Letzte Aktualisierung: um 13:26 Uhr
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Behinderte Piloten

«Können uns im Flug kaum bewegen»

Drei querschnittgelähmte Piloten umrunden für einen guten Zweck die Welt. Im Interview sprechen Sie über Überraschungen, Risiken und Vorurteile.

Dubai Airports

Mike Lomberg (links) and Guillaume Feral: Kämpfen für eine bessere Integration Behinderter.

Sechs Kontinente, 40 Länder, 80.000 Kilometer – das ist der Reiseplan von Paolo Pocobelli, Mike Lomberg und Guillaume Féral bis kommenden August. Mit zwei Leichtbauflugzeugen vom Typ Flight Design CTLS umrunden der Italiener, der Südafrikaner und der Franzose die Welt.

Am 18. November sind die drei Männer in Genf gestartet. Über Verona, Athen, Heraklion, Hurghada und Riyadh sind sie nach Dubai geflogen, wo sie am 4. Dezember gelandet sind und fünf Tage Pause machen. Pocobelli, Lomberg und Féral reisen nicht aus Vergnügen. Sie wollen mit ihrer Reise, an dem ein ganzes Team im Hintergrund mitwirkt, auf Handiflight aufmerksam machen, die weltgrößte Vereinigung behinderter Piloten.

Auf Probleme Behinderter hinweisen

Die Organisation bietet behinderten Piloten eine Möglichkeit, sich zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und die Freude am Fliegen zu teilen. Pocobelli, Lomberg und Féral sind erfahrene Piloten und seit Unfällen beim Fallschirmspringen, Segelflug und im Straßenverkehr querschnittgelähmt. Mit ihrer Reise will das Trio zudem allgemein auf Probleme behinderter Menschen hinweisen und ihre Integration ins tägliche Leben mit Spenden von Gönnern an den Zielorten unterstützen.

Was treibt Sie an, was ist ihr Ziel? aeroTELEGRAPH hat sich mit Lomberg und Féral unterhalten.

Sie haben nun die ersten Etappen hinter sich. Was waren die größten Überraschungen?
Mike Lomberg: Zum einen merkten wir, wie flexibel wir sein müssen. Wetter, betriebliche Punkte, lokale Verhältnisse, Routen – alles kann sich kann sich ändern, wenn wir in der Luft sind. Dafür braucht es eine gute Planung und viel Flexibilität. Zudem überraschten mich die vielen interessierten Leute, die wir kennenlernten.
Guillaume Féral: Vergiss nicht den sturen Wind – er blies ständig in Gegenrichtung. Aber das hat ja einen Vorteil… wir sammeln so mehr Flugstunden.

Und was waren die größten Herausforderungen?
Féral: Auf der dritten Etappe erlebten wir sehr schwierige Wetterverhältnisse. Dazu kamen Engpässe bei der Flugsicherung. Beide Dinge werden wohl weiterhin eine Herausforderung bleiben.
Lomberg: .. und die Ruhezeiten einzuhalten. Wir treffen uns an jedem Ort mit Menschen und Organisationen, die sich mit den gleichen Themen wie unsere Organisation befassen. Das unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung. Es erfordert ganz genaue Planung.

Gehen Sie als Paraplegiker auf einer solchen Flugreise nicht große Risiken ein?
Lomberg: Wir sind zuerst einmal Piloten. Unsere Planung und unser Risikomanagement ist genau gleich wie bei jedem anderen Piloten, der eine solche Reise macht.
Féral: Wir haben sehr lange für diese Reise trainiert. Und wir haben uns sehr intensiv vorbereitet. Daher sind die Risiken nicht größer.

Was ist denn für einen behinderten Piloten die größte Schwierigkeit beim Fliegen?
Lomberg: Es sind psychologische Faktoren. Wir können uns im Flug kaum bewegen. Wir haben dafür das Cockpit angepasst. Bisher flogen wir bis zu sieben Stunden nonstop, das ging problemlos. Die Steuerung des Flugzeuges dagegen ist nicht schwierig, nachdem man sie mal gelernt hat. Das Seitenruder steuern wir von Hand. In gewissen Flugphasen muss man da besondere Fertigkeiten haben, weil wir die rechte Hand auch für die Schubregelung und die Bremsen brauchen.

Gibt es Grenzen in Bezug auf Dinge, die Sie als Pilot tun können?
Féral: Nicht mehr, als wir schon im täglichen Leben haben…
Lomberg: Flugtechnisch sind wir gegenüber einem nicht-behinderten Piloten aber im gleichen Flugzeug überhaupt nicht eingeschränkt.

Wie genau musste Sie Ihr Flugzeug präparieren?
Lomberg: Die einzige technische Anpassung ist der Einbau einer Handsteuerung für das Seitenruder. Dann mussten wir wegen besonders langer Strecken natürlich Zusatztanks im Flügel und auf dem Nebensitz einbauen.

Haben Sie als behinderter Pilot schon Vorurteile erlebt?
Lomberg: Ich persönlich nicht. Manchmal bin ich aber vielleicht ob gewisser Reaktionen überrascht.

Was raten Sie jungen Behinderten, die gerne fliegen würden?
Féral: Mach es! Finde eine Flugschule, die dich aufnimmt und lebe deinen Traum. Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun!

Mehr über das Projekt Handiflight können Sie hier nachlesen.



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