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Erstflug

Hier startet der A321 LR zum ersten Mal

Mit dem A321 LR können Fluglinien neue Langstreckenrouten wirtschaftlich erschließen. Airbus hofft darum auf einen Großerfolg. Nun absolvierte der Jet den Erstflug.

Eine Traumkulisse sieht anders aus. Der Himmel war verhangen. In Hamburg Finkenwerder regnete es beharrlich. Kurz nachdem die Maschine mit dem Kennzeichen D-AVZO am Mittwoch (31. Januar) um 11:07 Uhr abhob, verschwand sie deshalb schon wieder in den Wolken.

Rund zwei Stunden zog der Testflieger danach am Himmel über der Nordsee seine Runden. Der erste Flug des Airbus A321 LR – früher noch A321 Neo LR genannt – ist damit geglückt. Auch ohne Postkartenwetter ist es für den europäischen Hersteller ein wichtiger Tag. Denn für viele gilt das Flugzeug als eines, das die Regeln des Marktes neu schreibt.

«Wir sind schon da»

Vor drei Jahren hatte Airbus den A321 LR – das LR steht für Long Range, also Langstrecke – angekündigt. Er ist ein Spezialvariante des modernisierten Kurz- und Mittelstreckenklassikers und deckt das so genannte mittlere Marktsegment ab – zwischen Kurz- und Mittelstreckenfliegern und Langstreckenjets. «Viele sprechen über Middle of the Market – wir sind schon da», freut sich Klaus Röwe, Chef des A320-Progamms.

Der Airbus A321 LR hat ein maximales Startgewicht von 97 Tonnen und kann problemlos über den Atlantik oder von Nord- nach Südamerika fliegen. Bis zu 7400 Kilometer weit kommt der neu entwickelte Jet in einer Standardbestuhlung. Das reicht beispielsweise für einen Nonstopflug von Berlin nach Chicago oder von New York nach Recife in Brasilien. Damit ermöglicht er wirtschaftliche Verbindungen in schwächeren Perioden oder zwischen kleineren Städten.

Zögern von Boeing war Chance

Weil Boeing zuerst auf eine Weiterentwicklung der 757 verzichtet hat, die bisher diese Bedürfnisse abdeckte, konnte Airbus mit dem A321 Neo LR schon beträchtliche Erfolge erzielen. Neun Fluggesellschaften haben bis heute mehr asl 100 Exemplare geordert. Die 737 Max 9 des amerikanischen Erzrivalen kommt nur 6510 Kilometer weit.

Doch die Amerikaner haben inzwischen reagiert. Eine definitive Entscheidung zum Bau einer 757-Nachfolgerin – erwartet wird der Name 797 – muss Boeing zwar erst noch fällen. Kaum einer rechnet aber damit, dass es nicht passieren wird. Damit wird dem A321 LR neue Konkurrenz erwachsen. Aktuell hat er Rückenwind, da die vergleichbaren Modelle älter und damit weniger effizient sind. «Wir bieten rund 30 Prozent tiefere Kosten», so Röwe.

Bis zu 240 Passagiere

Der A321 LR bietet in zwei Klassen (Economy und Business mit in ein flaches Bett verwandelbaren Sitzen) 206 Passagieren Platz. Eng bestuhlt kann er bis zu 240 Reisende aufnehmen, später eventuell sogar einmal 244. «Es ist aber auch eine VIP-Bestuhlung mit 100 Sitzen denkbar», sagt Röwe. Dadurch wird der Jet für klassische Fluglinien, Billigairlines und Business-Anbieter interessant.

Für den A321 LR hat Airbus den A321 Neo an vielen Enden angepasst. So wurde eine neue Rumpfsektion in der Mitte entwickelt. Daneben bekam das neue Flugzeug drei zusätzliche Tanks in der Flugzeugmitte, wodurch die Reichweite steigt, allerdings auch Frachtkapazität verloren geht.

Anpassungen bei den Türen

Änderungen gibt es auch bei den Türen. Neu sind zwei Notausstiege über den Tragflächen angebracht. Tür Nummer zwei wurde gestrichen. Und die dritte Tür wurde leicht nach hinten versetzt.

Airbus rechnet damit eine Etops-180-Zertifizierung für den A321 LR zu erhalten. Etops steht für Extended-range Twin-engine Operation Performance Standards. Die Regel besteht für zweistrahlige Flugzeuge und legt die Anzahl der Minuten fest, die Flugzeugtypen verschiedener Konfigurationen auf einem Flug maximal vom nächsten Flughafen entfernt sein dürfen.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen des ersten Fluges.

 



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