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Farnair-Chef

«Schauen uns Flottenausbau an»

Was heißt der Verkauf der Fracht- und Charterairline Farnair für das Personal und plant sie den Einstieg in den Liniendienst? Chef Guy Girard antwortet.

Farnair

Maschine von Farnair: Die Fluglinie begann ganz klein. Nun wurde sie verkauft.

strong>Warum verkauften die bisherigen Eigentümer eigentlich Farnair an ASL Aviation?
Guy Girard: Unsere Strategie ist es, weltweit zu wachsen. Kürzlich expandierten wir nach Indien, Westafrika und Südostasien. Zudem wollen wir unsere Flotte ausbauen. Das benötigt große Investitionen und unsere Aktionäre suchten deshalb das Gespräch mit möglichen Investoren, um die Kapitalbasis zu erweitern. Wir haben alles geprüft – Fremdkapital, Verkauf eines Minderheitsanteils oder auch eine Fusion. Die Übernahme durch ASL Aviation erschien uns die beste Lösung zu sein.

Was kann denn ASL Farnair bieten?
ASL ist breit aufgestellt, kapitalstark und besitzt 80 Flugzeuge. Ebenso wichtig war, dass ASL eine ähnliche strategische Vision und ähnliche Werte hat. Die Kombination der beiden Unternehmen macht darum Sinn und bringt nicht nur den Aktionären etwas, sondern auch den Kunden und Angestellten. Farnair profitiert von der gestärkten Finanzkraft, Managementressourcen und größeren Flotte. Zudem bringt die Größe Vorteile bei Zulieferern und wir bekommen auch mehr Knowhow über verschiedene Flugzeugtypen hinweg.

Gehen durch die Übernahme Stellen verloren?
Farnair wird als unabhängiges Unternehmen unter dem bestehenden Management weiter arbeiten. Synergien werden aus den Größenvorteilen kommen, etwa der verstärkten Einkaufskraft, der breiteren Verteilung von fixen Kosten, der gemeinsamen Ausbildung und der billigeren Finanzierung.

ASL besitzt Europe Airpost – eine große Airline, die neben Post auch im großen Stil Passagiere befördert. Könnte das auch ein Vorbild für Farnair werden?
Europe Airpost und Farnair haben sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beide sind erfolgreich. Davon wollen wir nicht abweichen. Weil wir nicht wie Europe Airpost ein großes Postgeschäft haben, würde sich das auch nicht rechnen.

Immer mehr Fluglinien bieten statt simplen Wet-Lease-Diensten eigene Linienflüge an. Überlegen Sie sich das auch?
Unser Ansatz war es immer, kreativ zu sein, flexibel und sehr genau zu verstehen, was unsere Kunden wollen. Wir wollen früh in den Planungsprozess der Kunden eingebunden werden. Wir sind neuen Geschäftsfeldern gegenüber generell aufgeschlossen, solange es wirklich eine Nachfrage dafür gibt und wir uns damit nicht einem unkontrollierbaren Risiko aussetzen.

Werden Sie Ihre Flotte ausbauen?
Ja, wir schauen uns einen Ausbau an, um die Bedürfnisse einer breiteren und geographisch diversifizierteren Kundschaft Rechnung zu tragen. Viele ihrer Flugzeuge sind schon recht alt. Planen Sie auch neue Flugzeugtypen anzuschaffen? Die Planung und Auswahl der richtigen Flotte ist für eine Fluggesellschaft der zentrale Erfolgsfaktor. Das Alter eines Flugzeuges per se sagt wenig aus, solange die Flotte gut gewartet und unterhalten wird. Zudem gibt es einen Unterschied zwischen Fracht- und Passagierflugzeugen. Unsere Flugzeuge erfüllen alle Vorschriften und sind auch sehr zuverlässig. Neue Flugzeuge müssen strategisch Sinn machen, denn die höheren Kosten müssen allenfalls auf die Kunden überwälzt werden. Wir schauen uns alles im Frachtbereich an. Doch es muss im richtigen Moment geschehen.

[image2]Guy Girard ist seit 1990 Chef von Farnair. Zuvor war er Chefpilot des Unternehmens und Leiter Spezialoperationen bei der OSZE, der Uno und der Schweizer Regierung.

 

 



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