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Neue Besitzer oder arbeitlos

Fünf Air-Berlin-Jets und ihre Geschichte

Mit dem Aus von Air Berlin wurden auf einen Schlag Dutzende Flugzeuge arbeitslos. Viele von ihnen fliegen inzwischen wieder bei neuen Fluggesellschaften. Ein Blick auf fünf spezielle Flieger.

Malcom Nason

Airbus A330 von Air Berlin: Die Flotte der Airline wurde längst umplatziert.

136 Flugzeuge stark war die Flotte von Air Berlin im Herbst 2016. Damals kündigte die Fluggesellschaft gerade an, radikal zu schrumpfen, um endlich aus der ewigen Krise zu kommen. Es kam bekanntlich anders.

Die einstige deutsche Nummer Zwei existiert nicht mehr. Doch was ist mit ihren Flugzeugen geschehen? Sie fliegen heute verstreut in der ganzen Welt für neue Besitzer. aeroTELEGRAPH hat fünf spezielle Exemplare herausgepickt und geschaut, was aus ihnen geworden ist.

D-ABNW: Die Letzte

Nach ihr war Schluss. Am späten Abend des 27. Oktober 2017 startete die D-ABNW in München. Um 23.45 Uhr landete der Airbus A320 von Air Berlin in Berlin-Tegel. Er hatte unter der Flugnummer AB6210 den letzten Flug der Fluglinie absolviert. Am nächsten Tag wurde er von der Leasinggesellschaft Gecas nach Schönefeld überführt.

Bild: Felix Stoffels/aeroTELEGRAPH

Das Flugzeug stand danach rund drei Monate arbeitslos herum. Seit Ende Januar fliegt es wieder. Es trägt jetzt das Kennzeichen HB-JJM und befördert Passagiere des Schweizer Ferienfliegers Edelweiss an Urlaubsziele. Auch einen Taufnamen bekam das Air-Berlin-Schlussflugzeug am neuen Ort. Es heißt jetzt Brienzer Rothorn.

Bild: Edelweiss Air

D-ABXA: Die Spektakuläre

Schon ein paar Tage vor dem endgültigen Ende stellte Air Berlin die Langstreckenflüge ein. Am 16. Oktober um 8:07 Uhr landete Flug AB7001 aus Miami in Düsseldorf. Der Pilot des Airbus A330 flog zuvor aber einmal tief über die Piste und dann mit einer Linkskurve über den Flughafen. Das Manöver sorgte für weltweites Aufsehen – war aber völlig korrekt angemeldet und durchgeführt worden.

Die D-ABXA ist noch heute ohne Job. Sie steht geparkt am französischen Flughafen Tarbes Lourdes. Ganz neu ist diese Situation für den A330 nicht. Er hatte 2001/02 bereits das Grounding und das Ende von Swissair erlebt, bevor er via Swiss zu Air Berlin stieß.

D-ABXG: Die Albino

Der Airbus A330 mit dem Kennzeichen D-ABXG fiel auf. Denn er trug nicht die klassische Bemalung von Air Berlin, sondern kam ganz in Weiß daher. Nur zwei Dinge ließen erkennen, dass es sich um ein Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft handelte: Der Schriftzug vorne auf dem Rumpf und die roten Winglets. Warum der Flieger ein Albino blieb, wurde nie offiziell geklärt. Wahrscheinlich ist, dass die Fluglinie ihn nach der Übernahme im Mai 2017 nicht noch lackieren wollte, weil sie damals bereits einen neuen, bunten Markenauftritt geplant hatte (siehe zweites Bild).

Bild: Malcom Nason

Bild: aeroTELEGRAPH

Der Albino-A330 hat inzwischen Farbe bekommen. Seit März fliegt er für die spanische Charterairline Evelop Airlines und trägt das Kennzeichen EC-MTY.

D-ABXG: Die Ausgerutschte

Es war schon fast symbolisch. Ein Monat vor Betriebsende schoß ein Airbus A320 von Air Berlin in Sylt über die Piste hinaus. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-ABHO blieb nach mehreren Metern im Gras stecken. Verletzt wurde beim Zwischenfall niemand. Rückenwind und eine nasse Piste hatten den Bremsweg des A320 verlängert.

Bild: Feuerwehr Westerland

Nach dem Aus bei Air Berlin wanderte der A320 zu Niki. Dort erlebte schon bald das zweite Grounding. Heute fliegt er als OE-LOD für die Niki-Nachfolgerin und künftige Ryanair-Tochter Laudamotion.

D-ABFB: Die Weitgereiste

Er war ein Airbus A320 von vielen. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-ABFB legte sich die Fluggesellschaft im April 2017 zu. Zuvor hatte er fünf Jahre Vueling gedient und nochmals davor bereits einmal bei Air Berlin in Diensten gestanden. Mit dem Ende von AB – so der Iata-Code der Airline – im Oktober 2017 wurde auch er arbeitslos und am niederländischen Militärflugplatz Woensdrecht eingemottet.

Inzwischen hat er wieder eine Aufgabe. Der A320 fliegt unter der Registrierung XU-993 für die kambodschanische JC International Airlines. Sie bedient Ziele in Kambodscha und China und nahm ihren Betrieb erst wenige Monate vor der Übernahme des Air-Berlin-Jets auf. So weit sind die meisten anderen Flieger der ehemaligen deutschen Fluglinie nicht gekommen – sie fliegen inzwischen für Eurowings, Easyjet oder Laudamotion.

Bild: JC International Airlines



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