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Singapur

Gesichtserkennung soll verspätete Passagiere finden

Der Flughafen Changi in Singapur setzt auf neue Technologien. Schon bald soll Gesichtserkennung dabei helfen, dass weniger Passagiere ihren Flug verpassen.

Changi Airport

Gesichtserkennung in Changi: Soll gegen Verspätung helfen.

Mit neuester Technik die innovativsten Lösungen fürs 21. Jahrhundert finden: Das verspricht seit 2014 die Initiative Smart Nation, ein Vorzeigeprojekt von Singapurs Regierung. Auch in der Luftfahrt setzt man auf Technologie: Der sechs Jahre in Folge von Skytrax zum besten Flughafen der Welt ausgezeichnete Changi experimentiert mit zahlreichen Innovationen.

Dank dem Einsatz künstlicher Intelligenz, welche Wind- und Wetterdaten auswertet, kann der Flughafen die genaue Ankunftszeit jetzt zwei Stunden vor der Landung vorhersagen. Bisher war das erst 60 bis 30 Minuten vor der Landung möglich. Damit lässt sich etwa die Gatevergabe effizienter planen. Und dank Sensoren, welche Pushback sowie Start messen, konnte der Flughafen die durchschnittliche Rollzeit von Flugzeugen zur Stoßzeit um 90 Sekunden reduzieren.

Weniger Warteschlangen

Auch mit automatischer Gesichtserkennung hat man schon Erfahrungen gemacht. Im neuesten Terminal des Flughafens, Terminal 4, kommt die Technologie etwa bei Check-in, Gepäckaufgabe sowie bei Passkontrolle und Einsteigen zum Einsatz. Damit muss weniger Personal eingesetzt werden und Warteschlangen können reduziert werden.

Das Gepäck etwa wird an unbedienten Schaltern aufgegeben. Passagiere werden dabei fotografiert und die Aufnahme wird mit dem Passfoto abgeglichen. Das gleiche Prozedere kommt auch bei der Passkontrolle und dem Boarding zum Einsatz. Derzeit wird geprüft, wie die Technologie in den älteren Terminals eingesetzt werden kann.

Milliarden Gesichter scannen

All das ist inzwischen auf vielen Flughäfen möglich. Jetzt wollen die Südostasiaten aber noch einen Schritt weiter gehen. Wie Manager Steve Lee gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte, soll die Technologie zukünftig dabei helfen, verloren gegangene Passagiere aufzuspüren, die sich zu ihrem Flug verspätet haben. Man habe bereits Technologien getestet, welche Bilder von Überwachungskameras mit einer Gesichterdatenbank abgleichen.

In der Vergangenheit arbeitete der Flughafen im Bereich Gesichtserkennung mit der französischen Firma Idemia zusammen. Auch das chinesische Unternehmen Yitu befindet sich in Verhandlungen mit den Flughafenbetreiber. Dessen Technologie ist laut eigenen Angaben dazu in der Lage, 1,8 Milliarden Gesichter in weniger als drei Sekunden zu erkennen.

Reisepass überflüssig?

Zu datenschützerischen Bedenken gegenüber dem Einsatz von Gesichtserkennung sagte Lee vom Flughafen Changi gegenüber Reuters, man wolle nicht Big Brother spielen, sondern echte Probleme lösen. Nach vermissten Passagieren werde man lediglich mit Zustimmung der Airlines suchen. Laut Lee will man bis in einem Jahr erste Kapazitäten in diesem Bereich aufgebaut haben.

Für die Zukunft hat Lee noch größere Visionen: Dank biometrischer Daten soll eines Tages Mitnahme eines Reisepasses völlig überflüssig werden.



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