Fünf TBM Avenger der US Navy: Die Bomber kehrten von einer Übung nicht zurück.

Flug 19Wie ein Navigationsfehler den Mythos Bermuda-Dreieck begründete

1945 verschwanden über dem Bermuda-Dreieck sechs Flugzeuge spurlos. Charles Berlitz machte daraus 1974 einen Bestseller mit Ufos und Atlantis und begründetet den Mythos Bermudadreieck. Die Fakten erzählen eine andere Geschichte.

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Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, um die sich so viele mysteriöse Geschichten ranken, wie um das Bermuda-Dreieck. Im Seegebiet zwischen Süd-Florida, Puerto Rico und Bermuda sollen Schiffe sinken, Flugzeuge abstürzen und Menschen spurlos verschwinden. Der Mythos ist allerdings nicht jahrhundertealt, sondern geht auf das Buch «The Bermuda Triangle» von 1974 zurück. Autor Charles Berlitz, ein Enkel des Gründers der Berlitz-Sprachschulen, war eigentlich Linguist, wandte sich später aber Grenzwissenschaften und pseudowissenschaftlichen Sachbüchern zu.

«The Bermuda Triangle» wurde über 20 Millionen Mal verkauft und war Charles Berlitz größter Erfolg. Berlitz begründete die angeblich hohe Zahl der Todesfälle in dem Gebiet unter anderem mit Außerirdischen, die Schiffe und Flugzeuge entführt haben, um sie zu untersuchen. Auch verortet er die untergegangene Insel Atlantis im Gebiet des Bermuda-Dreiecks, deren versunkene Energiequellen oder Kristalle Störfelder erzeugen, die dafür sorgten, dass gleich sechs Flugzeuge Ende 1945 in dem Gebiet abstürzten.

Ende 1945 starteten fünf Torpedobomber zu einer Übung

Am 5. Dezember 1945 starteten fünf Torpedobomber TBM Avenger der US Navy von der Naval Air Station Fort Lauderdale zu einer Routine-Navigationsübung. An Bord waren 14 Männer, mehrheitlich Anfänger. Nur Flugführer Leutnant Charles Carroll Taylor (28) verfügte mit rund 2500 Flugstunden über echte Flugerfahrung. Er war jedoch erst kurz zuvor nach Fort Lauderdale versetzt worden und flog die Route an diesem 5. Dezember zum ersten Mal. In die Geschichte eingegangen ist der Flug als Flug 19.

Der geplante Kurs war ein Dreieck über See: Bombenübung über den Florida Keys, danach Schwenk über die Bahamas und Rückkehr zur Basis. Der erste Teil verlief ohne Probleme. Beim Kurswechsel nach der Übung häuften sich jedoch die Probleme. Gegen 15.40 Uhr fragte einer der Piloten per Funk nach dem Kompasskurs. Die Antwort eines anderen Fliegers lautete, er wisse nicht, wo sie seien, sie hätten sich nach der letzten Kurve wohl verirrt. Kurz darauf meldete Leutnant Taylor die unheilvolle Botschaft, dass beide Kompasse ausgefallen seien.

Flugschüler hatte den richtigen Impuls

Im Nachgang wurde rekonstruiert, dass Taylor überzeugt gewesen war, sich über den Florida Keys zu befinden. Tatsächlich habe sich die Formation vermutlich weit im Nordosten über den Bahamas befunden. Einer der Fluganfänger soll laut Funkmitschnitt vorgeschlagen haben, einfach nach Westen zu fliegen, was tatsächlich die richtige Richtung gewesen wäre. Taylor setzte sich durch und das Geschwader flog weiter in die falsche Richtung.

Erst 17.50 Uhr konnten die Funkpeilstationen an Land die Position der Torpedobomber schließlich eingrenzen, doch das wurde nie an Taylor übermittelt, was als einer der folgenreichsten Fehler jenes Tages gilt. Eine halbe Stunde später ging die letzte Funkmeldung ein: Alle Flugzeuge sollen eng zusammenbleiben, man müsse notwassern, sobald das erste Flugzeug unter zehn Gallonen Treibstoff falle, dann gehe man gemeinsam runter. Danach herrschte Funkstille.

Auch das Rettungsflugzeug stürzt ab

In der einsetzenden Dunkelheit schickte die Navy zwei Martin-PBM-Mariner-Flugboote zur Suche los. Eines davon, mit 13 Mann an Bord, meldete sich nach dem Start nie wieder. Ein Tanker beobachtete in der vermuteten Gegend eine Explosion in der Luft. Am nächsten Morgen fand man lediglich einen Ölfleck. Die Flugzeuge galten als anfällig für Treibstoffdämpfe und Funkenbildung, ein technischer Defekt gilt bis heute als wahrscheinlichste Ursache.

Martin PBM Mariner-Fluboot: Die Navy schickte zwei Boote los, um die Besatzungen von Flug 19 zu retten, aber bei dem Einsatz ist eines der beiden explodiert.

Es folgte eine der größten Such- und Rettungsaktionen der US-Marinegeschichte. Über fünf Tage suchten täglich mehr als 200 Flugzeuge rund 770.000 Quadratkilometer Ozean ab. Gemeldete Sichtungen von Leuchtsignalen und Rettungsinseln erwiesen sich wiederholt als falsch. Weder von den fünf Avenger noch vom Rettungsflugzeug wurde je ein bestätigtes Wrackteil gefunden. Insgesamt kamen 27 Menschen ums Leben.

Unglück durch verschiedene Fehler ausgelöst

Heute weiß man, dass nichts Übernatürliches zum Absturz geführt hat, sondern eine klassische Fehlerkette. Auslöser war ein Navigationsfehler: Taylor, der einzige erfahrene Pilot der Formation, flog die Route zum ersten Mal und verwechselte vermutlich die Bahamas mit den Florida Keys, ein laut Experten nachvollziehbarer Irrtum. Ob der gemeldete Kompassausfall ein echter Defekt war oder Taylor die korrekten Werte schlicht für falsch hielt, weil sie nicht zu seiner Fehlannahme passten, ist bis heute unklar. Klar ist dagegen: Das sagenumwobene Bermuda-Dreieck gibt es nicht.

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