Lufthansa ist immer noch eine der angesehensten Marken. Ein großer Anbieter mit einem großen Namen. Die Reputation ist hier sehr gut. Außerdem ist für Turkish sicher auch interessant, dass in Deutschland eine große Zahl türkischstämmiger Einwohner lebt – also eine große Zahl potenzieller Passagiere.

Und was hat die Lufthansa umgekehrt von Turkish?

Sie ist ein starker Partner mit einer stark wachsenden Wirtschaft hinter sich. Und auch umgekehrt ist der Vorteil der großen Anzahl von Türken in Deutschland zu spüren. Etwa, wenn in der Türkei gebliebene die Familie besuchen.

Ist die engere Verzahnung mit Turkish auch ein angemessener Schritt, um der wachsenden Konkurrenz der Golfanbieter zu begegnen?

Sicher spielt das eine Rolle, allein wegen der geographischen Nähe der Türkei zum Golf. Außerdem ist eine Partnerschaft mit Turkish für Lufthansa attraktiver als eine mit einer Golfairline, weil man sich schon ganz gut kennt, es sind ja beide Fluglinien in der Star Alliance. Emirates und Co. lassen sich für westliche Airlines außerdem nur schwer kalkulieren. Sie haben praktisch keinen Heimatmarkt und expansieren dennoch drastisch. Das ist mit einer großen Unsicherheit verbunden.

Was für eine Art der Kooperation halten Sie für am wahrscheinlichsten?

Es wird sicher weitergehen als der simple Codeshare. Eine gemeinsame Abfertigung könnte sicher ein Ziel sein, oder gemeinsame Vielfliegerprogramme.

Könnte es sein, dass sich die Lufthansa auch an Turkish beteiligt?

Ich glaube nicht, dass da ein großes Interesse an einer Kapitalbeteiligung besteht. Die Lufthansa ist ja gerade auch eher dabei, Beteiligungen abzubauen.

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