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Junkers Ju 52

Das fliegende Denkmal

Mehr als 80 Jahre – so ein Jubiläum erleben wohl nur die wenigsten Flugzeuge. Geschafft hat das die Junkers Ju 52. Die Tante Ju wurde in den 1930er-Jahren gebaut und fliegt noch heute.

Geplant war die Junkers Ju 52 Anfang der 1930-er Jahre als einmotoriges Frachtflugzeug. Mit der Maschine sollten größere Frachtmengen in entlegene Gebiete transportiert werden. Doch Erhard Milch, Chef der damaligen Deutschen Luft Hansa, hatte Interesse an einer dreimotorigen Verkehrsvariante und ließ seine Kontakte spielen.

Schließlich absolvierte die erste dreimotorige Maschine vom Typ Ju 52/3m am 7. März 1932 ihren Erstflug. Die ersten Exemplare gingen dann aber nicht an die Deutsche Luft Hansa – sondern an Lloyd Aéreo Boliviano. Die beiden Maschinen waren einmotorig geplant worden und wurden noch während ihres Baus von einem auf drei Motoren umgerüstet. Die Luft Hansa erhielt schließlich 1932 die erste von insgesamt 186 Maschinen. Im Jahr 1938 führte die Airline 75 Prozent ihres Luftverkehrs mit der Ju 52/3m aus.

Viel unterwegs in Südamerika

Auch viele andere Fluggesellschaften setzten auf die Ju 52. Die Luft Hansa stattete auch ihre Tochtergesellschaften in Peru und Eurasien mit Exemplaren aus. Neben vielen europäischen nutzten vor allem südamerikanische Airlines Ju 52. Die norwegische Det Norske Luftfartselskap DNL ließ die Maschinen zu Schwimmerflugzeugen umrüsten, die brasilianische Syndicato Condor setzte sowohl auf normale als auch Schwimmerflugzeuge.

Bei den Passagieren war die Ju 52 beliebt: Für damalige Verhältnisse war die Maschine sehr komfortabel und hatte eine Heizung an Bord. Sie verfügte nicht über eine Druckkabine, flog allerdings auch über die Alpen und die Anden. Daher gab es für Flughöhen über 3000 Metern Sauerstoffmasken für die Passagiere.

Auch ein sicheres Flugzeug

Zudem galt die Maschine spätestens seit einem Zwischenfall bei München als besonders sicher: Am 29. Juli 1932 hatte ein Schulflugzeug eine Ju 52 auf etwa 300 Metern Höhe gerammt und dabei den linken Motor fast abgerissen und den Flügel beschädigt. Während der Flugschüler ums Leben kam, konnte die Ju 52 – mit Luft Hansa Chef Erhard Milch an Bord – auf einem Kornfeld notlanden.

Die Ju 52 wurde auch militärisch genutzt: Die deutsche Luftwaffe verfügte über knapp 5000 Maschinen und schickte insgesamt 48 zur Legion Condor in den Spanischen Bürgerkrieg. Die Maschinen bombardierten die spanischen Städte Madrid, Durango und Guernica. Während des Zweiten Weltkriegs war die Ju 52 das Standardtransportflugzeug der Luftwaffe. So setzte sie beispielsweise die Fallschirmjäger im Mai 1941 über Kreta ab und versorgte die 6. Armee in Stalingrad.

Hitlers persönliche Fliegerstaffel

Einige Exemplare ließ die Luftwaffe mit Magnetspulen für die Minensuche ausrüsten. Auch Hitlers persönliche Fliegerstaffel bestand bis 1939 aus Ju 52/3m, danach wurden sie durch eine Focke-Wulf Fw-200 ersetzt. Nach dem Krieg wurden die meisten Ju 52 ausgemustert. Mit der amerikanischen Douglas DC-3 beziehungsweise der Militärausführung C-47 gab es einen günstigeren, jüngeren Konkurrenten.

Heute gibt es noch neun flugfähige Exemplare. Eines davon pflegt die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung. Die Maschine wurde 1936 bei der Lufthansa in Dienst gestellt und flog nach dem zweiten Weltkrieg für skandinavische Airlines. Ab 1957 versorgte sie Ölbohrcamps im Amazonasgebiet, bis sie schließlich im ecuadorianischen Quito abgestellt und vergessen wurde. Als «Iron Annie» hauchte ein amerikanischer Flugshowpilot ihr neues Leben ein und tingelte mit der Maschine von Show zu Show, wo sie schließlich die Lufthansa wiederentdeckte und nach Deutschland zurückholte.

Typischer Wellblech-Look

Mittlerweile ist die Maschine im typischen Wellblech-Look im ehemaligen Lufthansa-Farbschema aus dem Jahr 1936 gespritzt und bietet im Sommer Rundflüge für Flugzeugnostalgiker. Als erstes Verkehrsflugzeug steht «Tante Ju» als «bewegliches Denkmal» unter Schutz. Mittlerweile hat sie 21‘000 Flugstunden auf dem Buckel – kein Vergleich zu modernen Jets, die rund 2‘500 Flugstunden pro Jahr absolvieren. Ob die allerdings auch 80 Jahre in Betrieb bleiben, ist fraglich.



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