Tu-144 im Flug: Absturz in le Bourget als Rückschlag.

Als Russland den Vorzeigejet verlor

Der Absturz des Sukhoi Superjet ist nicht der erste eines Fliegers, der als Hoffnung für Russlands Flugzeugindustrie galt.

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Ausgerechnet auf einem Demonstrationsflug. Ausgerechnet vor einem ausländischen Publikum. Vielen älteren Russen muss der Absturz des Sukhoi Superjet 100 bei einer Vorführung wie ein Déjà-vu vorkommen. Die Tupolew Tu-144 war Anfang der Siebzigerjahre der Stolz der Sowjetunion, ähnlich wie es heute der in Indonesien an einem Berg zerschellte Flieger von Sukhoi ist. Am 31. Dezember 1968 flog der Überschall-Transportflugzeug in der Nähe von Moskau zum ersten Mal - zwei Monate bevor das westliche Konkurrenzprodukt Concorde erstmals Mal abhob. Im Wettrennen ging es damals nicht wie heute um die Eroberung von Absatzmärkten, sondern um die Demonstration von Macht und Überlegenheit. Die Welt stand mitten im Kalten Krieg.

Doch der Triumph währte nicht lange. Am 3. Juni 1973 präsentierte die UdSSR ihren Überschallflieger an der Luftfahrtmesse von Le Bourget bei Paris. Doch der Flug nahm kein glückliches Ende. Während die Tu-144 den Flughafen überflog, sackte sie plötzlich ab. Der Pilot versuchte, Gegensteuer zu geben und zog die Maschine hoch. Doch die Konkordksi, wie die Maschine im Westen scherzhaft auch genannt wurde, zerbrach und ging in Feuer auf und stürzte auf ein Dorf in der Nähe (siehe Videos unten). Die sechs Besatzungsmitglieder und acht Menschen am Boden starben. Wie so vieles aus der Zeit des Kalten Krieges umgibt auch dieses Ereignis bis heute viele Rätsel. Weshalb die Tupolew Tu-144 genau abstürzte, ist bis heute unklar.

Die unerwartete Mirage

Tatsache ist, dass die Tu-144 nach dem Überflug der Piste und der 350'000 angereisten Zuschauer voll Schub gab und rasch auf 1200 Meter aufstieg. Dort verlor sie wieder Schub und sackte rasch ab. Der Pilot versuchte, zu korrigieren. Doch das Manöver war heftig. Die Kräfte auf den Flieger wurden so groß, dass er zerbrach. Offenbar verzögerte ein Missgeschick im Cockpit die Bemühungen der Crew. Ein Filmteam hatte eine Kamera eingerichtet, die während der hektischen Flugphase auf die Armaturen fiel. Dadurch waren die Piloten in kritischen Sekunden abgelenkt.

Schnell wurde in der Sowjetunion aber eine andere Version erzählt. Eine französische Mirage habe den Flug der Tu-144 gestört. Doch im offiziellen Untersuchungsbericht wurde der Kampfflieger nicht erwähnt. Erst später wurde bestätigt, dass tatsächlich eine Mirage in der Luft war. Bis heute wird spekuliert, dass die Maschine den Auftrag hatte, die sehr fortschrittlichen Entenflügel an der Spitze der Tu-144 zu fotografieren. Die Crew des Sowjetflugzeugs wusste nichts davon und könnte durch den Jet wohl tatsächlich überrascht worden sein. Eine andere Hypothese ist, dass die Crew die Steuerung manipulierte, um eine besonders spektakuläre Show zeigen zu können. Und noch eine Version zirkulierte damals: Frankreich und Großbritannien hätten gewusst, dass die Sowjets bei Concorde Betriebsspionage betrieben. Sie hätten dem Feind daher absichtlich falsche Konstruktionspläne zugespielt.

Notlandung im Feld

Dennoch wurde die Tu-144 im Linienverkehr eingesetzt. Ab 1975 transportierte sie Post zwischen Moskau und Almaty, ab Dezember wurden auf der gleichen Strecke auch Passagiere transportiert. Doch im Mai 1978 kam es auf einem Frachtflug zu einem Brand in einem Tank. Die Crew musste notlanden - sie kam dennoch ums Leben. Kurze Zeit später wurde der Betrieb eingestellt - nach nur 102 Flügen, davon 55 mit Passagieren.

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