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Jonathan Harding von Qatar Airways

«Haben sehr gute Beziehungen zu Airbus»

John Harding ist neuer Europachef von Qatar Airways. Im Interview spricht er über die Folgen von Terror und Brexit, die Konkurrenz durch Emirates und Lufthansa und Lieferprobleme von Airbus.

Qatar Airways

Airbus A319 von Qatar Airways: Die Golfairline wartet dringend auf neue Flieger.

Die Branche wird derzeit von vielen geopolitischen Ereignissen auf die Probe gestellt. Inwiefern ist Qatar Airways als Golfairline davon betroffen?
Jonathan Harding*: Die Unsicherheit ist auf einer globalen Ebene angesiedelt. Aber wir als mittelgroße Langstreckenairline, die aus einem Drehkreuz am Persischen Golf heraus operieren, sind bestimmt etwas weniger betroffen als unsere europäischen Konkurrenten.

Aber ist Großbritannien nicht ein wichtiger Markt? Dort sind die Reisenden nach dem Votum zum EU-Austritt nun sicher vorsichtiger.
Klar ist Das Vereinigte Königreich wichtig für uns. Aber gleichzeitig müssen Sie sehen: Wir fliegen an über 150 Destinationen. Daher machen die britischen Passagiere tatsächlich nur einen Teil des Marktes aus – auch in Europa. Wie sehr sich ihr Verhalten nun ändern wird, muss sich auch noch zeigen. Wir sind definitiv aber nicht im Krisenmodus.

Neben der politischen Unsicherheit durch den Brexit gibt es in Europa – und in der Türkei aktuell eine große Unsicherheit durch den Terror.
Es ist eine Herausforderung. Als Airline sind wir gezwungen, jeden Tag, jederzeit unsere Prozesse zu überprüfen, damit eine höchstmögliche Sicherheit gewährleistet ist – und die ist in der Luftfahrt ohnehin schon unglaublich hoch.

Kann man überhaupt etwas tun gegen diese Unsicherheit oder stellen Sie sich auf diese Stimmung als eine Art neuer Normalzustand ein?
Es ist klar, dass sich etwas geändert hat, aber das betrifft neben uns auch Politik, Gesellschaft, die ganze Wirtschaft. Wir als Airline müssen nun sehr eng mit Regierungen, Flughäfen, den Gesetzgebern zusammenarbeiten, um schnell auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Immerhin ist unser Geschäft, riesige Mengen an Menschen zu bewegen. Das ist eine riesige Verantwortung – weil wir uns gleichzeitig natürlich auch durch einen tollen Service auszeichnen wollen.

Auch auf den Service gibt es doch derzeit Auswirkungen, die Sie nur schwer beeinflussen können – zumindest in Europa. Sind Sie von den Fluglotsenstreiks betroffen? Immerhin haben Sie mit Airlines wie British Airways oder Iberia Codesharepartner, deren Zubringerdienste dadurch beeinflusst werden.
Klar ist jeder Unterbruch sehr lästig für uns und ärgerlich. Aber unser Hauptgeschäft sind Mittel- und Langstrecke und daher sind wir nicht so stark betroffen.

Welche Airline ist eigentlich Ihr Hauptkonkurrent?
Wir stehen natürlich mit jedem im Wettbewerb. Zum einen sind es die anderen Golfairlines Konkurrenten, also Emirates und Etihad. Aber im Grunde ist für uns der Hauptkonkurrent jeweils in jedem Markt der Nationalanbieter – in Deutschland etwa Lufthansa.

Und wie versuchen Sie, denen Kunden abzugraben?
Wir haben einen extrem guten Service und eine sehr junge und moderne Flotte, vom A380 über den Dreamliner bis zum A350.

…mit dem gab es ja ein paar Probleme. Die Auslieferung hat sich verspätet. Wir läuft es da?
Ich hoffe und ich glaube, die Probleme sind lösbar. Die Leute in unserem Topmanagement und dem von Airbus stehen in engem Kontakt. Wir haben die Flieger für die Expansion bestellt und wir wollen und brauchen sie auch – und das pünktlich. Gleichzeitig wissen wir auch, dass es bei so neuen Flugzeugen immer zu Verzögerungen kommen kann. Das habe ich während meiner Zeit bei Virgin Atlantic beim Start des Airbus A340-600 erlebt.

Aber der Ton seitens Qatar Airways gegenüber Airbus war ja zum Teil schon eher rau.
Wir haben sehr gute Beziehungen zu Airbus. Aber: Wir erwarten natürlich, dass gewisse Versprechen eingehalten werden. Ich bin zuversichtlich, dass Airbus hart daran arbeitet, die Probleme zu lösen. Das ist auch wichtig, damit wir wie geplant wachsen können.

Sie haben erst kürzlich 14 neue Routen angekündigt. Verschiebt sich der Start von einigen davon wegen der Verspätungen beim A350 und auch beim A320 Neo?
Das ist ein enormes Expansionsniveau, auf dem wir uns bewegen. Wenn Flieger sich sehr verspäten, muss man Anpassungen vornehmen und die Aufnahme einiger Routen verschieben. Unsere Hoffnung ist aber, dass das nicht nötig sein wird.

* Jonathan Harding ist seit Mai Senior Vice President Europe von Qatar Airways. Zuvor hatte der studierte Jurist zwanzig Jahre lang für Virgin Atlantic gearbeitet.



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